Bach-messe
Bewegendes Konzert in Nesselwang

Für Musikwissenschaftler ist ihre Entstehungsgeschichte ein unerschöpfliches Thema, für Konzertbesucher ist die Hohe Messe h-Moll von Johann Sebastian Bach ein Werk, das an Tiefe und Glanz allein den Bach-Passionen vergleichbar ist.

Auf ihrer Konzertreise Allgäu-Tirol führte sie das Vokalensemble 15 Baden-Württemberg zusammen mit dem Collegium Instrumentale Stuttgart in der Nesselwanger Pfarrkirche St. Andreas auf, transparent, höchsten Anforderungen gerecht werdend. Leider blieben einige Reihen leer. Zum Erstaunen von Besuchern, die extra früh gekommen waren, weil sie mit einem Ansturm gerechnet hatten.

Albrecht Schmid, der Gründer und Leiter von Chor und Orchester, dirigierte nuancenreich mit großer Gestik, und der renommierte Chor brachte die bis zu achtstimmigen Partien vielgestaltig, dem Empfindungsreichtum entsprechend, verblüffend in Detailgenauigkeit.

Das Orchester unter Konzertmeisterin Ulla Müller-Merkle und mit virtuosen Solisten faszinierte in der Dynamik schneller Sätze wie in Augenblicken der Ruhe, des Innehaltens. Mit Isabelle Müller-Cant (Sopran), Barbara Raiber (Alt), Alexander Schroeder (Tenor) und Benno Schöning (Bass) brillierten erstklassige Solisten. Einige bewundernswert vorgetragene Arien werden nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Glanzlichter in den umfangreichen Sätzen des Kyrie waren die hellen Harmonien des Duetts von Sopran und Alt, das herbe Flehen des Chors, das im tröstlichen D-Dur Schluss endete. Im jubelnden Gloria erst kamen die Blechbläser dazu, Solovioline und Altstimme zelebrierten das anspruchsvolle << laudamus te >>, bis Chor und Orchester im himmelstürmenden Schlusssatz jeden Zuhörer mitrissen.

Mühelos schien die bewundernswert modulierte Bass-Arie im Credo, kontrastiert von choralhafter Gregorianik und dem Herabsteigen der Chorstimmen und Geigen in die Erdenschwere des << incarnatus est >> in h-Moll.

Im Zentrum der Messe steht der expressive Schmerz des Cruzifixus, die Grabesstille des << sepultus est >>, nur vom continuo begleitet. Und dann: Die leuchtende Helle des Resurrexit, mit zupackender Kraft intoniert vom vollen Orchester.

Nach der triumphal-festlichen Barockmusik im Osanna schuf der Solotenor im Benedictus noch mal einen Raum der Innerlichkeit, bis mit dem prachtvollen Finale des << dona nobis pacem >> ein bewegender Abend hoher Spiritualität seinen Abschluss fand.

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