Geschichte: Gedenken an Pestfriedhof in Wiedergeltingen

19. Mai 2012 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
manuela antosch

Es war eine grausame Zeit vor fast 400 Jahren: Krieg, und dazu noch die Pest. Altbürgermeister Hermann Singer kennt sich bestens in der Wiedergeltinger Geschichte aus. Der letzte Pestseuchenzug war hier während des Dreißigjährigen Kriegs, von 1628 bis 1634. 'Das waren schlimme Zeiten', sagt er. Nicht nur wegen der Pest; damals wurde den Bauern auch regelmäßig das Vieh aus dem Stall geraubt.

Wie viele Wiedergeltinger bei der letzten Pestwelle gestorben sind, das lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. 'Der Pfarrer hat gar keine Todesfälle mehr ins Matrikelbuch eingetragen, es waren einfach zu viele', sagt Singer. 'Die Toten musste man schnell wegschaffen, wegen der Seuchengefahr.' Das Massengrab lag an der Gemeindeverbindungsstraße nach Weicht, damals 500 Meter außerhalb des Dorfs.

Dort, in der heutigen Bahnhofstraße, erinnert jetzt ein Gedenkstein an die vielen Pesttoten. 'Wir von den Gartenfreunden wollen daran erinnern, was das früher für eine Katastrophe war', sagt Singer. Der Türkheimer Steinmetz Thomas Pius Schröder hat den Gedenkstein gestiftet.

Seit dem Mittelalter habe die Pest wiederholt die Wiedergeltinger heimgesucht, erzählt Singer. Der Ort wurde immer besonders stark in Mitleidenschaft gezogen: Er lag an der alten Salzstraße, und damit auch an der Heeresstraße. 'Und die Soldaten haben die Pest ja vor allem übertragen.' Wie viele Menschen an der Pest starben, das kann man zwar in den Matrikelbüchern nicht mehr nachvollziehen. Dass es aber viele gewesen sein müssen schon: 'Auffallend ist, dass es danach nur noch sehr wenig Geburten gab', sagt Singer. 'Da war wohl nicht mehr viel Bevölkerung da.'

Mit Beginn der letzten Pestwelle wurde 1628 in Wiedergeltingen – es war damals ein klostereigenes Dorf der Prämonstratenser von Steingaden – die Rosenkranzbruderschaft gegründet. 'Die hatte einen riesen Zulauf', sagt Singer. 'Damals war ja jeder Tag lebensgefährlich. Da haben die Menschen in der Religion Halt gesucht.' (manu)

An der Straße nach Weicht war der Pestfriedhof von Wiedergeltingen. Grundstücksbesitzer Josef Lutzenberger, Steinmetz Thomas Pius Schröder und Altbürgermeister Hermann Singer (von links) freuen sich über den neuen Gedenkstein. Foto: Antosch