Special Wölfe im Allgäu SPECIAL
Wölfe im Allgäu

Kadaver
In Wertach wurden zwei Kälber gerissen: Hat sich der Wolf im Oberallgäu angesiedelt?

Die Bauern im Oberallgäuer Wertach sind in Sorge: In kurzer Zeit wurden im Gemeindegebiet zwei Kälber gerissen und ausgeweidet. Die Landwirte, die sich am Sonntag am Fundort eines der Kadaver versammelt haben, sind überzeugt: „Der Wolf ist da!“

Auch Landrat Anton Klotz ist zu 100 Prozent sicher, dass die beiden Kälber von einem oder mehreren Wölfen so zugerichtet wurden. „Es gibt keine andere Erklärung“, sagt er und fordert eine umgehende Reaktion der bayerischen Regierung. „Wir brauchen jetzt eine wirksame Lösung. Und da kommt nur der Abschuss in Frage.“

Sowohl Touristen als auch ein Hirte und ein Förster hätten den Wolf im Wertacher Gemeindegebiet gesichtet, berichtet Bauer Georg Eberle. Deutliche Hinweise gibt es laut Landrat auch aus Burgberg und Oberstaufen. Eine zweifelsfreie Bestätigung, dass sich eines oder mehrere Raubtiere im Oberallgäu herumtreiben, steht aber noch aus. Die Auswertung von DNA-Spuren an den Kadavern sollen in den nächsten Tagen Klarheit schaffen.

Am Samstagmorgen fanden Rita und Walter Cordella eines ihrer acht Kälber ausgeweidet im Gras. Die Jungrinder hatten die Nacht auf der Weide, die sich in Sichtweite zum Ort befindet, verbracht.

„Das ist furchtbar“, sagt Rita Cordella. Das Kalb sei qualvoll verendet, weil es wegen der umgehängten Kuhglocke nicht am Hals zu Tode gebissen wurde. Der Wolf habe es von hinten gepackt und „angefressen“, berichtet Landwirt Edmund Angerer, dessen Hof nahe der Fundstelle liegt. Dasselbe grausame Bild hatte sich am Donnerstag auch Margot Gebhart geboten. „Der Wolf gehört einfach nicht hierher“, sagt die erfahrene Bäuerin.

Sie fordert mit einigen weiteren Landwirten den Abschuss des Wolfes. Es müsse eine Sondergenehmigung geben, findet Gebhart. Denn Wölfe stehen unter Schutz und dürfen regulär nicht gejagt werden. „Sonst drohen hohe Strafen“, sagt Alfred Enderle, Vorsitzender des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Schwaben.

Zweifel daran, dass die Kälber von einem Wolf getötet wurden, haben weder die Bauern noch Landrat Klotz. „Dazu sind die Spuren zu eindeutig. Meine Fachleute im Haus sagen ganz klar, dass es keine andere Möglichkeit gibt“, erläutert der Landrat. Die Tatsache, dass binnen weniger Tage zwei Kälber ausgeweidet wurden, könne sogar daraufhin deuten, dass sich momentan zwei Tiere im Oberallgäu aufhalten. „Sie stammen vermutlich aus Graubünden und sind auf Reviersuche“, sagt Klotz. Hinweise auf ein komplettes Rudel gebe es jedoch nicht. Laut Klotz hat sich das Allgäu zu einer Art „Wolfs-Hotspot“ entwickelt: Vergleichbare Fälle aus anderen Regionen Bayerns seien aktuell nicht bekannt.

Mehr über das Thema erfahren Sie in der Montagsausgabe unserer Zeitung vom 06.08.2018.

Die Allgäuer Zeitung und ihre Heimatzeitungen erhalten Sie

Die Kollegen der Augsburger Allgemeinen haben zu den Wolfssichtungen und -Vorkommnissen im Allgäu eine Karte angelegt.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019