Mysteriös
Was bedeutet der Schaum auf den Gewässern im Allgäu?

Auch am Ortwanger Baggersee bei Burgberg bildet sich Schaum auf dem See.
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  • Auch am Ortwanger Baggersee bei Burgberg bildet sich Schaum auf dem See.
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Wer derzeit an den Seen im Allgäu spazieren geht, kennt dieses Phänomen vielleicht. Besonders im Frühjahr, wenn der Blütenstaub ins Wasser fällt, kommt es besonders gut zum Vorschein. Weiße oder bräunliche Schaumkronen, die auf der Wasseroberfläche von Bächen oder Seen schwimmen. Was gefährlich aussieht, hat aber meistens natürliche Ursachen. Auch im Allgäu ist das Phänomen zu beobachten.

Tote Lebewesen

"Schaum entsteht, wenn das Wasser viel organisches Material wie Holz oder Laub mitträgt und sich dieses zersetzt. Etwas im Frühjahr, zur Zeit der Schneeschmelze, aber auch im Herbst wenn die Blätter fallen. Nach längeren Trockenphasen mit nachfolgendem Niederschlag kann es ebenfalls zu Schaumbildungen auf den Gewässern kommen," so Inga Grote vom Wasserwirtschaftsamt. Aber auch nach starken Regenfällen und in der Nähe von Mooren kann sich Schaum auf dem Wasser bilden. So werden sogenannte "Huminstoffe", also chemische Verbindungen aus abgestorbenen Lebewesen, aus dem Moor gespült und gelangen so in die Gewässer. Dort verfärbt sich der Schaum dann meistens Braun.

Auch am Ortwanger Baggersee bei Burgberg bildet sich Schaum auf dem See.
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Auch der Mensch ist schuld 

Aber auch Wasserpflanzen und Algen geben Eiweißstoffe ab, die dann zur Schaumbildung im Wasser führen. Auch wenn die Ursache zur Schaumbildung auf den Allgäuer Gewässern größtenteils auf natürliche Ursachen zurückzuführen ist, spielt auch der Mensch oft eine große Rolle. So kann sich der Schaum auch bilden, wenn Fäkalien aus der Kanalisation oder von landwirtschaftlich genutzten Flächen in die Gewässer laufen. Doch herauszufinden was zur Schaumbildung geführt hat ist schwierig, so das Wasserwirtschaftsamt in einer Mitteilung.

Natürlicher Schaum=Ruhiges gewässer

"Selbst eine chemische Analyse im Labor bringt nicht immer einen abschließenden Aufschluss. Trotzdem gibt es Kriterien, anhand derer sich die Ursache erkennen lässt," so Inga Grote vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein. Meist findet man den natürlichen Schaum in Gewässern die eine geringe Strömung haben wie beispielsweise ein See. Meist ist er weiß bis bräunlich gefärbt und enthält kleine Stücke von Pflanzenresten und Insekten. Zudem riecht er meistens nach Fisch oder Erde.

Auch am Ortwanger Baggersee bei Burgberg bildet sich Schaum auf dem See.
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Einfacher Selbsttest

Füllt man den Schaum in eine Flasche, zerfällt er und lässt sich auch durch Schütteln nicht neu erzeugen. Der Schaum, der von Menschen verursacht wurde, zum Beispiel durch Shampoo oder Seife, bildet sich aber aufgrund von Tensiden neu. Er riecht meistens nach Parfüm oder Waschmittel und seine Färbung ähnelt der eines Regenbogens. Der Schaum aus landwirtschaftlichen Abschwemmungen also zum Beispiel Gülle oder aus der Kanalisation, riechen dagegen nicht nach Parfüm und ist daher leicht identifizierbar.

Nicht einfach zu sagen

Doch ob der Schaum gefährlich ist oder nicht, kann nicht so einfach gesagt werden. "Hängt die mögliche Gefahr von der Ursache der Schaumbildung und somit der möglichen Bestandteile des Schaumes ab. Für die Beurteilung der Badegewässer sind grundsätzlich die Gesundheitsämter zuständig," so Piet Linde vom Wasserwirtschaftsamt Kempten. Sollte eine Verunreinigung in einem See, Fluss oder Bach festgestellt werden, sollte man die örtliche Polizei verständigen. Die Einsatzkräfte sind schnell vor Ort und übernehmen die Ermittlungen.

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