Telefonbetrug
Um rund 20.000 Euro betrogen: Opfer von Callcenter-Betrug berichtet

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"Ich schäme mich, dass ich so dumm war und das geglaubt habe", erklärt eine Seniorin, die Opfer eines Callcenter-Betrugs wurde bei einer Pressekonferenz der Polizei in Memmingen. Aller Scham zum Trotz bewies die Frau den Mut, mit ihrem Fall in die Öffentlichkeit zu gehen, und so der Polizei zu helfen, die sich derzeit im Allgäu vermehrt darum bemüht, präventiv gegen Betrugsversuche am Telefon vorzugehen

So nahm die Frau schon zum zweiten Mal ihren Mut zusammen und unterstützte die Polizei erneut. Beim ersten Mal konnte sie der Polizei helfen, einen der Betrüger festzunehmen.

Angefangen hatte alles im Jahr 2018. Ein vermeintlicher Polizeibeamter namens Philipp Haid meldete sich bei der Allgäuerin, die anonym bleiben möchte. Der Anrufer teilte der Frau mit, er sei Polizeihaupkommissar in Stuttgart und einer Bande von Betrügern auf der Spur. Die Seniorin habe bei einem Gewinnspiel 49.000 Euro gewonnen, hinter denen diese Betrüger nun her wären.

Um sie auf eine falsche Fährte zu locken, solle die Dame einen Betrag im Tausenderbereich einzahlen - bei einem Asiashop in Ulm. Die Seniorin, überzeugt davon, dass sie der Polizei so helfen könnte, fuhr nach Ulm und wurde vom Ladenbetreiber auf einen möglichen Betrugsversuch hingewiesen. Das Geld nahm der Shop nicht an. So wurde dann beim nächsten Telefonat des falschen Polizisten eine andere Übergabe vereinbart, denn der Mann konnte sie überzeugen, er sei ein echter Polizist.

Insgesamt vier Mal übergab die Allgäuerin einem Mittelsmann daraufhin mehrere Tausend Euro. Die Übergaben fanden sowohl vor ihrer Haustüre als auch in Baden-Württemberg statt. Mit dem Taxi fuhr die Seniorin zur Übergabe. Das Geld für die Fahrt durfte sie großzügigerweise vom übergebenen Geld abziehen. So übergab die Frau einmal 4.000 Euro, einmal 6.000 Euro, einmal 8.000 Euro und einmal 2.000 Euro - immer im Glauben, der Polizei damit zu helfen.

Die richtigen Beamten wurden aber erst auf den Fall aufmerksam, als sich die Bank bei der Tochter der Seniorin gemeldet hatte. Einem Mitarbeiter waren die vermehrten Abbuchungen aufgefallen. Die Tochter, bisher von ihrer Mutter nicht informiert, schaltete dann die Polizei ein. Und die hatte mit der Seniorin eine echte Hilfe an der Hand.

Als die Beamten bei der Betroffenen zu Haus waren, an einem Tag, an dem erneut eine Übergabe stattfinden sollte, meldete sich der Betrüger erneut per Telefon. Die Seniorin, mutig und geistesgegenwärtig, stellte das Telefon auf laut und ließ sich nichts anmerken. Als relativ unverschämt beschrieb die Polizei den Anrufer im Nachhinein. Die Frau sollte möglichst zügig zu einem Treffpunkt fahren. 

Das tat sie dann auch - unter Begleitung der Polizei. Einen vermeintlichen Bargeldumschlag warf die Frau in einen Briefkasten und entfernte sich. Kurz darauf kam der Abholer und wurde von Zivilpolizisten festgenommen. Und dabei stellte sich heraus: der Mann war selbst kurz zuvor Opfer eines Telefonbetrugs geworden.

Um ihm seinen finanziellen Schaden wieder zurückzugeben, der Mann hatte mehrere Tausend Euro ins Ausland überwiesen, hatten die Betrüger ihn "umgedreht" und zum Mittelsmann gemacht. Nicht nur die Seniorin war ihm so zum Opfer gefallen. Der Mann soll laut Angaben der Polizei weitere 70.000 Euro transferiert haben. Von wem das Geld erbeutet wurde, konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Die Allgäuer Seniorin wird ihr Geld von dem Mittelsmann zurück bekommen. Eine Auflage seiner Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ist die Rückzahlung und so finanzielle Entschädigung der Frau. Die Psychische Belastung der Frau kann das aber nicht ausgleichen. Nicht nur die Scham, Opfer eines Betrugs zu sein, hat die Frau mitgenommen, von dem bislang unbekannten Anrufer wurde sie auch weiterhin terrorisiert. Etwa ein Vierteljahr lang erhielt sie weiter Anrufe, in denen sie beschimpft wurde.

Trotzdem hat die Frau ihren Mut zusammengenommen und ist mit ihrer Geschichte unterstützt von der Polizei an die Öffentlichkeit gegangen. Zum einen, um mit dem Thema abschließen zu können, zum anderen, um andere vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren.

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