Abschlusskonzert: Stephen Melillo präsentiert in Marktoberdorf mehrere Uraufführungen

10. August 2011 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
Joachim Buch

Gut zueinander gefunden - Neue "Nahrung" für sinfonische Blasorchester

Der vom Musikbund von Ober- und Niederbayern (MON) organisierte Sommerkurs "Windrichtung" zog rund 75 Instrumentalisten aus Deutschland, Österreich und Luxemburg an.

Sie spielten unter Leitung von Michael Kummer, Jochen Lorenz und dem Amerikaner Stephen Melillo, der parallel zum Sommerkurs ein Kompositionsseminar an der Musikakademie in Marktoberdorf leitete. Gefällig, aber einige Tücken

Mit der > von Dmitrij Schostakowitsch >> eröffnete Kummer mit dem Teilnehmerorchester das Programm. Er nahm diesen Repertoire-Klassiker in zügigem Tempo, aber nie überdreht. Zehn Jahre nach seiner > widmete sich Franco Cesarini der zweiten großen literarischen Figur von Mark Twain. Der heuer 50 Jahre alt gewordene Tessiner zeigte sich als Meister in der atmosphärischen Schilderung. Cesarini schrieb eine gefällige Musik, die für die Ausführenden allerdings einige Tücken parat hat. Nicht jede Oberstufenkapelle wird hier problemlos durchsteigen können.

Das intellektuellste Stück des Abends präsentierte Jochen Lorenz: den > des 1954 geborenen Michael Daugherty. Der Schüler des legendären György Ligeti verwob hier auf recht schräge Weise den Tod von > (stets mit rotem Umhang) mit Tanzrhythmen (Tango) und dem >-Motiv aus dem Requiem. Blasorchester, die sich an Stücken wie > bereits satt gespielt haben, finden hier neue >.

Neue Noten und Emotion pur

Nach Musik für den mitwippenden Fuß (Cesarini) und für den Kopf (Daugherty), war als nächstes Körperteil nach der Pause das Herz dran.

Unter der Stabführung von Stephen Melillo, der die Uraufführung von fünf neuen eigenen Werken dirigierte, gab es Emotion pur: nicht nur in Dirigat und Musik, sondern auch in der Moderation des Komponisten. Eine unter die Haut gehende Paraphrase des Spirituals > widmete er kurzerhand einem im Herbst 2009 im Alter von sieben Jahren verstorbenen Jungen aus dem Ostallgäu.

Melillo, der seine Blasorchesterwerke > nennt und diese zu Kapiteln zusammenfasst, widmete sein aktuelles Kapitel 21 > (gewonnener Weg) Roberto Clemente. Dieser ehemalige Baseballspieler erlangte als erster > nationalen Ruhm in den USA. Er starb vor 40 Jahren im Rahmen einer von ihm selbst organisierten Hilfsaktion für Erdbebenopfer in Nicaragua.

Melillo und das Orchester haben in dieser einen Wochen bestens zueinander gefunden. Die vom Komponisten entwickelten > hatten beste Auswirkungen auf die Intonation des Orchesters. Angestachelt von Melillos Motivationskunst erlebte man ein gelöstes Musizieren, das mit sehr langem Applaus belohnt wurde.