Bergwacht klärt auf
Klettersteig am Tegelberg: Worin die Schwierigkeit besteht

Die Bergwacht klärt auf, worauf es beim Klettern im Tegelbergsteig ankommt (Symbolbild).
  • Die Bergwacht klärt auf, worauf es beim Klettern im Tegelbergsteig ankommt (Symbolbild).
  • Foto: Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay
  • hochgeladen von Lisa Hauger

Schwindelfrei, trittsicher und Klettersteig-erfahren: Das sind unter anderem Voraussetzungen, um den "Tegelbergsteig" (Schwierigkeitsgrad C) am Tegelberg bei Füssen begehen zu können. An einem normalen Sommertag tummeln sich mehr als 50 Kletterer in diesem Steig, schätzt Stefan Blochum, Referent für Einsatz und Ausbildung bei der Bergwacht Bayern. Der 46-jährige Bergwachtler aus Füssen erläutert gegenüber all-in.de, worauf es beim Klettern im Tegelbergsteig ankommt. 

Was ist wichtig beim Klettern im Tegelbergsteig?

Der Tegelbergsteig ist relativ steil, erfordert viel Kraft und eine gute Kletter- und Sicherungstechnik, erklärt Blochum. Außerdem verläuft der Klettersteig im Einbahnverkehr. Umdrehen ist dadurch nur schwer bis gar nicht möglich.

Am Tegelbergsteig gibt es zwei Schlüsselstellen: Eine direkt nach der Einstiegsleiter, die von den meisten Kletterern noch überwunden wird. Eine weitere gibt es rund 60 bis 80 Meter unterhalb des Ausstiegs. Hat man diese beiden Schlüsselstellen gemeistert, braucht es für die letzten steilen Meter vor dem Ausstieg nochmal Kraft, meint Blochum.

Einsätze meist wegen "blockierter" Kletterer im Tegelbergsteig

Die Bergwacht muss vermehrt sogenannte "Blockierte" aus dem Tegelbergsteig retten: Die Erschöpften haben keine Kraft mehr, um selbständig hoch oder runter zu kommen, erklärt Blochum. Neben der physischen Anstrengung kommt die psychische dazu. "Dann weiß man oft nicht weiter", sagt der Einsatzleiter im Interview. Dabei würde es oft schon helfen, wenn die Kletterer zwischendurch eine Pause machen würden, um mit Essen und Trinken wieder zu Kräften zu kommen. "Meist geht dann schon noch was", sagt der Bergwachtler. 

Mehr Einsätze an den Tegelberg-Klettersteigen

Im Jahr 2019 hatte die Bergwacht Füssen insgesamt 127 Einsätze, davon 69 am Tegelberg. Das geht aus dem Jahresbericht der Bergwacht Füssen hervor. Bis Mitte September wurden allein in 2020 bei 15 Einsätzen am Tegelbergsteig 19 Personen gerettet. Die wenigsten Einsätze gab es am Fingersteig. Die Personen, die ihn besteigen, wissen meistens, worauf sie sich einlassen.

Grund für eine "Blockierung" in einem Klettersteig kann laut Blochum eine nicht optimale Vorbereitung sein. "Die Kletter- und Sicherungstechnik passt nicht ganz und vorher gab es eventuell keine oder kaum Klettersteig-Erfahrung. Kraft und Ausdauer lassen dann schnell nach. Die Kletterer sind 'blockiert'", erklärt er. 

Bis die Bergwacht im Notfall im Tegelbergsteig vor Ort ist, können bis zu eineinhalb Stunden vergehen. Ist ein Rettungshubschrauber im Einsatz, geht es schneller. 

Klettersteig ist Teil der Bergwacht-Ausbildung 

Die Ausbildung zum Bergwachtler dauert nebenberuflich rund zwei Jahre. Ein Teil der Bergwacht-Ausbildung beinhaltet auch die Rettung aus Klettersteigen. Weitere Inhalte sind:

  • zwei Medizinwochenenden 
  • eine Woche Winter-Rettungslehrgang (u.a. Akjatransport, Lawinenrettung)
  • ein einwöchiger, praxislastiger Sommerlehrgang (u.a. Rettung aus Felswänden und Firnrinnen) und
  • Luftrettung (mit Simulation und Echtflügen). 

Was benötigt man im Klettersteig? 

Klettergurt, Klettersteig-Set, Helm und passendes Schuhwerk sollte ein Sportler beim Klettersteig gehen tragen. Wichtig jedoch zu wissen: "Ein Klettersteig-Set verhindert zwar den Totalabsturz, aber verletzen wird man sich dabei wahrscheinlich trotzdem." Verantwortungsbewusste Kletterer haben zudem Verbandszeug, ein Seil inklusive notwendigem Wissen, Wechselkleidung und genug Proviant dabei.  

Wissenswertes Tourenplanung

Ausgangspunkt für den Klettersteig ist der Parkplatz an der Talstation der Tegelbergbahn in Schwangau. Auf der Homepage des Tegelbergs sind die drei Klettersteige beschrieben.

Der anspruchsvolle Klettersteig "Tegelbergsteig" zweigt demnach auf halber Höhe der Gelben Wand ab und beginnt mit einer senkrechten Eisenleiter. Anschließend wechseln sich Quergänge, Verschneidungen und Platten ab, bis man eine Brotzeitbank mit Wandbuch in der senkrechten Felswand erreicht. Danach geht es weiter durch die Nordostwände des „Gelbe Wand“- Schrofens. Es geht hinauf durch einen großen Kamin, vorbei an einem Felsenfenster mit Blick in die „Gelbe Wand“ zur Ausstiegsschulter. Hier kann man den Blick über das Schwangauer Land schweifen lassen und in Richtung Ammergebirge blicken. Über Holzleitern geht es hinab auf den „Gelbe Wand“ Steig und dann zum Tegelberg hinauf.

Tegelbergsteig: Fakten im Überblick

  • Schwierigkeitsgrad: C
  • Wandhöhe: 500m
  • Klettersteiglänge: 1.000m
  • Exposition: Nord / Ost
  • Zeit für den Durchstieg: 2,5 Stunden
  • Besonderheiten: Einbahnverkehr
Kletterer (29) am Tegelbergsteig tödlich verunglückt

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