Neues Grobkonzept für Museum der Deutschen Gebirgstruppe Eine gute Basis Sonthofen (uw). Ein schroffe Gebirgslandschaft mit überhängenden Felspartien und optisch verengtem Zugang weist Besuchern vom Foyer aus den Weg ins eigentliche Museum. Gebirgstypische Windgeräusche (gesteuert über einen CD-Player mit Lichtschranke) verstärken den Eindruck des unwirtlichen Hochgebirges und gehen dann in Gefechtslärm über So sieht es das neue Grobkonzept für das in Sonthofen geplante Museum der Deutschen Gebirgstruppe vor. Den Glorienschein des Militarismus will der Museumsverein nicht aufrecht erhalten, betonte Zweiter Vorsitzender Heiner Klein vor dem Hauptausschuss. Geplant ist objektive Geschichtsschreibung mit Vergangenheitsbewältigung. Auch Greueltaten das Zweiten Weltkrieges sind kein Tabu. Positiv bewertet das Konzept der Leiter der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern, Dr. York Langenstein. Es sei nicht technik- oder traditionslastig und eine gute Basis, das zeitgeschichtliche Thema aufzubereiten. Die geschätzten 6000 Besucher pro Jahr nannte er eine realistische Annahme. Kunsthistoriker Michael Kamp will zeitgeschichtliche, regionale und biografische Informationen vermitteln.
Dokumentiert wird die Entwicklung der Gebirgstruppe vom italienischen Alpini anno 1872 bis zum heutigen Bürger in Uniform. Dabei kommen auch moderne Medien (wie ein Mini-Kino) und optische Einbauten zum Einsatz. Die Entstehung der Gebirgstruppen sowie gegenseitige Einflüsse des militärischen und zivilen Alpinismus sind nur Einleitung in dem Museum. Ausführlicher gestaltet ist der Erste Weltkrieg. Der Nachbau einer Kaverne soll den Stellungskrieg im Fels optisch verdeutlichen. Weitere Themen: Entstehung der Deutschen Gebirgstruppe, Sonthofen als Wiege der Gebirgsartillerie, Kriegseinsätze (wie Dolomitenfront und Isonzo-Schlacht), Auswirkungen in der Heimat, Schneeschuh-Ersatz-Abteilung in Immenstadt und persönliches Kriegserleben. Brandenburger Tor nachbauen Zwischen den Weltkriegen nimmt sich das Konzept des Soldaten-Todes an. Thematisieren ließen sich die Schlacht am Col di Lana mit 7000 Toten als Beispiel für sinnlosen Minen- und Stellungskrieg, die Karpatenfront, der Lawinentod von rund 60000 Soldaten und das Schicksal eines Kriegsversehrten. Den Wechsel zum Nationalsozialismus und das Ende des Zweiten Weltkrieges soll ein Mini-Nachbau des Brandenburger Tors mit Trümmerlandschaft gestalterisch umsetzen. Dort geht es in Details wie Aufrüstung, Einsatzplanung im Gefechtsstand, Rolle und Verantwortung der Kommandeure sowie verschiedene Einsätze. Zur Vergangenheitsbewältigung will Bischoff auch das Beispiel der Insel Kephallonia (Griechenland) aufgreifen. Neu aufgetauchte Tagebuch-Aufzeichnungen deutscher Soldaten berichten von unglaublichen Brutalitäten der Gebirgstruppen. Die Dimension der Verbrechen müsse noch untersucht werden, so Bischoff. Wir stellen uns der Geschichte und wollen die Gebirgsjäger nicht verherrlichen, betonte er, um darauf die Bedeutung der Gebirgsjäger als Elitetruppe zu unterstreichen.Über den Kalten Krieg im Ost-West-Konflikt führt das Museum zur Gründung der Bundeswehr, ihren demokratischen Strukturen, der Standortgeschichte Sonthofens und Friedenseinsätzen wie in Somalia und dem Kosovo. Vertieft werden bei der Gebirgstruppe Themen wie Ausbildung und technischer Ausrüstung.