"Love Scamming"
Sonthoferin (57) überweist mehrere Zehntausend Euro an Internet-Betrüger

Eine Frau wurde um mehrere Zehntausend Euro betrogen. (Symbolbild)
  • Eine Frau wurde um mehrere Zehntausend Euro betrogen. (Symbolbild)
  • Foto: picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow
  • hochgeladen von Fabian Mayr

Eine 57-jähriger Sonthoferin wurde von einem Unbekannten um mehrere Zehntausend Euro betrogen. Die Frau hatte im Juli über eine Social-Media-Plattform einen vermeintlichen Liechtensteiner kennengelernt, der vorgab, als Chef einer Bohrinsel in Kuwait zu arbeiten.

Nachdem sich der Mann das Vertrauen der 57-Jährigen erschlichen hatte, erzählte er ihr, dass er sich auf dem Weg in die Heimat befände. Aus Furcht vor Überfällen hätte er sämtliche seiner Wertsachen in einem Paket an die 57-Jährige geschickt. Der Heimweg gestaltete sich dann aufgrund von angeblichen Quarantänemaßnahmen, Zollgebühren und sogar wegen einer Inhaftierung so schwierig, dass ihn die Sonthoferin wiederholt auslösen sollte.

Insgesamt überwies die Frau laut Polizei mehrere Zehntausend Euro an unterschiedliche Konten im Ausland. Erst als sie sich Geld von einer Verwandten leihen wollte, um weitere Forderungen zu erfüllen, wurde sie von dieser auf die als "Love-Scamming" bekannte Betrugsmasche hingewiesen.

Die "Love-Scamming"-Masche

Das Phänomen ist bei der Polizei als "Love Scamming" oder "Romance Scamming" bekannt und beschäftigte die Ermittler vor allem Mitte des letzten Jahrzehnts. Danach ebbte die Welle ab und wurde von neueren Phänomenen wie beispielsweise den "Falschen Polizeibeamten" abgelöst. Mittlerweile erlebt die Geschichte der falschen Liebschaften wieder eine Art Comeback. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West verzeichnete im Jahr 2020 rund 50 Ermittlungsverfahren, 2021 sind es mit Stand heute etwa die Hälfte davon. In vielen Fällen entstand dabei ein finanzieller Schaden bei den Geschädigten, 2020 erbeuteten die Täter aus 36 Fällen über 450.000 Euro, im laufenden Jahr erschwindelten sich Liebesbetrüger bereits über 250.000 Euro. Die Opfer trauen sich aufgrund der intimen Details aus der Kommunikation oft nicht, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Der Hintergrund

Die Angesprochenen werden mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft. Es entsteht im Verlauf der Zeit eine emotionale Abhängigkeit beziehungsweise eine Beziehung zum Unbekannten. Auf einmal kommt ein vermeintlicher Notfall oder eine finanzielle Notlage in das Leben der neuen Liebe. Helfen kann nur das Opfer - mit dem eigenen Geld.

Anhand dieser Tipps können Sie Betrüger erkennen

  • An der Kontaktaufnahme: Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Scammer an Mailadressen. Eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat dient als Lockmittel. Da die Betrüger oft mit deutschen Mailadressen arbeiten, ist selten ersichtlich, dass sich hinter den netten Zeilen ein Scammer verbirgt.
  • An der Sprache: Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Insider gehen davon aus, dass rund 95 Prozent der englisch sprechenden Kontakte auf deutschen Dating-Seiten Romance- oder Love-Scammer sind. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.
  • An den Bildern: Scam-Frauen locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind, während Scam-Männer häufig Fotos von uniformierten Männern nutzen.
  • Am Inhalt der Mails: Scammer überhäufen ihre Opfer schon nach dem ersten Kontakt mit ellenlangen Briefen voller schwülstiger Liebesschwüre. An den überbordenden Liebeserklärungen und Liebesbekundungen sind sie leicht zu erkennen. Aber es geht auch anders: Seriös wirkende Mails sollen das Interesse wecken. Oft wollen die Scammer alles über ihr Opfer wissen: Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt immer eine Rolle. Wichtig: Die Scammer bezeichnen ihre neuen Partner schon bald als "Ehemann" oder "Ehefrau" und schmieden Heiratspläne. Deswegen scheint die Bitte um ein Visum oder ein gemeinsames Konto gerechtfertigt.
  • An Verbindungen nach Westafrika/Russland/Südostasien: Ob Geschäftsreise oder familiäre Probleme, es gibt vielfältige Gründe für eine Verbindung nach Nigeria, Ghana usw. Frauen hingegen leben oft in osteuropäischen / südostasiatischen / südamerikanischen Ländern.
  • An Bitten um Geld / Visum / Päckchen- oder Briefversand / gemeinsames Konto: Es gibt viele Gründe, das Opfer um Geld zu bitten. Weigert es sich, Geld zu schicken, finden Betrüger andere Wege. Gefälschte Schecks, die in Deutschland eingezahlt werden sollen, gehören dazu. Momentan sehr stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einer Einladung nach Deutschland. Die Betrüger schaffen es auch, geschickt die Opfer für ihre Zwecke zu missbrauchen, beispielsweise sollen diese Briefe oder Päckchen an dritte Personen verschicken. Scam-Frauen erbetteln sich häufig Einladungen nach Deutschland. Oft geben die Betrüger vor, ein gemeinsames Konto mit dem Opfer eröffnen zu wollen und bitten um Kopien von Ausweisen. Die Daten werden für Fälschungen von Pässen genutzt.
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