Kliniken: Ärzte aus Pfronten und Kempten berichten über gute Zusammenarbeit bei Herzinfarkt-Behandlung

23. März 2012 00:00 Uhr von Allgäuer Zeitung
ralf lienert

bei der ihre Häuser eng zusammenarbeiten

Beim Herzinfarkt geht es um Minuten. Eine ortsnahe medizinische Versorgung ist für die Bevölkerung von höchstem Interesse. Deshalb kooperiert die St. Vinzenz Klinik Pfronten im Bereich der Kardiologie seit Jahren mit dem Herzzentrum Kempten-Oberallgäu.

Mit einem gemeinsamen Vortrag vor gut gefülltem Auditorium informierten Dr. Christoph Mayer (Pfronten) und Privatdozent Dr. Martin Karch (Kempten) über Behandlungsmöglichkeiten und Chancen, durch die enge Zusammenarbeit mit dem Klinikum Kempten Folgen des Infarkts zu minimieren.

Mayer erläuterte die Symptome des sich ankündigenden Herzinfarkts (etwa Rückenschmerzen, kalter Schweiß und Herzrhythmusstörungen) sowie die Ursachen wie Arterienverkalkung und Cholesterinablagerungen. 'Schon bei ersten Anzeichen ist es von größter Bedeutung, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Lieber einmal mehr anrufen als einmal zu wenig', betonte er. Die notärztliche Versorgung stehe rund um die Uhr zur Verfügung.

Vorgestellt wurde auch das neu eingerichtete 'Lifenet-System', das es ermöglicht, das EKG direkt aus dem Rettungswagen an die Klinik zu senden, was eine lückenlose Koordination ohne Zeitverlust bedeute. 'Wird im EKG die Diagnose eines Herzinfarktes bestätigt, kann der Patient auf direktem Weg nach Kempten weitergeleitet werden – durch die Vorabinformation können bereits vor seinem Eintreffen alle Vorbereitungen im Herzkatheter getroffen werden', so Dr. Mayer. 'Beim Herzinfarkt gehen Teile des Herzmuskels verloren und ein schneller Eingriff kann den Schaden zumindest begrenzen', erklärte Dr. Karch, einer der Chefärzte des Kemptener Herzzentrums. Er wies darauf hin, dass im Falle von Symptomen eines Herzinfarkts grundsätzlich der Notarzt zu alarmieren sei.

Es sei falsch, zu versuchen, über den ärztlichen Notdienst Hilfe zu holen. Dabei gehe zu viel Zeit verloren. 'Achten Sie auf die Alarmzeichen.' Neben den klassischen Symptomen von Brustenge (Angina pectoris) und linksseitigen Schmerzen komme es oft nur zu starken Schmerzen im Kieferbereich oder zu Schmerzen im Rücken oder Oberbauch. Er erklärte die Vorgehensweise mittels eines Herzkatheters, der bisher meist über die Leiste, in Kempten aber schon länger bevorzugt über die Gefäße am Unterarm eingeführt wird. Aufgrund des Röntgenbilds der Herzkranzgefäße werde entschieden, ob mittels Ballonkatheter und Stent (mit oder ohne Medikamentenbeschichtung) die Gefäßverengungen zu beheben sind oder ob Bypässe gesetzt werden müssen. Durch die Vorabinformation der Klinik sei es möglich, mit dem Patienten direkt ins Herzkatheterlabor zu fahren.

Dadurch ergäben sich auch für die Region Pfronten durch die optimale Infarktbehandlung mit schneller Diagnose lebensrettende Vorteile.

Zur Frage, ob beim Einsetzen eines Stents eine Ader platzen könne, sagte Dr. Karch, dies sei nicht auszuschließen. Es komme jedoch sehr selten vor und könne oft in gleicher Sitzung behoben werden. Dr. Mayer ging noch auf die Nachsorge ein: Neben der medikamentösen Therapie stehe das Erlernen gesunden Verhaltens (Bewegung, Ernährung) im Vordergrund – eine 'Optimierung des Lebensstils'. Eine Anschlussheilbehandlung sei unerlässlich. Nicht zu unterschätzen sei der Gedankenaustausch unter Betroffenen und die Vermittlung von Krankheitsverständnis.