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Forderungen nach Gottesdienst ohne Pfarrer in Wertach

Nachdem mit der Pastoralen Raumplanung in Sachen Wortgottesdienste noch nichts entschieden ist, machen sich Oberallgäuer Katholiken für sie stark. Sie sehen darin eine Möglichkeit, notfalls auch ohne Pfarrer einen Sonntagsgottesdienst in ihrer Kirche vor Ort zu feiern. Wie ausführlich berichtet, legt die Diözese Augsburg Pfarrgemeinden zusammen, da es in Zukunft immer weniger Priester geben wird.

Für die Feier von Wortgottesdiensten in Gemeinden ohne eigenen Pfarrer setzt sich beispielsweise die 72-jährige Marianne Erd aus Wertach ein. Sie hat kein Auto, mit dem sie in Zukunft zu einer anderen Kirche fahren könnte und keine Kinder, die sie chauffieren.

Ihr Mann ist vor wenigen Jahren verstorben. Sie ist allein, aber nicht einsam. Denn durch den starken Zusammenhalt in der Gemeinde, durch die Laien, die 'den Betrieb aufrechterhalten', wie sie sagt, hat sie eine zentrale Anlaufstelle.

'Uns Gläubigen geht es darum, gemeinsam zu singen und zu beten, den Sonntag zu feiern und zur Besinnung zu kommen.' Und wenn dafür bald keine Pfarrer mehr da sein sollten, hat Erd kein Problem mit einer von Laien gestalteten Feier.

'Wir wollen die Gemeinschaft im christlichen Sinne pflegen. Das ist auch für den Erhalt unserer Kultur wichtig.' Sie hofft auf ein Einsehen bei der Diözese.

Anderswo ist es möglich

Der Wertacher Pfarrgemeinderat Gottfried Metzger möchte die Möglichkeit haben, dass Menschen aus der Gemeinde für Wortgottesfeiern – die auch am Sonntag stattfinden dürfen – ausgebildet werden können. In anderen Diözesen sei das der Fall. 'Bei Wortgottesfeiern trifft sich am Sonntag das ganze Dorf.'

Marianne Erd glaubt auch, dass das Zölibat fallen muss, um dem Priestermangel entgegenzugehen. 'Eine Frau an der Seite würde den Pfarrer unterstützen, die behindert ihn doch nicht. Ich halte es für unbedingt erforderlich, dass sich Pfarrer frei entscheiden können.'

Auch Dekan Anton Siegel (Immenstadt) spricht sich dafür aus, die Zugangsvoraussetzungen für das Priestertum in der katholischen Kirche zu überdenken.

Das Zölibat abzuschaffen reicht seiner Überzeugung aber nicht aus, um dem Priestermangel Herr zu werden und somit den Gläubigen weiterhin wohnortnah die Feier der Heiligen Messe zu ermöglichen. 'Können wirklich nur Männer Priester werden? Und müssen sie zwangsläufig Theologie studiert haben?', fragt sich Siegel.

Es gebe etliche Menschen – Männer wie Frauen – die sich in der Kirche sehr stark engagieren und großes Wissen über den katholischen Glauben aufgebaut haben. Man müsse darüber diskutieren, ob nicht auch sie Pfarrer werden könnten, fordert der Dekan.

Siegel kann sich außerdem vorstellen, dass nicht nur Priester, sondern auch Diakone eine Pfarrgemeinde leiten könnten und sie bei der Eucharistiefeier beispielsweise von einem pensionierten Pfarrer unterstützt würden. Er bedauert, dass diese Themen im Bistum Augsburg nicht stärker diskutiert werden.

'Unser Bischof sagt, diese Dinge können wir nicht ändern, weil sie von Rom bestimmt werden. Aber unsere Bischöfe müssten sagen, dass unsere Gemeinden unter dem Priestermangel leiden und wir andere Angebote benötigen.'

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