Sieg
Dreifaches Olympia-Gold für Michael Greis aus Nesselwang

Tosender Applaus am Samstag im Bärensaal nicht nur wegen des Gewinns der dritten olympischen Goldmedaille durch den Nesselwanger Michael Greis. Tosender Applaus auch für 'die Annemarie, weil sie so a guate Mama isch und an so an braven Bua hat', wie es Klaus Spieß zum Auftakt der spontanen Olympia-Party sagte. Annemarie Greis hatte zu Hause am Fernseher das Rennen der Biathleten verfolgt. Nach dem Olympia-Triumph ihres Sohnes holten sie die Michi-Greis-Fans ab und brachten sie mit Blasmusik zum Bärensaal.

Dort waren zuvor alle Blicke auf die Großbild-Leinwand gerichtet. Auch der Präsident des Allgäuer Skiverbandes, Herbert John, war gekommen und fieberte mit den Nesselwangern mit. Zu ihnen zählten auch Josef Hindelang und Martin Wörz. Eigentlich sollten sie in Pfronten-Kappel sein, wo sie seit 15 Jahren zu den Stamm-Teilnehmern des Schalengge-Rennens zählen. Aber diesmal ließen sie Schalengge Schalengge sein. "Wegen dem Michi", dessen Rennen sie unbedingt im Bärensaal miterleben wollten. "Wir ham a guats Näsle g\qhabt, des hot se rentiert", strahlten sie nach dem Sieg von Greis. "Sensationell", war Hindelangs Kommentar. "Super!" stimmte Peter Allgaier mit ein: "Wann hat schon einer drei Goldmedaillen geschafft?"

In San Sicario war der Jubel der angereisten Greis-Fans nicht minder. "Das war ein Erlebnis ohnegleichen, wir sind total aus dem Häuschen und sehr stolz auf unseren Michi", sagte Bürgermeister Josef Köberle gegenüber unserer Zeitung. Bis auf etwa zehn Meter kam die Nesselwanger Gruppe, zu der auch Michaels Vater und Schwester, Ski-Klub Vorsitzender Karl Schmid und Nesselwang-Marketing-Chef Robert Frei zählten, an Michael Greis heran. "Der Michi hat uns laufend zugewunken", berichtete Köberle. Und die Blumen, die er bei der Siegerehrung erhielt, "die schenkte er seiner Schwester Isabella".

Die Euphorie im Bärensaal war zunächst gebremst. Denn so recht an den Sieg von Michael Greis hatte kaum einer geglaubt. "Aber gehofft" hat es ein jeder. Die Blasmusikanten hatten ihre Instrumente sicherheitshalber mitgebracht ­ aber nicht gleich ausgepackt. Als die Weltklasse-Biathleten in Italien die ersten Kilometer zurücklegen, herrscht im Bärensaal in Nesselwang noch andächtige Ruhe. Bis zum ersten Schießen. Dann wachen die Fans auf, brüllen nach jedem Greis-Treffer "heyyy". Die Szenerie wiederholt sich. Als das Rennen immer spannender wird, ernten auch die Fehlschüsse der Greis-Konkurrenten ein "heyyy", ­ ein schadenfreudiges.

"Wir sind ja schon Dritter", interpretiert der "Nesselwanger Organisator vom Dienst", Klaus Spieß, den nächsten Zwischenstand und setzt gleich eins drauf: "Jetzt reden wir schon über den Zugweg." Denn das war vorbereitet: Bei einem Medaillengewinn von Michi Greis wird mit Blasmusik durch den Markt gezogen! Noch aber ist's nicht so weit. Ein dumpfes "ooh" unterbricht den Jubel: Greis hatte daneben geschossen. Aber auch andere verfehlten die schwarze Scheibe. Dann das vierte Schießen: Greis trifft, setzt sich an die Spitze, Gold ist greifbar nahe. Der Zug mit Musik durch den Ort auch. "Jedes Getränk kostet zwei Euro, der Wirt hat abgerundet, er steht am Ausgang und kassiert in die Hand", lautet die Order. Denn jetzt pressiert's. Greis holt gerade sein drittes Gold: "O-leee, o-le, ole, o-lee, ­ immmer wiiieder, Michi Greis", stimmen die Fans ihren Jubelgesang an.

Die Instrumente ausgepackt, Transparente in die Hand und hinaus auf die Straße: Polizei und Feuerwehr sind informiert, sorgen für zusätzliche, kurzzeitige Verkehrsstaus. Aber darüber regte sich am Samstag kein Nesselwanger auf: Sekt fließt vor mancher Ladentür. Und immer wieder Freude über "unsere dritte Goldmedaille".

Florian, der Cousin von Michael Greis, ist wie viele andere sprachlos: "I könnt losfudre ohne Ende", lässt er seiner Freude freien lauf. "Sensationell, das ist fürs Biathlon eine Jahrhundert-Olympiade", beschreibt ASV-Präsident Herbert John die Greis-Leistung. Für Hermann Abt, den stellvertretenden Vorsitzenden des Ski-Klubs Nesselwang, ist's "eine unglaubliche Leistung, die der Michi vollbracht hat". Für den Ski-Klub könne es nichts Besseres geben, "als so ein Vorbild".

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