Kuscheldecke ist Pflicht
"Schwimmkurs" mit den Biber-Babys

Die bei Bad Hindelang geretteten Biber-Babys bei ihrem ersten "Schwimmkurs".
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  • Die bei Bad Hindelang geretteten Biber-Babys bei ihrem ersten "Schwimmkurs".
  • Foto: Benjamin Liss
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

Bereits seit neun Tagen sind die kleinen Babybiber jetzt schon bei Tierpflegerin Stephanie Schwarz aus Sonthofen. "Sie entwickeln sich sehr gut", erklärt die 36-Jährige. Gefunden wurden sie in einem Bach bei Bad Hindelang. Vor einem kleinen Kraftwerk befindet sich ein Metallgitter, an dem wurden die beiden Biberbabys gefunden. Für einen dritten Biber kam aber leider jede Hilfe zu spät, er konnte nur noch tot geborgen werden.

Nach über einer Woche entwickeln sich die geschützten Tiere weiter prächtig. Sie trinken beide besser, aber es fehlt manchmal an verschiedenen Dingen. Einer der beiden trinkt nur dann, wenn alles optimal ist. "Die Milch muss die richtige Temperatur haben, der Winkel der Flasche muss stimmen und es muss eine Kuscheldecke dabei sein, sonst trinkt er nicht", so Ersatzmutter Stephanie Schwarz.

Dr. Kurt Buchelt untersuchte die Biberbabys in der Tierkinik Blaichach und auch er ist mit der Entwicklung sehr zufrieden. Rund 250 Gramm und 150 Gramm haben die beiden schon zugenommen, gefüttert werden sie aktuell mit Aufzuchtmilch, die eigentlich für Katzen gedacht ist. Dreimal am Tag bekommen die Tiere etwas zum Fressen, ansonsten Knabbern sie in ihrem großen Hasenkäfig an kleinen Ästen herum. Ebenso haben sie ein kleines Wasserbecken in ihrem Gehege, um schwimmen zu gehen. Da aber ein Wasserbecken in einem Käfig nicht mit einem richtigen Teich oder einem Fluss zu vergleichen ist, ging es am Montagabend für die kleinen Biber auf große Reise.

"Schwimmkurs" im Gartenteich

"Die Tiere müssen das Schwimmen und Tauchen lernen. Das geht aber in einem kleinen Wasserbecken nicht", so Stephanie Schwarz. Ihren ersten "Schwimmkurs" bekamen die Tiere im Garten von Tierarzt Dr. Kurt Buchelt. "Ich stelle meinen Teich gerne für die ersten Schwimmerfahrungen zur Verfügung", meint der Tierarzt aus Gunzesried.

Zusammen mit ihrem Bau wurden die Tiere dann an den Rand des Teichs gesetzt. Langsam verließen die ein Monate alten Tiere ihren Bau und setzten einen Fuß nach dem anderen in das Wasser. Mit einem beherzten Sprung ging es für die beiden ins kalte Nass. Sie erkundeten jede Ecke des großen Teichs und knabberten kräftig an den Pflanzen. "Für die Tiere ist es eine ganz neue Erfahrung, die sie jetzt machen. Man sieht aber, dass sie sich im Wasser wohlfühlen und alles erkunden wollen", so die 36-jährige Tierpflegerin.

Die bei Bad Hindelang geretteten Biber-Babys bei ihrem ersten "Schwimmkurs".
  • Die bei Bad Hindelang geretteten Biber-Babys bei ihrem ersten "Schwimmkurs".
  • Foto: Benjamin Liss
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Bei 14 Grad Außentemperatur ging es für die jungen Tiere durch das Wasser, über Stock und Stein, immer im Blick von Ersatzmama Stephanie Schwarz. "Ich hoffe, dass sie sich weiterhin so gut entwickeln. Sie werden Tag für Tag größer und mutiger." Doch die Tiere bleiben nicht immer so klein, wie sie jetzt sind.

Europas größte Nagetiere werden zwischen 113 und 137 Zentimeter lang und werden meist zwischen 23 und 30 Kilogramm schwer. Der Biber-Bestand in Bayern beläuft sich derzeit auf etwa 22.000 Tiere, die in rund 6.000 Revieren leben. Diese relativ hohe Zahl sollte laut dem Bund Naturschutz aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Biber immer noch zu den seltensten Tieren in Deutschland zählt und sein aktueller Bestand nur ein Bruchteil des ursprünglichen Vorkommens in Bayern ist.

"Niemals einfach so mit nach Hause nehmen"

Doch bald geht es für die Biber weiter. Ein Biberberater, der für Südbayern zuständig ist, wird die Tiere in den nächsten Tage abholen. "Sie kommen dann in ein größeres Gehege, dort werden sie großgezogen und anschließend wieder in die Freiheit entlassen", so Stephanie Schwarz. Wer einen Biber findet und ihn mit nach Hause nimmt, macht sich strafbar. "Sollte man einen verletzten Biber oder Biberjungen finden, sollte man das Landratsamt, die Polizei oder einen Tierarzt verständigen. Aber niemals einfach so mit nach Hause nehmen", appelliert Schwarz.

Klein, süß, flauschig: Biber-Babys bei Bad Hindelang aus Kanal gerettet

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