Schädling
Zahl der Borkenkäfer im Ostallgäu nimmt zu: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten rät zur Mischkultur

Sie sind nicht besonders groß, dafür aber umso mehr: Der Borkenkäfer breitet sich im Ostallgäu immer weiter aus.
  • Sie sind nicht besonders groß, dafür aber umso mehr: Der Borkenkäfer breitet sich im Ostallgäu immer weiter aus.
  • Foto: Franz Kustermann
  • hochgeladen von Pia Jakob

"Seit dem Jahr 2015 erleben wir im Ostallgäu eine deutliche Zunahme der Borkenkäferpopulation", erklärt Stephan Kleiner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Ostallgäu. Für 2019 rechnet er nochmals mit einem deutlichen Zuwachs, "weil der warme und trockene Sommer in 2018 die Massenvermehrung der Borkenkäfer begünstigt hat." Eine schlechte Nachricht für alle Waldbesitzer mit hohem Fichtenbestand.

Warum ist der Borkenkäfer überhaupt schädlich?

"Wir erleben derzeit, dass ganze Wälder wegen den Käfern eingeschlagen werden müssen. Das gefährliche am Borkenkäfer ist, dass er die Fähigkeit zur Massenvermehrung besitzt. Man geht davon aus, dass wenn ein Borkenkäferweibchen in einer Fichte ihre Eier abgelegt hat, ihre Nachkommen 20 neue Bäume befallen können. Und die Borkenkäfer, die aus diesen 20 Bäumen ausfliegen können 400 Fichten befallen und so weiter", erklärt Kleiner.

Der hohe Befall bringt nicht nur wirtschaftlichen Schaden für die Waldbesitzer, auch die Natur leidet darunter. "Sind die Wälder einmal abgeholzt, können sie zunächst nicht mehr so viel saubere Luft liefern, die Wasserspeicherfähigkeit ist eingeschränkt und die Wälder können nicht so viel CO2 wie üblich speichern. Dadurch haben wir alle Nachteile", so Kleiner. Denn die Wälder leisten einen sehr großen Beitrag für das, was wir am meisten brauchen: saubere Luft und sauberes Wasser.

Was sind die Gründe für die Ausbreitung des Borkenkäfers im Ostallgäu?

"Zum einen schwächten die sehr warmen und trockenen Sommer die Vitalität der Fichten und die Bäume leiden immer noch unter Trockenstress. Die Wasservorräte im Boden sind in manchen Teilen des Ostallgäus seit dem sehr trockenen Sommer 2018 noch nicht wieder aufgefüllt", erklärt Kleiner. Das derzeit warme und trockene Wetter trägt dann nochmal dazu bei, denn die Tiere vermehren sich bei dieser Witterung öfter. So gab es im Sommer 2018 statt der üblichen zwei Generationen an Borkenkäfern sogar noch eine dritte.  

"Günstig für die Borkenkäfer sind auch die Sturmereignisse und der erhebliche Schneebruch im Landkreis im vergangenen Winter. Viele Bäume wurden umgeworfen, abgebrochen oder ihr Wurzelsystem geschwächt. Werden diese nicht rechtzeitig von den Waldbesitzern aufgearbeitet, sind die geschwächten Bäume ein idealer Nährboden für den Borkenkäfer. Denn das natürliche Immunsystem der Bäume zur Käferabwehr funktioniert nicht mehr und die Borkenkäfer haben ein leichtes Spiel, sich dort einzunisten und weiter zu vermehren", so Kleiner weiter.

Was kann man gegen den Borkenkäfer-Befall tun?

Besonders Fichten sind im Ostallgäu vom Borkenkäfer betroffen. Kleiner rät daher, Fichten nicht mehr in Monokultur sondern in Mischwäldern anzubauen. "Studien belegen eindeutig, dass sich die Borkenkäfer im Mischbeständen nicht so wohl fühlen und die Bäume insgesamt vitaler sind." Das sei dann nicht nur im Schutz gegen den Borkenkäfer eine gute Idee, auch in Zeiten des Klimawandels sollten Waldbesitzer mehr zu Mischbeständen wechseln. 

Sollte es zum Befall mit dem Borkenkäfer kommen, müssen die betroffenen Bäume umgehend gefällt und das Holz mindestens 500 Meter vom Wald entfernt gelagert werden. "Das Wichtigste ist zu verhindern, dass die jungen Käfer ausfliegen und weitere Bäume befallen", so Kleiner.

Wie wirkt sich der Befall auf den Verkauf von betroffenem Holz aus?

Das vom Borkenkäfer befallene Holz kann zwar verkauft werden, laut Kleiner erhalten Waldbesitzer aber deutlich weniger Geld dafür. Und: Nicht alle Sägewerke nehmen das befallene Holz an, weil die Qualität nach einiger Zeit nachlässt und der Wiederverkauf so erschwert wird. Gerade wenn es in Deutschland und den Nachbarländern einen regelrechten "Borkenkäferalarm" gibt, sei die Entwicklung laut Kleiner dramatisch. "Der Waldbesitzer kann mit dem Erlös dann vielleicht noch die Aufarbeitungskosten decken, muss aber gleichzeitig wieder in die Aufforstung investieren und dort wo der Wildbestand nicht stimmt, die neuen Pflanzen schützen, z.B. durch den Bau von Zäunen und das kostet wieder Geld."

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