Porträt
Dr. Michael Schneider aus Wertach präsentiert in seinem Buch «Naturgeschichte Allgäu» detailliert die Schönheit der Region

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Diese Bilder sind tief drinnen in seinem Gedächtnis. Er, der kleine Michael, mit Steinen und Gräsern spielend am Bach, der hinter dem Elternhaus in Wertach vorbeifließt. Schon damals schaute er ganz genau hin, wenn ein Schmetterling im Wind flatterte oder Insekten um ihn herumkrabbelten.

<< Einen Fernseher >>, erinnert sich Michael Schneider, << gab es damals bei uns noch nicht. >> Schon gar nicht einen Computer. Michael und seine Freunde verbrachten die Freizeit in einer Scheune, die heute eine Hotelanlage ist. Oder draußen in der Natur. Wer so aufwächst, wird geprägt. Aus dem Allgäuer Buben wurde ein Biologe, aus dem kleinen Michael ein Dr. Michael Schneider.

Der 49-Jährige hat eine bewegte Lebensgeschichte hinter sich, mit Arbeitsstationen in Papua-Neuguinea und Mosambik, mit Erlebnissen in der Natur, die er nie vergessen wird. Und mit ungezählten Stunden, in denen er über Jahre hinweg akribisch Anekdoten, Daten, Informationen und Beobachtungen zusammengetragen hat, um sich einen Wunsch zu erfüllen: das Verfassen eines umfangreichen Buches.

Nun ist die Arbeit vollbracht, Titel: Naturgeschichte Allgäu (erschienen im Bauer Verlag Thalhofen/Ostallgäu). Ein kolossales Werk mit 608 Seiten und zahlreichen vierfarbigen Abbildungen, übersichtlich gegliedert in Themen wie Geologie der Allgäuer Alpen, Flora, Pilze und Flechten, Fauna, Spuren und Fährten von Tieren, Gefährdung von Flora und Fauna oder rechtliche Aspekte des Naturschutzes. Ein Buch, das in dieser umfassenden Art und Weise neu ist.

An diesem Vormittag scheint rund um das von Michael Schneider und seiner Familie geführte Hotel Pfeiffermühle in Wertach die Sonne. Insekten schwirren um jenen Tisch, auf dem er sein dickes Buch aufgeblättert hat.

Überall sprießt und blüht es, und wenn man genau in die Natur lauscht, kann man sogar das Plätschern des Baches hören, an dem der Buchautor als Bub so viele Stunden verbracht hat.

Die Tropen faszinieren ihn

Für Michael Schneider ist es eine Rückkehr an den Ursprung. Denn er war lange weg und hat dieses Plätschern des so lieb gewonnenen Baches eine Ewigkeit nicht hören können. Anfang der 1980er Jahre war es, als er erstmals nach Afrika reiste: Kenia, Tansania, Sambia, Simbabwe. Schon damals, lange vor dem Abschluss seines Studiums in Mainz und Heidelberg, begannen die Tropen ihn in den Bann zu ziehen und zu faszinieren.

<< Im offenen Geländewagen zu fahren >>, erinnert sich Schneider heute, << war ein Traum von mir. >> Dazu die Vorstellung, unter dem Sternenhimmel zu schlafen. << Es setzte sich der Wunsch in mir fest, dort für eine gewisse Zeit zu leben und zu arbeiten. >> Der Wunsch erfüllte sich nach seinem Studium. Das Angebot: Er sollte bei der universitären Ausbildung von Förstern in Papua-Neuguinea mitarbeiten, bei dem er unter anderem Insektenkunde, Naturschutz und Wildbiologie lehrte.

<< Ich habe sofort zugesagt >>, sagt Schneider. Fünf Jahre dauerte seine Arbeit, bei Temperaturen um die 35 Grad Celsius und in einer Welt, die nicht mit dem Allgäu zu vergleichen ist. Dem üppigen europäischen Komfort sagte er Adieu. Zu seinem Aufgabengebiet gehörte es, sich um eine Insektensammlung zu kümmern. Eine erste Arbeitsstelle fern der Allgäuer Heimat.

Mit Heimweh hatte Schneider allerdings nicht zu kämpfen. Zu vielfältig seien die Eindrücke dort gewesen, sagt er, zu spannend die tägliche Arbeit - und die Fahrten im offenen Geländewagen. Michael Schneider verliebte sich nicht nur in das Land, sondern auch in eine Papua Neuguineanerin, heiratete sie und durfte sich auf dem drittgrößten Inselstaat der Welt über die Geburt seines Sohnes freuen.

Nach Papua-Neuguinea folgten zwei Jahre in Deutschland, wohin ihn auch seine Familie begleitete, ehe sich die Drei nach einigen Jahren auf den Weg nach Afrika machten. Dieses Mal nach Mosambik. Aber es kam eine Hürde auf Michael Schneider zu: Die Amtssprache dort ist Portugiesisch. << Ich konnte kein Wort >>, erinnert er sich. Wieder eine große Herausforderung für ihn.

Aber auch diese bewältigte er. In einem Crashkurs, der drei Monate dauerte, erlernte er die Grundlagen der Sprache, denn er musste seine Vorlesungen auf Portugiesisch halten. Eine Zeit, die er nicht missen möchte, versichert Michael Schneider. Eine Zeit auch, die seinen Horizont und jenen seiner Frau und seines Sohnes um ein gehöriges Stück erweiterte.

Der Hotelier als Biologe

Viele zieht es nach Jahren in der Fremde irgendwann zurück in die Heimat. Auch Michael Schneider und seine Familie. Hier sei er schließlich aufgewachsen, sagt er. Und er habe immer das Bedürfnis gehabt, wieder das Bächlein plätschern zu hören. Zumal er die Hotelanlage der Pfeiffermühle mit seiner Schwester von der Mutter übernehmen und weiterführen konnte.

Nun arbeitet er also seit sechs Jahren im familieneigenen Hotel. Aber im Herzen sei er weiterhin Biologe. Und so bietet er Naturerlebnisprogramme oder Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer an, hält Vorträge und Exkursionen zu heimischen Giftpflanzen und Gifttieren für Schulen, stellt Exkursionen auf die Beine oder hilft bei der Konzeption von Natur-Lehrpfaden. << Ich will mich hier mit meinem Wissen positionieren >>, wünscht sich Schneider. Ein weiterer Schritt in dieser Richtung ist sein Werk << Naturgeschichte Allgäu >>.

Das Buch Michael Schneider: Naturgeschichte Allgäu. Bauer Verlag Thalhofen. 608 Seiten, 26 Euro.

Liebt die (Allgäuer) Natur: der Biologe und Buchautor Michael Schneider. Im Hintergrund der Sorgschrofen. Foto: Laurin Schmid

Akribischer Forscher: Michael Schneider und seine Schmetterlingssammlung. Foto: Freddy Schissler

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