Tradition
Von Palmboschen und Palmbuben - Manfred Hailer berichtet im Heimathaus Nesselwang von altem Brauch

'Bei uns ist ein Palmbusch ein Boschen', erklärt Manfred Hailer, Vorsitzender des Heimathausvereins in Nesselwang. Von dem italienischen 'bosco' – zu deutsch Wald oder Gebüsch – leitet sich der Begriff ab. Den Palmsonntag eine Woche vor Ostern feiert die Kirche in Erinnerung an den Einzug Jesus in Jerusalem, begleitet und begrüßt von der Menge mit Palmzweigen in den Händen.

Vor mehr als 500 Jahren besaß Nesselwang eine äußerst kunstvolle Christusstatue, die auf einem Esel saß. Dieser sogenannte Palmesel wurde jahrhundertelang in einer Prozession um die Kirche herumgezogen. Doch wurde dieses gotische Kunstwerk zur Mitfinanzierung der neuen Pfarrkirche nach 1900 verkauft und steht jetzt in einem Straßburger Museum.

Der Brauch des Palme- oder Palmboschen ist im Allgäu nicht ganz so alt wie die Prozessionen am Palmsonntag. In Zeiten der Pest banden die Menschen Büschel aus verschiedenen Zweigen, denen sie Heilkräfte zuschrieben. Diese ließen sie am Palmsonntag weihen und brachten sie in der Tenne, im Rossstall, an Feld- und Wiesenrainen an.

Diese aus neun verschiedenen Pflanzen gebundenen Boschen wurden als Schutz gegen Blitz und Feuergefahr, gegen Krankheiten und Viehseuchen, besonders aber gegen die Pest aufbewahrt. Im 'Herrgottswinkel' wird der Palme auch heute noch hinter das Kreuz gesteckt – zum Schutz der Bewohner des Hauses.

In neuerer Zeit wurde es Brauch, die Palmen nicht nur zum Eigengebrauch zu nutzen, sondern auch Verwandten und Freunden als Segenswunsch zu schenken, wofür sich diese im Gegenzug mit einem kleinen Geschenk bedankten. Die Buben hatten es eilig, gleich nach der Weihe in der Kirche zum Paten, dem 'Dotle', und den Nachbarn zu kommen. Keiner wollte ein ganzes Jahr lang als 'Palmesel' gehänselt werden, nur weil er als Letzter aus der Kirche kam.

Aus dem Brauch des gegenseitigen Schenkens entwickelte sich langsam ein Geschäft. Schon wochenlang vorher sind die Buben von Haus zu Haus unterwegs, um Bestellungen für die Palmen einzuholen.

Am morgigen Palmsonntag erzählt Manfred Hailer ab 15.30 Uhr im Heimathaus in Nesselwang 'von Palmbuschen und Palmbuben'. Das Heimathaus hat am Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, darüber hinaus jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr. Eintritt ist frei.

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