Festtag
Schlechtes Wetter verhindert Prozessionen und auch das traditionelle Gartenfest in Reichenbach

Zarte Birkenreiser am Portal empfingen gestern am Fest Fronleichnam die Gläubigen nicht nur in der Pfarrkirche St. Andreas in Nesselwang, sondern in allen katholischen Kirchengemeinden. Doch überall machte das Wetter den traditionellen Prozessionen einen Strich durch die Rechnung. Statt draußen in der Natur konnte das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, die leibliche Gegenwart von Jesus Christus, nur in den Gotteshäusern gefeiert werden. Und so mancher Brauch drum herum - wie das Gartenfest in Reichenbach bei Nesselwang - fiel buchstäblich ins Wasser.

Anspruchsvolle Musik

In St. Andreas hatten sich Vertreter zahlreicher Vereine eingefunden, ebenso die Harmoniemusik, welche den Gottesdienst zusammen mit dem Kirchenchor unter der Leitung von Gottfried Allgaier anspruchsvoll gestalteten: mit der << Messe brevé >> von Charles Gounod. Pfarrer Heribert Stiegler dankte zu Beginn der Messe für das eucharistische Mahl, dem der Kirchenchor ein andächtiges Kyrieeleison folgen ließ.

<< Schon Jesus hat es seinen Zuhörern nicht leicht gemacht, als er die rätselhaften Worte sprach: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, wird das ewige Leben haben >>, so Pfarrer Stiegler in seiner Predigt. Damals verließen einige Jünger Jesu, weil sie mit diesem Satz nichts anfangen konnten - so wie viele Christen heute, und Jesus habe sich nicht erklärt.

<< Aber Gott, der keinen Leib hat, will den ganzen Menschen erlösen, auch seinen Leib >>, fuhr der Geistliche fort, << denn Jesus spricht nicht nur eine geistige Verbindung an, sondern auch eine leibliche >>. Der Leib des Herrn sei eine Speise, aus der wir leben. << So ist Jesus quasi unser Lebensmittel und das feiern wir heute an Fronleichnam >>, so Pfarrer Stiegler. Nach der Messe folgte die feierliche Prozession in der Kirche zu den vier Altären, wohl begleitet von der Harmoniemusik und dem Kirchenchor.

Nach der Prozession hätte auch ein alter Brauch stattfinden sollen, den die Nesselwanger seit etwa 1930 pflegen: das Gartenfest in Reichenbach. Damals begann die Tradition, nach der Fronleichnamsprozession zu Fuß zum Gasthof << Zum Alten Reichenbach >> zu kommen, um dort zu feiern.

Getanzt wurde in der Sommerhalle, ausgeschenkt wurde zwischen Eiskeller und Gasthofgebäude. Der Eiskeller ist heute nicht mehr zu sehen, jedoch steht die alte Kegelbahn noch.

Immer Hochbetrieb

Es herrschte immer Hochbetrieb, wenn die Harmoniemusik spielte. In den Jahren 1973 bis 1983 übernahmen die << Edelsberg-Buabe >> das musikalische Kommando, da dem Wirt eine kleinere Besetzung ausreichte. Auch Bürgermeister Franz Erhart erinnert sich noch gut an seine Rolle als Musikant bei dem Gartenfest, << bei dem es immer recht lustig zuging >>. Viele Alt-Nesselwanger sollen dort ihre ersten Räusche erlebt haben.

2010 ließ die jetzige Eigentümerin und Wirtin Maria Anna Voigdt die alte Tradition wieder aufleben und hofft, dass im kommenden Jahr 2012 nicht wieder das Wetter dem Fest an Fronleichnam den Garaus macht.

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