'Der Sonnenschein'
Nordische Ski-WM: Skispringerin Katharina Althaus aus Oberstdorf sorgt im deutschen Team für gute Stimmung

Vor gut einer Woche in Oberstdorf: Zwischen zwei Trainingseinheiten treffen wir in einem verlassenen Gasthof im Ortszentrum die beiden besten deutschen Skispringerinnen: Carina Vogt, die Olympiasiegerin und zweifache Weltmeisterin, und Katharina Althaus, die wenige Tage zuvor ihren ersten Weltcup-Sieg im slowenischen Ljubno feierte.

Eine Spaßveranstaltung ist dieser von Bundestrainer Andreas Bauer spontan einberufene und exklusive Medientreff im menschenleeren und etwas antiquierten Frühstücksraum aber nicht. Zu sehr sind Vogt und Althaus schon auf die WM fokussiert.

Sie sind in Gedanken schon wieder oben am Balken der kleinen Schattenbergschanze und imitieren darauf die Verhältnisse von Lahti. Und sie überlegen, welche Winzigkeiten sie am Material noch verbessern können, um für den Saisonhöhepunkt, das heutige Springen von der Normalschanze (ab 16.30 Uhr) bestens gerüstet zu sein.

Immerhin, die für Coolness und Gelassenheit bekannte Vogt betont explizit, dass sie in dieser Saison nicht nur erfolgreich seien, sondern die Stimmung im Team echt cool sei – und die Mädels 'ganz nebenbei ’nen ziemlichen Spaß' hätten. Schon vor drei Jahren, als Vogt im russischen Sotschi als erste Goldmedaillengewinnerin im Skispringen Sporthistorisches schaffte und nur sehr schmallippig Auskunft über sich selbst gab, wunderte sich die Öffentlichkeit über die introvertierte Athletin, von der Bauer damals sagte, sie sei mannschaftsintern 'so etwas wie die Stimmungskanone'.

Die Rollen bei den DSV-Springerinnen sind inzwischen ein wenig anders verteilt. Katharina Althaus, die 20-jährige Oberstdorferin, rückt der unumstrittenen Nummer eins etwas auf den Pelz. 'Während andere immer wieder ihre Ruhe brauchen', sagt Bauer und meint damit unbestritten Carina Vogt, 'verbreitet Katharina immer wieder gute Stimmung.'

Sie sei der 'Sonnenschein' in der Mannschaft. Der kann wohlgemerkt auch nur deshalb so stark strahlen, weil Althaus nicht nur ihre charakterlichen Stärken beim Bundestrainer in die Waagschalen wirft, sondern auch sportliche Erfolge.

Im Gesamtweltcup liegt Althaus hinter den beiden Japanerinnen Sara Takanashi und Yuki Ito sowie der Norwegerin Maren Lundby auf Rang vier. Vogt ist (nur) Sechste – wobei der 25-Jährigen vom SC Degenfeld der Weltcup ohnehin schnurzegal zu sein scheint, solange sie bei den Großveranstaltungen wieder ganz oben auf dem Podest steht. 'Ich muss mir nichts mehr beweisen', sagt Vogt, 'ich kann locker drauflos springen.'

Vogts Gelassenheit hat auf Althaus abgefärbt. Auch sie sagt Sätze wie: 'Ich muss zum Glück nicht viel ändern.' Oder: 'Wenn ich meine Form halten kann, muss ich mich nicht verrückt machen.' Bestärkt in ihrer Zuversicht wird sie von ihrem Trainer Bauer. Gerade bei Althaus erkennt er eine 'konstante Entwicklung'. Sie habe ihre Sprungtechnik deutlich verbessert im Vergleich zur letzten Saison. Nach dem Absprung komme sie jetzt schneller in eine stabile Flugposition.

Dass sie 'unten raus noch den einen oder anderen Meter verschenkt', macht Bauer keine Sorgen. 'Katharina ist immer hoch motiviert und extrem willensstark.' Das zeige allein schon die Tatsache, dass sie in diesem Jahr Sport und Schule nahezu mustergültig unter einen Hut bekommt. Und das unter erschwerten Bedingungen. Bis zu 90 Fehltage hat sie in einem Winter im Skigymnasium Oberstdorf, an dem sie noch in diesem Jahr das Abitur machen will.

Spagat zwischen Schreib- und Schanzentisch bekommt Althaus mit viel Fleiß hin. Sie lernt zwischen den Wettkämpfen, im Hotel, im Auto, im Flugzeug. Telemarkerin Johanna Holzmann, 21, aus Oberstdorf steht ihr als Tutorin zur Seite, korrigiert Hausaufgaben, erklärt ihr – wenn’s sein muss – per Videochat rund um den Globus den verpassten Unterrichtsstoff.

Für Althaus ist das nichts Besonderes. Es ist Alltag. Beklagen will sie sich über die Doppelbelastung auf keinen Fall. Sie habe sich das ja selbst ausgesucht. Und überhaupt: 'Ich bin schon ein ehrgeiziger Mensch', sagt sie. Was fast wie eine Entschuldigung klingt. Trainer Andreas Bauer hört’s gern. Er grinst nur leise in sich hinein.

Autor:

Thomas Weiß aus Kempten

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