Landwirtschaft
Bauernverband gibt in Nesselwang Einblick in modernen Betrieb

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Die Besucherin ist ein wenig unruhig. Immer, wenn der Melker ihr Euter anvisiert hat und das Geschirr anlegen will, macht sie einen kleinen Schritt nach vorne und er greift ins Leere. Der Melker lässt sich nicht irritieren. Er peilt das Euter eben so oft an, bis das Geschirr sanft über die Zitzen gefahren ist und die Milch weiß durch den Schlauch sprudelt. Der Melker wird nie ungeduldig. Nie schimpft er mit einer Kuh oder wird gar handgreiflich. Das sieht sein Programm nicht vor. Der Melker heißt «Astronaut» und ist ein Roboter.

Nicht nur die Laien wundern sich über die moderne Technik, die im Kuhstall von Hubert Kögel im Nesselwanger Weiler Thal ruhig und geduldig ihre Arbeit verrichtet. Auch die Fachleute zeigen sich fasziniert. Darunter die Spitze des Bauernverbands Ostallgäu, Kreisobmann Josef Nadler, sein Stellvertreter Josef Amberger und Kreisbäurin Gabi Paulsteiner sowie die Leiterin des Kaufbeurer Landwirtschaftsamtes, Maria Rita Zinnecker.

«Jeder muss Weg selbst finden»

Zeigen, wie heute ein Betrieb funktioniert, wie Technik, Wissenschaft und «Kuhkomfort» einbezogen sind, das wollte der BBV laut seinem Kreisobmann Nadler beim Pressetermin gestern in Thal. «Man sieht, mit welcher Ruhe die Kühe hier den Tagesablauf genießen», sagt er nach dem Betriebsrundgang.

Als Muster, wie nach Auffassung des BBV künftig ein Bauernhof aussehen soll, wollte Nadler den Kögel-Hof aber nicht verstehen, der 42 seiner insgesamt genutzten 54 Hektar zugepachtet hat: «Jeder muss seinen Weg selber finden», sagte er.

Und Hubert Kögel ließ kaum einen Zweifel daran, dass er von seinem Weg überzeugt ist. 70 Milchkühe stehen bei ihm in seinem modernen Laufstall auf weidenweichen Gummimatten, in deren Spalte ein Roboter regelmäßig vollautomatisch den Mist schiebt. Gefüttert werden sie ganzjährig mit Silage, die Dürr- und Leistungsfutter ergänzen. Die Kühe auf die Weide zu treiben, sei einfach nicht mehr machbar, sagt Kögel. 55 Stück Jungvieh, zwei Ponys, zwei Katzen und vier Hasen ergänzen den Viehbestand. Schließlich wollen die Urlaubsgäste etwas zu streicheln haben, die Kögels Eltern in den beiden gut ausgelasteten Ferienwohnungen beherbergen.

Ein weiteres Zusatzeinkommen kommt von Dach: Dort ist eine 70-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage montiert. «Das würde sogar reichen, unseren Dieselverbrauch zu ersetzen», sagt Kögel. Nur gibt es bislang halt noch keine Elektro-Schlepper.

Für den BBV ein Zeichen, wie sehr auch konventionell produzierende Landwirte den Umweltschutz im Visier haben. «Landwirte praktizieren schon seit Jahrhunderten Nachhaltigkeit», meint Kreisobmann Nadler. Schließlich lebten sie vom Land und den Tieren und wollten ihre eigenen Betriebsgrundlagen nicht zerstören. Auf den Weltmärkten gebe es heute keine Lebensmittelüberschüsse mehr, betont Nadler. Auch vor künftig größeren Betrieben dürfe man keine Angst haben. So reiche in manchem Weiler der Platz eben nur noch für einen Betrieb. «In der Industrie gilt Wachstum als positiv», sagt Hubert Kögel.

«Wieso sollte es dann in der Landwirtschaft negativ sein?» Schlechtes Gewissen müsse der Konsument auch wegen seines Fleischverzehrs nicht haben, betont BBV-Kreisgeschäftsführer Thomas Kölbl. Man sollte aber darauf achten, das Fleisch aus der Region zu beziehen.

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