Marktoberdorf/Ostallgäu: Romantische Delikatessen serviert

21. Januar 2009 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
alfred michel

Konzert - Ostallgäuer Sinfonieorchester begeistert im Modeon

Große Resonanz erfährt das Sinfonieorchester Ostallgäu beim Publikum. Denn es gibt den vielfältigen Musikkünstlern der Region und insbesondere der begabten Musikjugend eine gemeinsame Spiel- und Auftrittsplattform. Damit wird es auch zum publikumsnahen künstlerischen Vermittler. Und so entwickelte sich das junge Ostallgäuer Orchester auch bei seinem zweiten Konzert im gut besuchten Modeon zum Publikumsliebling.

Herausragende Interpretin

Die Sinfoniker boten ein ebenso umsichtiges wie faszinierendes Programm, gewidmet der deutschen Romantik. Im Zentrum (mit dem besonderen Bezug zur Mutter, Genoveva Brenner) der Blick auf Carl Maria von Webers f-Moll-Klarinetten-Konzert von 1811, mit dem das Orchester einen ganzen Klangkosmos beschwor: mit Anklängen an Mozarts spätes Klarinettenkonzert von 1791, auch seinen "Don Giovanni" oder "Nozze di Figaro" bis zu Webers eigenem, erst 1821 herausgekommenen "Freischütz".

Barbara Steinhauser erwies sich als herausragende Interpretin mit einer wunderbaren Geschmeidigkeit des Tons und berauschend sehnsuchtsvollen Kantilenen, die auch die verschatteten Klanggeheimnisse der Klarinette ausloteten. Die 21-jährige Solistin aus Kaufbeuren, die bei Ulf Rodenhäuser in München studiert, frappierte mit ihrer makellosen Tonreinheit und Gestaltungssouveränität.

Duetthaft mischte sich in ihre Klarinettenstimme die Querflöte der Gymnasiumsdozentin, Regina Domes.

Auch das Orchester schien ganz auf romantische Klangvaleurs eingeschworen, auf Verve und Frische, auf übermütige Motorik und eine staunenswerte lyrische Weichzeichnung. Insbesondere der Streicherapparat offenbarte atmende Samtigkeit und eine beglückende Klangwahrnehmung mit verzögert angestrichenen Schlussakkorden.

Hier zeigte sich die ganze musikalische Überredungskunst des Orchesterleiters Stephan Dollansky. Er verfügt nicht allein über den großen romantischen Duktus, sondern auch detailgenaue Klangsensibilität. So zeichneten seine Musiker die Bruch-Ouvertüre von 1863 mit ebenso feinen wie süffig-opulenten Klangfarben.

Und auch bei der "Reformationssinfonie" von 1830 des Jubilars Mendelssohn-Bartholdy mit ihrer pompösen Feierlichkeit servierten sie das (als Zugabe wiederholte) "Allegro vivace" mit zauberhaft tänzerischer Heiterkeit als romantische Delikatesse.