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Er wird vergöttert wie ein Teenie-Star

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Er wird vergöttert wie ein Teenie-Star

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    Schwester von Ilhan Mansiz lebte fast vier Monate in Istanbul bei dem früheren Kemptener bis zum Beginn der WMVon unserem Redaktionsmitglied Jürgen Lutz Kempten Wenn die Fußball-Nationalmannschaft der Türkei heute um den Einzug in das Finale bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea gegen Brasilien spielt, wird wohl der größte Teil des türkischen Volkes vor irgendeinem Fernseher oder einer Groß-Leinwand vom Bosporus bis an den Van-See sitzen. Es wird dem größten Erfolg seiner Mannschaft, seit es internationale Wettbewerbe gibt, entgegen fiebern. In Krugzell bei Kempten wird es sich ein Mann im Sessel bequem machen. Walter Auerbacher (58) wird mit Interesse auf die Aufstellung der türkischen Mannschaft warten. Es könnte einer mitspielen, den er ziemlich gut kennt: Ilhan Mansiz (25). Der ist spätestens seit seinem 'Golden Goal' im Viertelfinale gegen den Senegal ein Nationalheld in dem Land, in dem Fußball schon mal ein ganzes Stück wichtiger ist als Politik.

    Auerbacher trainierte Mansiz in dessen Zeit beim FC Kempten. In der Fußball-Bayernliga Süd erzielte Mansiz für die B-Junioren des FCK in zwei Spielzeiten 24 Tore. Als A-Junior traf er in der Saison 1992/93 gar 29 Mal ins Schwarze und trug damals maßgeblich zum Aufstieg in die Bayernliga bei. Dann ging Mansiz seiner Wege bis hin zu Besiktas Istanbul (wie berichtet). 'Auerbacher hat den Ilhan in dieser Zeit geformt', sagt Horst Siegfanz (54), der lange Jahre Auerbachers rechte Hand in der Jugendabteilung des FCK war. An Auerbacher dürfte sich Mansiz noch gut erinnern. 'Einmal hat er ihn in der 60. Minute ein- und eine Viertelstunde später wieder ausgewechselt', sagt Kevin Siegfanz (26), der mit Mansiz vier Jahre die Schulbank gedrückt hat und nun beim FCK in der Landesliga kickt.

    Von Walter Auerbacher geformt

    Vielleicht war es ja die harte Hand von Auerbacher, die Mansiz stark gemacht hat für das Stahlbad in der ersten türkischen Liga. 'Er war ein Kämpfertyp, der die Ärmel hoch krempelte', erinnert sich Auerbacher an seinen Zögling. Andere hätten wohl resigniert. Doch. Mansiz biss sich durch. 'Das macht den Unterschied zu denen, die es nicht schaffen', sagt Auerbacher. 'Er war damals mit seiner Art den anderen überlegen. Neben dem normalen Pensum trainierte er noch für sich. Er ging mit Gewichten an den Füßen laufen und machte alleine Schuss-Übungen.'

    Der Ehrgeiz hat sich ausgezahlt. Nun ist Mansiz ein Star. 'In der Türkei wird er nicht nur wegen seiner Haare oder seiner Kleidung vergöttert wie ein Teenie-Star', sagt Nilüfer Mansiz (29), seine Schwester, die noch in Kempten lebt und Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule studiert. Bis zur Weltmeisterschaft wohnte sie fast vier Monate bei ihrem Bruder in Istanbul. Die Eltern von Mansiz leben schon seit längerem wieder in ihrer Heimat in Eskisehir (Zentralanatolien).

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    In Istanbul erlebte Nilüfer Mansiz hautnah, was es heißt, in der Türkei ein erfolgreicher Fußballer zu sein. Zu allen Tag- und Nachtzeiten kamen wildfremde Manschen bis an die Haustür, um irgend ein Souvenir von Mansiz zu erhaschen, sei es nur ein Autogramm, oder aber auch nur, um ihn zu berühren. 'Ihm ist der Rummel gar nicht so recht. Er ist eher ein schüchterner, zurückhaltender Mensch,' sagt seine Schwester. Nirgends sei man vor Journalisten oder Paparazzi sicher gewesen. 'Im Restaurant wurden wir ständig fotographiert. Ich wurde schon für seine Freundin gehalten. Das war sehr störend.'

    Mansiz wird von den türkischen Fußball-Fans, die noch viel fanatischer als die deutschen seien, umschwärmt. Auch die Frauenwelt sei auf ihn aufmerksam geworden. 'Models und die Frauen aus der Szene sind hinter ihm her', sagt sie. Doch ihr Bruder ('wir haben während der WM jeden Tag miteinander telefoniert und verstehen uns einfach prima') scheint ein Mann von Prinzipien zu sein. 'Er hat schon damals in seiner Zeit beim FCK keine Eskapaden gehabt', erinnert sich Auerbacher. Der Erfolg gibt Mansiz recht.

    Ob er jedoch gegen Brasilien spielen wird, ist höchst fraglich. 'Von den Leistungen her wäre er dran', sagt seine Schwester. Doch in der türkischen Mannschaft schwelt ein Konflikt. Superstar Hakan Sükür, der in der Sturmspitze der Türken spielt und damit den Platz von Mansiz blockiert, hat aufgrund seines Status und seiner früheren überragenden Erfolge viel Einfluss. Er soll sogar das Team mit wester Nilüfer aufstellen. Zudem soll es Fraktionen von eher gläubigen Kickern im Team um Sükür und den westlich orientierten Spielern geben, die ­ wie Mansiz ­ im Ausland aufgewachsen sind. Das Problem wurde im türkischen Fernsehen diskutiert. Und viele türkische Sportjournalisten fordern den Einsatz des Ex-Kempteners.

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