Als Konzertveranstalter hat man es nicht immer leicht. Zumal, wenn man sich entscheidet, ein, wie man gerne sagt, Event unter freiem Himmel stattfinden zu lassen. Da braucht man starke Nerven, eine hohe Risikobereitschaft und möglichst einen guten Draht nach oben.
Franz Bernhard leitet seit Jahren die Konzertagentur "Allgäu Concerts", und immer wieder mal strapaziert er ganz bewusst seine Nerven: mit einem Open-Air-Konzert auf dem Kemptener Residenz-/Hildegardplatz. Am Samstag ist es wieder soweit: Die Kultcowboys von "The Boss Hoss" wollen die Menge im Schatten der Basilika in Stimmung bringen. Zuvor haben die Gruppen Sternblut (ab 18.45 Uhr) und Stanfour (ab 19.45 Uhr) Gleiches im Sinn. Open-Air auf dem Residenz-/Hildegardplatz: Damals, vor 14 Jahren, hatten viele Musikfreunde dieser Region die Hoffnung, dieses Event hätte das Zeug dazu, zur Dauereinrichtung im Allgäu zu werden. Bernhard war es im Juni 1998 gelungen, Herbert Grönemeyer nach Kempten zu lotsen. Obgleich er damals schon stöhnte: 'Es ist unglaublich schwierig, Stars in die Provinz zu holen.' Überredungskünste und gute Kontakte zu überregionalen Agenturen sind unverzichtbare Voraussetzungen. Franz Bernhard hat beides.
Und weil Grönemeyers Auftritt vor rund 10 000 Besuchern zum Erfolg geriet, ließ Bernhard weitere Veranstaltungen unter freiem Himmel im Zentrum Kemptens folgen: die Liedermacher Reinhard Fendrich, Wolfgang Ambros und Georg Danzer als Austria 3 im Juni 2000 (vor 4000 Zuschauern), Deutschrocker Peter Maffay zwei Jahre später (vor 12 000 Besuchern) sowie den Mannheimer Xavier Naidoo im August 2006.
Der aber bedeutete das vorläufige Ende dieser Open-Air-Serie. Aus der erhofften fünfstelligen Zuschauerzahl wurde vor sechs Jahren an einem verregneten Sommertag nichts. 'Nur' rund 5000 Naidoo-Freunde pilgerten auf den Residenz-/Hildegardplatz. Zu wenig für ein Event dieser Größenordnung. Denn der Aufwand, einen Platz mitten in einer Stadt zu bespielen, sei enorm, sagen viele Veranstalter. Und lassen es lieber sein.
Franz Bernhard und seine Mitstreiter wollen es aber nun, nach einer längeren Pause, wieder wissen. Am Samstag präsentieren sie quasi ein Konzert-Festival.
Drei Bands haben vor, den Residenzplatz zu rocken: die Formation Sternblut, die Rock-Pop-Gruppe Stanfour sowie die siebenköpfige Berliner Band 'The Boss Hoss', deren Chefs sich unter anderem als Jury-Coaches in der Casting-Show 'The Voice Of Germany' einen Namen machten.
l The Boss Hoss Diese Arbeitskleidung ist eine Rarität: Wenn die Jungs von Boss Hoss die Bühne erklimmen, tragen sie in aller Regel Feinripp- oder Jeanshemden, auf dem Kopf einen weißen Stetson, dazu
Westernstiefel und Sonnenbrillen. Die beiden Köpfe dieser Formation, Boss Burns und Hoss Power, stecken sich zudem an die Finger Ringe mit Buchstaben, die die Worte Boss und Hoss ergeben. Auch das Outfit muss schließlich stimmen.
Die Berliner sind gut im Geschäft, gaben zuletzt Gastspiele bei 'Rock im Park' und 'Rock am Ring', schreiben Filmmelodien (zum Beispiel für 'Rubbeldiekatz' von Detlev Buck) und belegten vordere Plätze in den Charts.
l Stanfour Vor zwei Monaten ist das dritte Studioalbum der Band Stanfour auf den Markt gekommen. Der Titel: 'October Sky'. Seither ist die Gruppe aus Norddeutschland, die im September 2010 in der Seifenoper 'Gute Zeiten, schlechte Zeiten' einen Auftritt hatte, regelmäßig auf Tour.
l Sternblut Die Gruppe aus dem Ostallgäu mit den Sängerinnen Mona und Deborah Holzmann aus Ebenhofen ist immer wieder auf Tour durch ganz Deutschland. Zuletzt gab es Auftritte auf der Jugendmesse in Berlin, beim Champions-League-Finale der Fußball-Damen im Münchner Olympiastadion oder bei der Veranstaltung 'Jugend trainiert für Olympia' in Berlin.