Interview
Lebende Angellegende - Heinz Kandziora aus Trunkelsberg war einer der erfolgreichsten deutschen Raubfischangler

Kapitale Hechte fing Kandziora in Dutzenden.
12Bilder
  • Kapitale Hechte fing Kandziora in Dutzenden.
  • Foto: Heinz Kandziora
  • hochgeladen von David Yeow

Mit Legenden ist das ja immer so eine Sache – bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die tollsten Geschichten meistens als blanke Übertreibung. Was bleibt ist meistens nur ein wahrer Kern, unspektakulär und ziemlich gewöhnlich.

Anders ist das allerdings in diesem Fall. Seit Jahren berichten Angler immer wieder von einem Angelneuling, der in den 1990er Jahren mit einem Schlag zu einem der erfolgreichsten Raubfischangler in ganz Deutschland wurde. Dutzende riesige Hechte und Zander soll dieser Mann gefangen haben – deutlich mehr als ein „normaler“ Angler in seinem Leben überhaupt sieht.

Auf der Suche nach dieser Legende landeten wir schließlich bei Heinz Kandziora aus Trunkelsberg und auf die Frage, ob er besagter Angelanfänger sei, antwortete er mit einem schlichten „Ja“. Klar also, dass wir Heinz Kandziora zu einem Interview bitten mussten.

Herr Kandziora, was ist denn dran an der Legende? Haben Sie als blutiger Angelanfänger tatsächlich die erfahrensten Profis vorgeführt?

Heinz Kandziora: Nein, ganz so war das nicht. Ich war kein kompletter Anfänger mehr. Vor meinem ersten Meterhecht war ich genau 56 Angeltage lang ziemlich erfolglos am Wasser gesessen. An dem Tag aber, an dem ich das Angeln schon sein lassen wollte, fing ich dann plötzlich meinen ersten Hecht mit über einem Meter Länge. Von da an ging es dann richtig los.

Wie viele Großhechte haben Sie denn tatsächlich gefangen?

Heinz Kandziora: In den Jahren meiner ganz aktiven Angelzeit waren es schon mehr als 65 Großhechte mit über einem Meter. Der größte lag bei 124 cm und knappen 20 Kilogramm Gewicht – ein ziemliches Kaliber. Aber auch bei Zandern war ich ziemlich erfolgreich. Mehr als 40 Zander mit über 80 cm habe ich fangen können. Mein größter Fang lag da bei 106 cm und 14 Kilogramm. Das war auch ein echtes Erlebnis.

War die Resonanz auf Ihre Fänge in den Fachzeitschriften dann groß?

Heinz Kandziora: Ja, das kann man schon sagen. Ich habe die Fänge immer an die Fachzeitschriften gemeldet und dort waren die erstmal ungläubig. Die dachten: „Dass muss ein Profi sein, oder zumindest ein sehr, sehr erfahrener Angler.“ Aber nix da, war ich ja nicht. Irgendwann hat sich ein Chefredakteur bei mir gemeldet und wollte wissen, warum ich so viele große Fische fange. Der kam dann sogar den weiten Weg von Hamburg nach Memmingen.

Und warum haben Sie so viele große Fische gefangen?

Heinz Kandziora: Ich habe unglaublich viel getüftelt, habe mir dann immer überlegt: Wo steht der große Hecht? Was mag der? Wie kann ich ihn fangen? Irgendwann war mir klar: Ich muss meinen Köderfisch dort auslegen, wo andere nicht angeln – also dort wo man den Köder eigentlich nicht hinwerfen kann. Also habe ich mir von meinem Bruder ein ferngesteuertes Boot umbauen lassen. Das hatte am Heck einen Mechanismus, an dem ich den Köderfisch einhaken konnte. Mit dem Boot habe ich die Montage dann an die Stellen gefahren, an denen die großen Hechte standen. Per Knopfdruck konnte ich die Montage dann aushaken.

