Mentaltraining
Mit Hypnose zu Spitzenleistungen

Intensives Training und gesunde Ernährung gehören zu den Bausteinen eines Spitzensportlers. Dass allerdings auch Körper und Seele im Einklang sein müssen, um sich den entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen, ist längst kein Geheimnis mehr. Wir sprachen mit Dagmar Arendt aus Oberstdorf, Hypnosetherapeutin, Heilpraktikerin und Autorin des Buches «Heilkraft der Selbsthypnose» über ihre Arbeit mit Sportlern.

Wie sind Sie zu dieser Form des mentalen Coachings gekommen?

Dagmar Arendt: Ich habe zunächst als Heilpraktikerin gearbeitet, habe Patienten mit Atemtherapien und Akkupunkturen behandelt. Dabei habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Ursachen für Beschwerden und Verletzungen tiefer, im Unterbewusstsein, liegen müssen. So bin ich vor etwa 15 Jahren zur Hypnosetherapie gekommen. In Stresssituationen greift das Unterbewusstsein zu den negativen Blockaden, die in der Lebensgeschichte verankert sind. Daher spricht man auch von «Ankern». Sie werden im Hypnocoaching erkannt und aufgelöst.

Wie kann die Hypnosetherapie im Leistungssport angewendet werden und Sportlern in Stresssituationen helfen?

Arendt: Das mentale Hypnocoaching oder auch die Selbsthypnose kann sehr gut auf den Leistungssport übertragen werden. Leistungssportler sind besonders häufig Stress ausgesetzt: in Wettkämpfen, im Training oder wenn es um Kaderpositionen geht. In solchen Situationen erinnert sich mein Unterbewusstsein daran, dass ich mal etwas nicht geschafft habe, an verletzende Kritik oder Rückschläge. Diese negativen Erinnerungen müssen nicht unbedingt aus dem sportlichen Bereich kommen, sondern können auch aus einem misslungenen Referat in der Schule resultieren. Sie blockieren uns in bestimmten Stresssituationen.

Was genau beinhaltet das mentale Hypnocoaching im Leistungssport?

Arendt: In der Hypnosetherapie gilt es im ersten Schritt, diese unterbewussten Blockaden aufzudecken. Was hält mich zurück? Warum denke ich, dass ich nicht gut genug bin? Diese negativen Erinnerungen müssen dann in positive Suggestionen umgewandelt werden. Anstatt der quälenden Anstrengung soll das Gefühl verinnerlicht werden, etwas geschafft zu haben. Auch das eigene Ziel muss vor Augen geführt werden. Wichtig ist, was man selbst erreichen möchte und nicht, was man als Ziel vorgesetzt bekommt.

Und wie schaffe ich das?

Arendt: Im zweiten Schritt setze ich mich schließlich gedanklich mit diesem Ziel auseinander. Möchte ich zum Beispiel an einem Marathonlauf teilnehmen, versetze ich mich immer wieder in die Situation des Triumphes, in diesem Fall der Zielüberschreitung. Die positiven Bilder zeigen: Ich will es, ich schaffe es und ich kann es. Gedanklich hat man das Ziel bereits erreicht. Ein Skispringer sieht beispielsweise vor dem inneren Auge eine bestimmte Weite auf der Anzeigetafel aufleuchten.

Im Leistungssport wird vielfach mit Sportpsychologen und Mentaltrainern gearbeitet. Was unterscheidet Ihre Arbeit von diesen Fachleuten?

Arendt: Der Unterschied liegt vor allem darin, dass ich mit dem Ansatz der Hypnose arbeite. Dabei ist der Patient in einem aktiven Wachzustand. Er ist sehr entspannt, die Situation fördert eine große, tief gehende Erinnerung. So kann ich die Blockaden im Unterbewusstsein erkennen und auflösen. Diese Technik kann jeder erlernen. Jeder Sportler sollte sie aktiv in das tägliche Training einbeziehen und vor belastenden Situationen selbst anwenden.

Ist dieses mentale Training für jeden Sportler von Bedeutung?

Arendt: Für jeden Sportler, ob Eiskunstläufer, Leichtathlet, Fußballspieler oder Skifahrer, gilt: Körper und Seele müssen im Einklang miteinander stehen, müssen verschmelzen. Erst dann können Leistung abgerufen und Ziele erreicht werden.

Sportler müssen an ihre Ziele und Fähigkeiten glauben, sonst erreichen sie sie nicht. Dieses Hypnocoaching ist auf jeden Sportler übertragbar und kann in allen Sportarten helfen, Hürden zu überwinden und die mentale und auch physische Leistungsfähigkeit zu steigern.

Kann jeder diese Technik erlernen und konnten Sie bereits Erfolge bei Leistungssportlern erzielen?

Arendt: Die Selbsthypnose kann jeder in Drei-Tages-Kursen erlernen. Ich habe bereits mit vielen Sportlern erfolgreich gearbeitet. Viele kommen aus einem Leidensdruck wie einer langwierigen Knieverletzung zu mir. Sie lernen mit Rückschlägen und Niederlagen umzugehen, sie zu verstehen und wieder frei an Wettkampfsituationen heranzugehen. Auch Misserfolge gehören zum Leben dazu. Innere Ruhe und ein neuer Energieschub verhelfen zu besseren Leistungen, nicht nur im Sport.

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