Artikel: Vom elitären Verein zum Hüter der Fauna

18. Juli 2006 20:30 Uhr von Allgäuer Zeitung

Fischer feiern am Samstag 125-jähriges Bestehen

Kaufbeuren (fro). - Damals, als noch ein König in München regierte, trafen sich am 28. Juli 1881 im Gasthaus Hasen zu Kaufbeuren einige honorige Mitglieder des Fischereivereins von Schwaben und Neuburg, um einen eigenen Verein zu gründen. 'Das war wohl eine elitäre Gesellschaft, da nur wenige Personen das Fischrecht hatten', erzählt Peter Konrad, der heutige Vorsitzende. Er blickt auf die 125-jährige Geschichte des Vereins zurück: 'Für uns ist auch wichtig, dass wir bereits seit 105 Jahren die Wertach bewirtschaften.'Damals sei die Wertach noch in einem natürlichen Verlauf geflossen: Es gab noch keinen Bären- und Bachtelsee, der saubere und klare Fluss mäanderte vor und hinter Kaufbeuren und der Fischreichtum sei 'gigantisch' gewesen, so Konrad. So sei die Huche einer der Brotfische für Kaufbeuren gewesen. Die Lachsart kann bis zu 35 Kilo schwer werden. 'Doch den letzten großen Fang hat man in den 1970er Jahren gemacht', berichtet der 46-jährige Vereinsvorsitzende. Der Kaufbeurer Verein konnte die Huchen anfangs noch genießen: 1881 wurde er anerkannt und 1901 pachtete er das Fischwasser der Wertach. Zu seinen Aufgaben gehörte aber auch die Schonung der Fische und die Vermehrung des Bestandes. Aus den nächsten Jahren gebe es zwar wenig Aufzeichnungen, aber auch der Verein sei von der Zeitgeschichte gezeichnet worden, so Konrad: 1926 verlor er durch die Inflation sein gesamtes Barvermögen und 1933 war der Vorsitzende Mitglied der NSDAP. Dennoch wurde der Verein verboten, wenngleich die Kassenbücher erkennen ließen, dass der Verein heimlich weitergeführt wurde. Anton Pfäffel war es, der 1951 den Verein wieder ins Leben rief - natürlich im Gasthof Hasen. Unter Adolf Bidell konnte der Fischereiverein 1962 auch das Pachtrecht für den 1956 entstandenen Bärensee bekommen.

Und trotz zunehmender Klagen über die Verschmutzung der Gewässer, konnte das 100. Mitglied gewonnen werden. Peter Konrad Senior gründete 1972 eine Jugendgruppe und erlebte als Vorsitzender die schwerste Umweltkrise an der Wertach: Im Eisstadion des ESVK liefen 750 Liter Ammoniak zur Herstellung des Eises aus und vernichteten Fische und Nährtiere in der Wertach. In Konrad Seniors Ägide fällt auch der Ausbau des Fischervereinsgeländes am südlichen Bärensee mit einem Hälterbecken für Fische und dem Vereinshaus. Es folgen Edgar Gailhofer und Peter Konrad Junior als Vorsitzende, unter denen der Verein auf 165 Mitglieder, drei Ehrenmitglieder und 28 Jugendliche anwuchs. Den Mitglieder gehe es aber nicht darum, lediglich zu angeln: 'Wir zahlen 10 000 Euro für die Pacht und noch mal so viel für den Mindestbesatz bei den Fischen. Dafür verkaufen wir 170 Jahreskarten für den Bärensee', erläutert Konrad Junior. Mithin sei die Pacht kein kostengünstiges Vergnügen, sondern auch eine Verpflichtung: Denn die Arbeit des Vereins wurde mit der Zeit auch immer vielfältiger. 'Unsere Hauptaufgabe ist die Hege und Pflege der heimischen Fischfauna, des Besatzes und der Gewässer', so Konrad. Mittlerweile arbeite der Verein mit der schwäbischen Fischereifachbehörde, dem Wasserwirtschaftsamt, der Stadt oder der VWEW zusammen. Inzwischen sei viel von den Behörden für die Wertach getan worden: Raubäume, Störsteine oder Buhnen (künstliche Landzungen) wurde in die Wertach gesetzt, um das Fischreichtum und die Wasserqualität zu fördern. Die VWEW baut gerade eine Fischtreppe, damit die Durchgängigkeit der Wertach erhöht wird. Das sei zum Beispiel für die Huche wichtig, da der Fisch viel wandere. 'Und wir versuchen den Fisch mit großem Aufwand wieder heimisch zu machen', so Konrad. i Am Samstag, 22. Juli, feiert der Verein mit Festessen, Kinderfest und Festakt ab Nachmittag sein Jubiläum auf dem Vereinsgelände.