Also haben Sie quasi ein Köderboot benutzt... und zwar lange bevor diese Technik auf den Markt gekommen ist?

Heinz Kandziora: Ja, das stimmt. Ich tüftle halt gern.

Und das war ihr einziges Erfolgsrezept?

Heinz Kandziora: Nein, manchmal habe ich auch mit Mais die Weißfische angelockt und dort dann auch meinen Köderfisch platziert. Meine Idee war immer: Wenn die Weißfische an einem Fleck stehen und Futter aufnehmen, dann kann auch ihr Fressfeind der Hecht nicht weit sein... und meistens hatte ich damit recht.
Ansonsten gibt es noch ein paar andere Dinge, die mir immer wichtig waren: Ich habe immer hochwertiges Zubehör verwendet. Nach jedem Biss gab es neue Karabiner, Haken und Stahlvorfächer – ich wollte auf keinen Fall wegen altem Material einen Fisch verlieren.

Außerdem waren die Köderfische, mit denen ich geangelt habe, immer groß. Die Regel ist einfach: Großer Köderfisch, großer Hecht. Auch das hat gut geklappt. Und natürlich gibt es noch eine Regel: Geduld. Ich bin stundenlang, tagelang nur am Wasser gesessen. Anders geht es nicht.

Wie ging das denn? Sie sind ja verheiratet und mussten damals auch arbeiten?

Heinz Kandziora: Ja, das war schon nicht immer einfach. Meine Frau und ich hatten damals eine Gastronomie – ich kam ja erst so mit 40 Jahren zum Angeln. Das hieß dann: Samstagnacht die letzten Gäste verabschiedet und um 3 Uhr morgens ab ans Wasser. Da war ich dann oft bis in die nächste Nacht hinein.

Sie haben gesagt, dass Sie immer getüftelt haben. War das Köderboot die einzige Erfindung?

Heinz Kandziora: Nein, ich habe auch einen eigenen Bissanzeiger erfunden und auch produziert. Das ist ein wirklich hochwertiges Teil und 100 Prozent „Made in Germany“ – der kam bei den Kunden gut an, hat sich aber insgesamt nicht so oft verkauft. Gegen die Großen der Angelindustrie hat man halt wenig Chancen, auch wenn das Produkt gut ist. Von dem Bissox habe ich aber noch einige im Keller.

Ging es Ihnen denn immer nur um die ganz großen Hechte und Zander?

Heinz Kandziora: Ich habe auch oft auf andere Fischarten geangelt. Aal, Barsch, Forelle und so weiter. Aber die großen Hechte und Zander haben mich immer besonders gereizt. Vor allem aber ging es für mich um das Abschalten in der Natur. Das war ein hervorragender Ausgleich zur Arbeit.

Gehen Sie denn heute noch angeln, oder ist die große Leidenschaft vorbei?

Heinz Kandziora: Die ist nicht mehr so groß wie früher. Aber ab und zu gehe ich schon noch zum Angeln. Ich habe da ja eine Angelberechtigung an einem schönen Illerstück auf Lebenszeit – das kostet mich nichts und wenn ich mal wieder Lust verspüre, dann packe ich meine Angelruten und gehe los.

Eine Berechtigung auf Lebenszeit?

Heinz Kandziora: Ja, ein ehemaliger Gast in meiner Gaststätte besitzt ein Stück der Iller und hatte vor vielen Jahren ein großes Problem mit Schwarzfischern. Wir haben eine Abmachung getroffen: Ich kümmere mich um die Schwarzfischer und er lässt mich dafür an seiner Illerstrecke angeln. Ich habe dann immer wieder Ausschau gehalten und eines Tages zwei Jugendliche entdeckt. Die haben mit einem Boot und einem Netz jede Menge Fische gefangen. Nach einem Gespräch mit den Eltern haben Sie mir dann versprochen, dass sie das künftig sein lassen – und so war es dann auch. Ich habe also mein Wort gehalten und mein Gast ebenfalls, seitdem kann ich dort angeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019