Fischen: Des Herrn Pfarrers mittleres Wunder

15. Januar 2009 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung

Volksstück - Die Fischinger Theaterfreunde präsentieren "Holderkiechle" mit feinem Witz

"So etwas haben wir noch nie gespielt", sagen die Schauspieler der Theaterfreunde Fischen und ihr Spielleiter Poldi Willwerth. Sie haben für ihre neue Spielzeit das Volksstück von Georg Maier "Holderkiechle" einstudiert und fiebern nach wochenlanger Probenarbeit jetzt auf die Premiere hin, die am Samstag, 17. Januar, um 20 Uhr auf der Bühne im Fischinger Kurhaus Fiskina stattfindet.

Mitten im Zuschauerraum

"Holderkiechle" ist ein Stück, das weit vom Bauerntheater-Klischee abrückt. Es ist kein Drei-, sondern ein Vierakter, es spielt nicht nur auf der Bühne, sondern stellenweise mitten im Zuschauerraum. Nur fünf Schauspieler aus der Gruppe der Theaterfreunde Fischen wirken bei dieser eindrucksvollen Aufführung mit. Diesen fünf Akteuren um Spielleiter Poldi Willwerth ist durch eine starke schauspielerische Leistung eine äußerst sehenswerte Inszenierung gelungen.

Das Stück spielt in einem Pfarrhaushalt der 30er Jahre.

Da geht es um einen jungen Pfarrer (Dietmar Martin), der gerade erst sein Amt angetreten hat und der mit seiner neuen Stelle auch die bigotte Haushälterin Felicitas (Margot Keck) übernommen hat, und da ist Mesner Zacharias (Toni Vogler), der nach dem rätselhaften Ableben von Totengräber Sottinger auf dem Friedhof Gräber ausheben muss.

Bekanntschaft im Bordell

Zacharias hat im Bordell die attraktive Prostituierte Magda (Renate Auffinger) kennengelernt, die auf dem Land ein neues Leben beginnen will und die durch den Auftritt des zwielichtigen Orgelbauers Ferdinand Schleicher (Hubert Müller) plötzlich wieder mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird.

Mit "Holderkiechle" zeigen die Theaterfreunde Fischen ein Stück, das durch feinen Witz und leise Untertöne besticht. Es thematisiert Begriffe wie Moral und Vergebung und das Recht des Menschen auf einen Neuanfang. Seinen Titel hat das Stück von dem "mittleren Wunder", das der Pfarrer und sein Mesner heimlich in der Nacht inszenieren. Sie tauchen die Holderblüten am Busch vor der Kirche in Teig, garen die Kiechle vorsichtig mit einer Lötlampe, so dass die Gottesdienstbesucher am nächsten Morgen vor einem Holderbusch mit frisch ausgebackenen "Holderkiechle" stehen.

Aufführungen finden statt am 17. und 18. sowie am 24. und 25. Januar, jeweils 20 Uhr im Kurhaus Fiskina. Karten gibt es in den Gästeämtern der Hörnergruppe, Telefon 08326/36460, und an der Abendkasse.