Ortsgeschichte
Walder Armenhausbild kehrt heim

Mit einem geschichtsträchtigen Geschenk besuchte Wolfgang Emmerz, Enkel des in Wald zu seinen Lebzeiten sehr beliebten Lehrers Joseph Emmerz, die Wirkungsstätte seines Großvaters: Er hatte ein von der Münchner Schule gemaltes Bild des Armenhauses von Wald im Gepäck, das er dem Vorsitzenden des Verkehrsvereins, Edmund Happ, überließ. Es hat in der Fotoausstellung 'Wald-einst' im Dachgeschoss der Schule einen Ehrenplatz bekommen.
<p class='tbold'>Zum Schulhaus gehören damals Melkkühe und ein Schwein</p>

Lehrer Joseph Emmerz (geboren 1863 in Günz) ist in Wald eine unvergessene Persönlichkeit. Die Informationen über dessen Lebengeschichte hat Walds Gemeindesekretärin Rosi Vogler zusammengetragen:

Emmerz kam 1893 als Lehrer in den Ort und wohnte frei im Schulhaus, zu dem damals eine Landwirtschaft mit 40 Tagwerk Wald und Wiesen, vier bis fünf Melkkühe, ein bis zwei Jungtiere, ein Schwein und 30 Hühner gehörten.

Der neue Lehrer brachte Frau und Kind mit und in Wald wurden dem Paar noch fünf weitere Kinder geboren. Bis 1906 unterrichtete Emmerz die Klassen fünf, sechs und sieben.

Er spielte auch die Kirchenorgel und war werktags Mesner und sonntags Organist. Seiner Tochter Johanna lehrte er das Geigenspiel, den Sohn Georg unterrichtete er am Klavier. Schon früh band er seine Kinder in die täglichen Pflichten ein. So musste sein Sohn, wenn der Vater krank war, um 5 Uhr zum Gebet läuten und die Tiere versorgen.

<p class='tbold'>Der besessene Kneippianer erleidet einen Kälteschock</p>

Emmerz’ Ende war tragisch. Er war ein besessener Kneippianer, der sich täglich im kalten Wasser abhärtete. Abends tauchte er in den nahen Brantelsbach oder in die Wertach ein. Wenn es sein musste, wurde für seine 'Tauchgänge' sogar das Eis aufgeschlagen.

Gerade das wurde ihm am 3. Dezember 1906 zum Verhängnis: Nach seinem Bad traf er auf der Dorfstraße einen Bürger, dem er verschwieg, dass er gerade aus der eiskalten Wertach kam.

<p class='nurwennwerbung'>Die Beiden verstrickten sich ins Gespräch. Völlig unterkühlt erreichte Emmerz schließlich den wärmenden Kachelofen seiner Wohnstube. Bis zum 5. Dezember hatte er sich nicht von seinem Kälteschock erholt. Er legte sich ins Bett, der Arzt setzte Blutegel an und verschrieb Wickel.</p>

Aber eine doppelseitige Lungenentzündung und Nierenversagen konnten diese Maßnahmen nicht verhindern: So starb Emmerz am 7. Dezember mit nur 43 Jahren. Das ganze Dorf kam, um Abschied zu nehmen, bevor er in seinen Heimatort Gabelbach überführt wurde.

500 Walder Bürger begleiteten den Leichnam, der per Pferdegespann nach Leuterschach zur Bahn gebracht wurde, obwohl hoher Schnee lag. Pfarrer Reich aus Wald und der Leuterschacher Pfarrer führten den Zug an. Die Walder stifteten dem 'allseits geschätzten' Lehrer eine Gedenktafel, die sich im Besitz seines Enkels befindet.

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