Coronakrise
Einem Braumeister in Sonthofen blutet das Herz: 18.000 Liter Bier für den Abfluss

Auch eine Brauerei und eine Geschäft für Trachtenmode werden von der Krise hart getroffen.
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Nicht durch den Zapfhahn ins Glas, sondern direkt vom Fass in den Kanal gehen dieser Tage rund 18.000 Liter Bier in Sonthofen. Der anhaltende Lockdown trifft nicht nur Hotels und Gastronomen, sondern auch die Brauereien. "Seit Herbst letzten Jahres haben wir schon weniger produziert. Doch dass der Lockdown so lange und intensiv ist, damit haben selbst wir nicht gerechnet“, so Kilian Stückler von der Hirschbrauerei in Sonthofen.

Das Herz blutet

Dem 34-jährigen Braumeister blutet das Herz. Mehr als 18.000 Liter Bier muss er jetzt in den Abfluss kippen. "Wir konnten die letzten Wochen so produzieren, dass wir es auch verkauft bekommen haben. Aber unser Problem ist: Wir haben noch volle Bierfässer vom Herbst letzten Jahres. 593 Fässer in unterschiedlichsten Größen müssen wir jetzt entsorgen. 18.000 bis 20.000 Liter Bier, mit Liebe gebraut, sind für den Abfluss." Doch das Bier, das bereits an die Gastronomie verkauft wurde, ist da noch nicht einberechnet, so Stückler.

Entleeren geht nur per Hand

Die Fässer müssen per Hand geöffnet und entleert werden. Anschließend werden sie in mehreren Schritten gereinigt und dann eingelagert. "Wann wir die Fässer wieder brauchen, ist ungewiss,“ so der 34-Jährige. "Es mag kitschig klingen, aber wir stecken viel Arbeit und Leidenschaft in unser Produkt. Jeder Brauer liebt seinen Beruf. In unserer Branche befassen wir uns mit den guten und unbeschwerten Zeiten im Leben. Mir geht einfach durch den Kopf, wie viele schöne Stunden und unvergessliche Abende wir hier in den Gulli leeren", so Stückler.

Appell fällt schwer

Ein Appell an die Politik fällt auch dem Braumeister schwer. Immer wieder wird der Lockdown verlängert. "Die Entscheidungen, die diese Leute treffen, sind äußerst schwer. Ich würde sie nicht treffen wollen", sagt der 34-Jährige. Laut Stückler fehlt den Unternehmen aber eine Perspektive. Wann geht es los und vor allem unter welchen Bedingungen? "Große Industrien werden gerettet, weil dort viele Mitarbeiter angestellt sind. Aber was ist mit den kleinen? Wir sind eine Branche, die emotional sehr mit dem Allgäu verbunden ist. Viele Urlauber kommen hierher, weil das Leben einfach anders ist und die Touristen unsere Kultur sehr schätzen", so der Braumeister.

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