Gewalt
Flüchtlinge nach Elfmeterturnier verletzt: Fremdenfeindliches Motiv bei Auseinandersetzung in Winterrieden?

Die kleine Gemeinde Winterrieden gilt als vorbildlich, was die Hilfe für Flüchtlinge angeht. Bei einer Informationsveranstaltung vor knapp einem Jahr zu dem Thema platzte der Schulungsraum der Feuerwehr aus allen Nähten, viele Bürger boten ihre Unterstützung an und trugen sich in Listen ein. Doch nun sorgt ein Vorfall, der sich bereits in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni abgespielt hat, für Bestürzung.

Wie der Helferkreis für die Winterrieder Asylbewerber im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde schreibt, seien vier Eritreer nach dem Elfmeterturnier, das Teil des Sonnwendfestes des FV Winterrieden ist, "von einer Gruppe Deutscher in deutlicher Überzahl tätlich angegriffen und verletzt" worden. Es habe sich bei der Gruppe nicht um Winterrieder, sondern um Auswärtige gehandelt, sagen Asylhelfer, Polizei und Bürgermeister Hans Peter Mayer übereinstimmend.

Ein Flüchtling brach sich den Handrücken

Die Polizei, die den Vorfall damals nicht öffentlich machte, bestätigte gestern auf Nachfrage, dass es am besagten 18. Juni, einem Samstag, vor der Asylunterkunft gegen 3.30 Uhr zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen gekommen ist, in deren Verlauf drei Bewohner aus der Unterkunft und mindestens ein Mitglied der anderen Gruppe verletzt wurden. Einer der Flüchtlinge habe einen Bruch des Handrückens erlitten. Es sei bei einigen Beteiligten auch Alkohol im Spiel gewesen, so Christian Eckel, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West. Eckel berichtet wie auch der Helferkreis, dass die Asylbewerber in der Unterzahl gewesen seien.

Bei der anderen Gruppe seien nach jetzigem Erkenntnisstand keine Winterrieder dabei gewesen, es habe sich um Besucher der Sonnwendfeier aus Memmingen und Umgebung gehandelt. Wie viele Personen genau beteiligt waren, konnte Eckel gestern noch nicht sagen. Bereits auf dem Fußballplatz habe der Streit zwischen den beiden Gruppierungen begonnen. Als die Eritreer dann in Richtung Unterkunft unterwegs gewesen seien, habe es erste Handgreiflichkeiten gegeben, die sich dann vor der Unterkunft der jungen Afrikaner fortgesetzt hätten.

Auf die Frage, warum die Polizei den Vorfall nicht gemeldet hat, verweist der Sprecher auf die damals wie jetzt unübersichtliche Situation. Es müssten noch zahlreiche Personen vernommen werden, weiter spricht Eckel von einem "sensiblen Vorfall" und von "Ermittlungsschutz". Auch wollte der Polizeisprecher sich nicht dazu äußern, inwiefern Fremdenfeindlichkeit eine Rolle gespielt haben könnte.

Vermummte Gestalten an der Unterkunft

Diesen Verdacht hegen jedoch nicht wenige. Von massiven Beschimpfungen gegen die Eritreer berichten mehrere Personen übereinstimmend, genauso wie von vermummten Gestalten, die am selben Abend um die Asylunterkunft geschlichen sein sollen.

Außerdem soll es verächtliche Kommentare gegeben haben, die die jungen Afrikaner wegen fehlender Deutschkenntnisse nicht verstanden und zunächst für harmlosen Spaß gehalten hätten.

Judith Schickel, die im Helferkreis aktiv ist und Deutschunterricht gibt, sagt, die Eritreer seien nun verunsichert und der Helferkreis "echt erschrocken". Denn bisher sei es in Winterrieden immer ruhig gewesen. Regine Zoller vom Helferkreis berichtet, dass die betroffenen Flüchtlinge "geknickt" seien, Traumata seien bei ihnen wieder hochgekommen.

Der Helferkreis ruft nun im Mitteilungsblatt dazu auf, "gewalttätigem Reden und Handeln entschieden entgegenzutreten und den Geflüchteten weiterhin ein Leben in Sicherheit zu ermöglichen". Winterriedens Bürgermeister Hans Peter Mayer sagte gestern, er könne nicht sagen, was sich genau zugetragen habe. Er habe erst nach dem Fest von dem Vorfall erfahren. Am Donnerstag werde es eine Besprechung geben, in der die Vorkommnisse Thema seien.

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