Telemark
Nach kleiner Durststrecke will Tobias Müller beim Heim-Weltcup am Oberjoch angreifen

Gegenwind ist nie angenehm. Erst recht nicht, wenn man sich zuvor fast nur auf Rückenwind verlassen konnte. Das bekommt Telemarker Tobias Müller in dieser Saison zu spüren. Denn vor dem Heim-Weltcup am kommenden Wochenende in Bad Hindelang/Oberjoch verläuft der Winter für den 23-jährigen Athleten vom Skiclub Fischen bisher alles andere als nach Plan.

Auch wenn er jüngst im spanischen Espot den ersten Saisonsieg gefeiert hat, ist bei Müller noch Sand im Getriebe. 'Von Anfang an bin ich in dieser Saison nicht so richtig im Flow. Zumindest nicht so sehr wie Phil', sagt der Oberallgäuer. Gemeint ist der Franzose Philippe Lau, der Müller – in dieser Saison – den Rang als Seriensieger im Weltcup abgelaufen hat. Zumindest war es in den vergangenen Rennen so. Denn der 29-Jährige hat schon neun Saisonerfolge auf dem Konto und führt den Gesamtweltcup mit 885 Punkten recht souverän vor Müller (679) an. Eine ungewohnte Situation für Letzteren, der die Szene in den Jahren zuvor wie kein Zweiter dominiert hatte.

Zwischen März 2013 und März 2015 schaffte der Sportsoldat der Fördergruppe in Sonthofen in 30 Rennen 27 Podestplätze und fuhr dabei unglaubliche 23 Siege ein. 'Damals hatte ich einen absoluten Lauf. Manchmal ist das eben so. Wenn alles passt, siegt man trotz einiger Fehler und weiß gar nicht so recht, warum', sagt Müller.

In diesem Winter steht erst ein Saisonsieg in zehn Weltcup-Rennen zu Buche. Und doch will der 14-fache Weltmeister (je siebenmal Gold bei der Junioren- und Senioren-WM) vier Stationen vor dem Ende der Saison nichts von einer Krise wissen. 'Als es traumhaft lief, wusste ich auch nicht immer, warum. Dieser Flow kommt und geht einfach. Ich fühle mich nicht, als wäre ich im Tief. Im Gegenteil: Vielleicht bin ich sogar fitter als jemals zuvor', sagt der viermalige deutsche Meister.

Vielseitiger als jemals zuvor habe er sich im vergangenen Sommer vorbereitet. Neben der Teilnahme an zehn Mountainbikerennen der Enduro-Eurocup-Serie und intensiven Langlauf-Einheiten in der Heimat im Herbst legten Müller und sein Trainer Fritz Trojer (Starnberg) den Fokus 'auf ein breites Spektrum.' Genau deshalb ist der Telemarker auch zuversichtlich, dass er bald wieder in den 'Flow' kommt. 'Vielleicht bin ich bald wieder in so einem Rausch, wie Lau ihn jetzt hat. Ich bin zuversichtlich', sagt der Oberallgäuer.

Dabei stört den 23-Jährigen auch die ungewohnte Rolle des Jägers nicht. 'Es sind komplett unterschiedliche Situationen, ob man vorne ist oder nicht. Aber es geht doch immer darum, dass man gewinnt. Man fährt in erster Linie ja nicht gegen einen Konkurrenten, sondern will selbst seine Rennen gewinnen.' Und geht es nach Müller, soll das am besten schon bei seinem dritten Weltcupstart am Oberjoch gelingen.

An seinem 'geliebten Heimhang' feierte der Fischinger 2011 sein Weltcup-Debüt (17. Platz) – im Vorjahr gewann er hier den Sprint. Will er diesen Erfolg am Wochenende wiederholen, muss der 30-fache Weltcupsieger aber an seinem Kumpel Philippe Lau vorbei. 'Es wird schwer, denn er hat einen brutalen Lauf zur Zeit. Das kennen wir ja beide. Vermutlich verstehen wir uns auch deshalb so gut', sagt Müller.

Laus Vater ist Hamburger, der 29-Jährige selbst spricht perfekt deutsch. Bei den Showrennen in Lillehammer, wo die weltbesten Telemarker jüngst ihre Sportart vor dem Internationalen Olympischen Komitee präsentierten, waren Lau und Müller sogar Zimmerkollegen. 'Klar gibt es vor dem Schlafengehen mal den ein oder anderen Spruch. Man foppt sich gerne', sagt Müller mit einem Augenzwinkern. 'Unser Kampf ist immer fair und deshalb gönnt man dem anderen auch Erfolge. Aber ich bin wach und werde ihn auch mal wieder abfangen.'

Autor:

Ronald Maior aus Immenstadt i. Allgäu

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