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Brillensuche und Löffelspiel

Familien-Freizeit (2)

Brillensuche und Löffelspiel

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    Brillensuche und Löffelspiel
    Brillensuche und Löffelspiel Foto: Oliver Berg (dpa)

    Katharina (9) bekommt die Armbanduhr ihrer Lehrerin Susanne Kellmann. Nicht als verspätetes Geschenk, sondern als Brillenersatz. Weil das Spiel, das die sieben Schüler der Montessori-Schule in Oberstaufen jetzt demonstrieren, eigentlich "Brille suchen" heißt. Aber Frau Kellmann hat keine Brille. Das Allgäuer Anzeigeblatt bat einige Einrichtungen in der Region, ein Familien-Spiel für die freie Zeit zwischen den Jahren vorzuschlagen, das leicht durchführbar ist und nichts kostet. Die beiden Schulleiterinnen der "Monte", Melanie Goyke und Susanne Kellmann, haben sich zwei Spiele ausgeguckt.

    Ein stilles Spiel

    Katharina wartet, bis ihre Kameraden im Nebenzimmer verschwunden sind und platziert die Uhr in einem Ablagekasten. Es dauert nicht lange, und ein Schüler hat sie entdeckt. Aber anstatt lautstark auf den Fund zu verweisen, setzt er sich still neben Katharina auf den großen runden Teppich. Nach und nach versammeln sich dort die Schüler der "Primaria", der Jahrgangsstufe eins bis vier. Am Ende hat Lehrerin Kellmann die Arme ausgebreitet und damit den Suchraum verkleinert. Kein einziges Wort ist gefallen. "Es ist ein stilles Spiel", bestätigt die 33-jährige Pädagogin. "Und vielleicht gerade an den Weihnachtstagen geeignet, etwas zur Ruhe zu kommen."

    Bei diesem Spiel werden Konzentration und Aufmerksamkeit geschult, ergänzt Melanie Goyke (28). Eine gute Übung für Kinder und Erwachsene gleichermaßen stellen die beiden Lehrerinnen fest. Denn kleinere Kinder, die sehr mitteilungsbedürftig sind, tun sich schwer, den Fund nicht sofort zu zeigen. Und die Erwachsenen, die dazu neigen, zu schnell helfen zu wollen, müssen sich Zurückhaltung auferlegen und es aushalten, wenn - gerade mit jüngeren Mitspielern - die Suche eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

    Laut und lustig

    Nicht still, sondern laut und lustig geht es zu, als sich Amos (16), Christine (15), Marius (16) und Sina (15) zum "Löffelspiel" zusammensetzen. Amos mischt einen Stapel Mau-Mau-Karten. Drei erhalten vier, einer fünf Karten, in der Mitte liegen drei Teelöffel.

    Die "überzählige" Karte wandert von einem zum andern, begleitet von Seufzern, Ausrufen oder stillem Vergnügen. Wer als Erster vier gleiche Zahlen auf der Hand hat, nimmt sich einen Löffel. In diesem Moment ist für die Mitspieler Schnelligkeit angesagt, um sich ebenfalls einen Löffel zu sichern. Verlierer ist, wer kein Tischwerkzeug erwischt hat. Auch dieses Spiel kann die ganze Familie spielen. Kinder sind oft sehr aufmerksam und beim "Löffelklau" ganz fix, weil sie ihre Mitspieler beobachtet haben, sagt Melanie Goyke. Erwachsene können im Kopf notieren, welche Karte bei wem hängen bleibt und daraus ihre Schlüsse ziehen. Gefordert sind hier Aufmerksamkeit - Karten, Löffel und Mitspieler im Blick behalten - sowie Merk- und Reaktionsvermögen, so Kellmann. Das Spiel ist außerdem gemeinschaftsfördernd, weil es Spaß mache, stellt Melanie Goyke fest.

    Selbst Konfliktlösungen und Kompromissfähigkeit können geübt werden, wenn etwa zwei Spieler gleichzeitig zum Löffel greifen.

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