Startseite
Icon Pfeil nach unten
Allgäu
Icon Pfeil nach unten

150 Jahre Kloster Lenzfried: Ehemalige erinnern sich

Allgäu

150 Jahre Kloster Lenzfried: Ehemalige erinnern sich

    • |
    • |

    Strenge Ordnung, aber viel gelernt Kempten (mr). Die Schulschwestern riefen - und mehr als 1500 Menschen kamen, um am Wochenende das 150. Bestehen des Lenzfrieder Klosters zu feiern. Vor allem die 'Ehemaligen' ließen sich dieses Ereignis nicht entgehen, gab es doch einiges zu erzählen. Natürlich durfte bei einem solchen Jubiläum auch der Dank nicht fehlen: Bis zum letzten Platz gefüllt war gestern die Lenzfrieder Pfarrkirche, als die örtliche Musikkapelle den Festgottesdienst umrahmte und der ehemalige Stadtpfarrer Anton Vogler auf das klösterliche Wirken einging. Das wurde auch bei einem Festakt gewürdigt (siehe eigener Bericht).

    Im Mittelpunkt des Festes freilich stand das Treffen der 'Ehemaligen'. Die 75-jährige Siglinde Stebner aus Durach beispielsweise war 1946 bei den ersten Nachkriegsschülerinnen. Mit den Halbschuhen ihrer Mutter tippelte sie von der Ostbahnhofsgegend zum Kloster. Heilfroh sei sie gewesen, dass sie lernen durfte. Das Schulgeld von damals 30 Mark habe ihre Motivation nur noch erhöht. Und ihre spätere Anstellung in einer Schuhfabrik habe das 'Schuhproblem' dann endgültig gelöst.

    Aus einer Stuttgarter Geschäftsfamilie kam Carmen Maier-Pedemonte und bei ihrem Schuleintritt (1953) war der Mangel nicht mehr erstes Gesprächsthema. Ein 'Treibauf' sei sie gewesen, erzählt sie und erinnert sich, wie sie einmal fette Rhabarberblätter aus dem Klostergarten geholt und in mehrere Kloschüsseln gepresst hatte. Hätte sich die 'gutmütigste Lehrerin der Welt', ihre Großtante Schwester Xaveria, nicht immer wieder für sie eingesetzt, wäre sie wohl ohne Abschluss von Kempten gegangen. Auch ihrem Einsatz im Schultheater hatte die Stuttgarterin wohl ihr Bleiben zu verdanken, denn manches konnte die spätere Fremdsprachenkorrespondentin nie lassen: Zum Beispiel den Buben nach pfeifen, lacht heute die vierfache Oma.

    Gerne an die Zeit in Lenzfried erinnert sich auch Irmgard Hummel aus Waltenhofen. Was sie im Nachhinein jedoch ärgert: Dass sie nicht die Mittelschule (sie absolvierte die einjährige Haushaltsschule) besucht hatte. Denn die Haushaltsschülerinnen hätten 1961, als die neue Realschule eingeweiht wurde, als einzige Mädchen die Gebäudereinigung betreiben müssen. In guter Erinnerung blieben der gelernten Kinderpflegern das gute Essen und die nette Gemeinschaft. Und begeistert spricht sie heute noch über die damalige Novizin Erika, heute Schwester Hildegardis: 'Bei ihr haben wir in Kochen und Ernährungslehre viel gelernt.'

    Von einer 'menschlich angenehmen Atmosphäre in der Klasse und gegenüber dem Lehrpersonal' erzählt die 34-jährige Daniela Haber aus Weidach. Die Krankenschwester betont den guten Ruf, den die Lenzfrieder Realschule bei Arbeitgebern genieße. Die bevorzugten Chancen auf dem Arbeitmarkt bestätigen auch andere 'Ehemalige'. Karin Wagenbrenner zum Beispiel oder Iris Roßmann, die wissen, dass alle Schülerinnen optimal gefördert wurden. Bei solch vielen Vorteilen im Kloster habe man denn auch die Kleiderordnung ohne Murren hingenommen: Schulter und Brust hatten komplett abgedeckt zu sein, der Rock musste bis zum Knie reichen. Was damals schon ein Problem gewesen sei, erzählt Gabi Lechner: 'Genau in unserer Schulzeit war nämlich Supermini Mode.'

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden