Strickkreis
Stricken hat eine lange Tradition in Nesselwang

Man schrieb das Jahr 1711, als Alexander Sigmund, Bischof zu Augsburg, eine Handwerksordnung für die Meister der Strumpf- und Hosenstricker in Nesselwang erließ.

Stricken hat im Markt Nesselwang also Tradition - und zwar eine, die wieder sehr lebendig ist. Seit vier Jahren gibt es den Strickkreis von Adelinde Schall.

Leise klappern die Nadeln, die Unterhaltung ist gedämpft. Die 16 Frauen an den drei Tischen stricken emsig an ihren Teilen. Markus Hippold (25) ist der einzige Mann in der strickenden Runde und seit zwei Jahren dabei.'Stricken hat ein gewisses Suchtpotenzial', meint er. 'Ich wollte so viele Teile noch für Weihnachten fertigmachen', sagt er.

Stricken entschleunigt. 'Es hat etwas Meditatives', ergänzt Hannelore Kerpf, 'es entspannt. Ich habe schon immer gestrickt. Früher war die Wolle kratzig, heute sind die Fäden weich und angenehm wärmend'. Bei Evi Neubauer hat Stricken einen therapeutischen Effekt. 'Ich habe vor vielen Jahren mit dem Rauchen aufgehört und musste meine Hände mit irgendetwas beschäftigen.

So habe ich angefangen zu stricken.'

Die fleißigen Strickerinnen, die in diesem Jahr gemeinsam eine gestrickte Krippe gefertigt haben, mussten hierfür keine 'drei Jahre lang bei einem redlichen Meister lernen und darauf drei Jahre lang gewandert sein', wie es die alte Handwerksordnung vorschrieb.

Für Sigrid Gimbel und Anni Wiedenbauer, die Hirtenstrickerinnen, wäre die Vorschrift einer Meisterwerkstatt – 'solle ihm amtshalber, was die Gestricke belanget, 4 Stühl, 3 Gesellen und 1 Lehrbub zugelassen werden' – inakzeptabel, weniger 'dass nur reine gute Wolle und Faden zur Verwendung kommen sollten'. Die Ordnung regelte in 26 Punkten das Leben der Strumpf- und Hosenstricker, bis weit hinein in den privaten Bereich: 'Sollen die Heiraten mit ehrlicher Leute Kinder geschehen.'

Für Adelinde Schall, die den Strickkreis vor vier Jahren aus der Taufe gehoben hat, ist es schön zu sehen, 'dass auch alte Hasen sich an ganz modernes Material wagen und überaus kreativ sind. Mit 15 Leuten haben wir über 30 Teile für die Krippe gestrickt. Da war es manchmal sehr still im Raum'. Jetzt aber müssen noch Socken, Schals, Westen und Mützen fertig werden, denn handgestrickte Geschenke zu Weihnachten sind in diesem Jahr der Renner.

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