Allgäu: Harter Stoff aus der Schokofabrik

22. Januar 2009 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
andreas schÖwe

Heavy Metal - Mystic Prophecy nimmt neue CD im Tonstudio im ehemaligem Nestlé-Werk auf

Bad Grönenbach/Waltenhofen An einem Samstag im Dezember: In einem Seitenflügel des 1978 aufgegebenen Nestlé-Werkes in Waltenhofen-Hegge finden sich nach und nach Sänger Roberto Dimitri Liapakis aus Bad Grönenbach und seine vier Mitstreiter ein. Aber nicht etwa, um in der ehemaligen Schokoladenfabrik süße Schleckereien herzustellen. Denn dort wird seit 1994 ganz anderer - mitunter ziemlich harter - Stoff produziert: Heavy-Metal-CDs.

Hier befindet sich das Tonstudio "Prophecy & Music Factory". Liapakis ist mit seinen Bandkollegen fast schon ein Stammgast: Alle bisher fünf Alben seiner Band Mystic Prophecy wurden hier produziert, jetzt stehen die Aufnahmen zum sechsten Werk der fünf Schwermetaller an. Sämtliche Arbeiten müssen bis zum zweiten Januar-Wochenende abgeschlossen sein. Dann mischt ein international renommierter Produzent die Aufnahmen in Göteborg ab.

Festplatte statt Zelluloid

Schon längst im Digitalzeitalter angekommen sind die Musiker. "Bandmaschinen und Zelluloid sind out, es gibt seit Jahren Speichermedien, mit denen sich auch digital warm klingende Aufnahmen realisieren lassen", erklärt Liapakis. Gemeint sind damit Festplatten und Chipcards. Wie viele Informationen sich auf solchen Computer-Accessoires mittlerweile abspeichern lassen, sei "der blanke Wahnsinn".

Sogar bei den Kompositionsarbeiten macht sich das moderne Equipment in Tateinheit mit den Möglichkeiten des Internets bezahlt: "Wir müssen uns nicht erst umständlich im Proberaum treffen, um Ideen zu entwickeln - das geschieht mittlerweile in den eigenen Home-Studios", erklärt der Grieche. "Per E-Mails verschicken wir die Entwürfe, der Nächste ergänzt, stellt die neue Datei ebenfalls zur Diskussion und so weiter."

So lassen sich auch jede Menge Kosten sparen. Insbesondere Reisekosten: Während Liapakis im nur einen Katzensprung entfernten Bad Grönenbach wohnt, sind seine Jungs in Stuttgart (Gitarrist Markus Pohl und Schlagzeuger Stefan Dittrich) und Tuttlingen (Bassist Connie Andreszka) ansässig.

Die weiteste Anreise zu den Proben hätte jedoch Gitarrist Konstantin Kotzamanis zu bewältigen: Der Landsmann von Liapakis kann sich partout nicht von seinem Domizil unter der Akropolis von Athen losreißen.

Jede Tonquelle auf einer Spur

An einem Samstag Anfang Januar: Liapakis singt die letzten Texte ein, ebenso die Background-Gesänge der Hintergrundchöre. Die eigentlichen Aufnahmen aller Stimmen und Instrumente - jede Tonquelle separat für sich auf einer Spur - wären somit im Kasten. Sämtliche Spuren müssen nun in einem weiteren Arbeitsschritt, der "Abmischung" (siehe Infokasten) zusammengefügt werden.

Dafür greifen die Musiker in den nächsten Tagen auf die Dienste des Produzenten im schwedischen Göteborg zurück. "Theoretisch könnte ich den Mix selbst vornehmen", meint Liapakis. "Doch mir ist es lieber, wenn dies eine externe Person mit frischen Ohren erledigt. Ich selbst wäre nie mit dem Ergebnis zufrieden und würde wahrscheinlich noch im nächsten Jahr hinter dem Mischpult sitzen!" In Göteborg wird dagegen alles in nur vier Tage gemixt.

Schließlich bleibt noch der letzte Schritt vor der eigentlichen Pressung der silbernen Scheiben, das so genannte das Mastering. Dann wird die nun fertige CD zum Veröffentlichungsterminam 22. Mai von der Plattenfirma der Band über einen Vertrieb in den Handel gegeben.

Konzert Am Samstag, 23. Mai, wollen die Musiker die Geburt ihrer neuen CD mit einer Live-Release-Party feiern, voraussichtlich im Kaminwerk in Memmingen.