Ausschuss: Nun kommt Shared Space für Fußgänger und Radfahrer in Marktoberdorf doch

2. März 2012 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
AZ Infografik

In einem Teil der Schwabenstraße – Kreisel am Jörglweg

Die Schwabenstraße erhält zumindest in Teilen ein neues Gesicht. Am Jörglweg soll die gefährliche Einmündung durch einen Kreisel entschärft und im weiteren Verlauf Richtung Süden bis zum Mod-City-Center in eine 'Shared Space Zone' umgestaltet werden. Darauf einigte sich der Bauausschuss nach langer Debatte.

Vor allem der Abschnitt, in dem sich künftig alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radler und Autofahrer – gleichberechtigt bewegen sollen, sorgte für Gesprächsbedarf. Am deutlichsten formulierte Peter Fendt (Bayernpartei) seine neuerliche Ablehnung: 'Wir sind hier in keinem Experimentiersalon.' Auf der anderen Seite stand unter anderem Clara Knestel (Grüne): 'Vielleicht tut es Marktoberdorf gut, wenn man mal was Neues macht.' Ähnlich argumentierte Wolfgang Schmid (Freie Wähler) und verwies auf den Umbau in der Salzstraße: 'Der ist schlecht.'. Unterstützung gab es auch von Jutta Jandl (SPD): In der Schweiz funktioniere das System auch, und dort lebten schließlich keine anderen Menschen als in Marktoberdorf. Denn in der Schweiz (Kreuzlingen und St. Gallen) hatten sich einige Mitglieder des Stadtrats und der Stadtverwaltung samt Klaus Wobst von der Polizei und Planer Bertram Mooser jüngst über 'Shared Space' informiert und waren mehrheitlich davon angetan.

Grundsatzentscheidung nötig

Den Hintergrund der Umgestaltung nannte Stadtbaumeister Peter Münsch. Die Schwabenstraße sei zu schmal, um getrennte Räume für Fußgänger und Autofahrer samt Radweg zu schaffen. Daher sei 'Shared Space', wo jeder auf den anderen Rücksicht nehmen muss, ein gangbarer Kompromiss. Diese Aussage war ebenso wenig neu wie die Pläne, die Bertram Mooser vom gleichnamigen Kaufbeurer Ingenieurbüro vorlegte. Bei der Diskussion im November sei aber nicht erkennbar gewesen, in welche Richtung weiter geplant werden soll, erklärte Münsch.

Es sei eine Grundsatzentscheidung nötig.

Das verloren manche Stadträte jedoch im Laufe des Abends aus den Augen. Vielmehr zerpflückten sie wie schon damals die Planung von Mooser, obwohl der mehrfach betont hatte, Änderungen seien möglich, es sei nichts fix: weder das Pflaster vor dem Landratsamt und an der Einmündung in die Simon-Baumann-Straße noch das Angebot an Parkplätzen (am Rand und/oder in der Mitte). Am Ende sprachen sich neun Räte für diese Mischzone aus, vier dagegen.

Mehrheitlich mit Ja stimmte der Ausschuss außerdem dafür, das Projekt 'Kreisverkehr am Jörglweg' weiter zu verfolgen. Damit soll ein Unfallschwerpunkt entschärft werden. Deshalb sieht der Plan auch vor, den Arm des östlichen Jörglwegs nicht in den Kreisel münden zu lassen.

Vielmehr soll das Rondell etwas Richtung Landratsamt verschoben werden (siehe Grafik).

Ferner ist angedacht, für den Jörglweg zwischen Schwabenstraße und Märzstraße eine Einbahnstraßen-Regelung auszusprechen. Dies soll geprüft werden. Der Kreisverkehr selbst sei etwas größer als der Aldi-Kreisel, erläuterte Mooser. Es wurde angeregt, ein Überfahren zu verhindern, damit der Verkehr wirklich gebremst wird.

Anwohner ins Boot holen

Andere Überlegungen wie abknickende Vorfahrt wurden zwar wohlwollend betrachtet, seien unter dem Strich aber nicht günstiger als ein Kreisel. Zahlen nannten Mooser und Münsch nicht.

Nun soll weiter am Plan gefeilt werden. Dazu sollen auch die Anwohner befragt werden.