Skispringen
Andreas Bauer trainiert das Frauen-Nationalteam im Skispringen

Es ist frühmorgens. Draußen joggen ein paar russische Sportler am Haupteingang vorbei, in den Umkleidekabinen legen Athleten ihre Ausrüstung an, drinnen im Stadion segeln die ersten schon nach unten.

Der Winter steht vor der Tür, und die Betriebsamkeit in der Oberstdorfer Skisprung-Arena nimmt zu. Und mittendrin, als ob es seit Jahrzehnten nicht anders gewesen wäre, hält die deutsche Frauen-Mannschaft ein Trainingslager ab. Das Team um den neuen Bundestrainer Andreas Bauer (47/Oberstdorf) trainiert hart. Für die Skispringerinnen gibt es ab November erstmals einen Weltcup.

Tatsächlich hatte die Disziplin für Frauen lange einen schweren Stand. Jahrelang mussten die Athletinnen dafür kämpfen, offizielle Wettkämpfe austragen zu dürfen. Mittlerweile waren sie bei zwei Weltmeisterschaften dabei und 2014 in Sotschi/Russland geht es erstmals um olympisches Edelmetall.

An diesem Tag bittet Bauer den fünfköpfigen Weltcup-Kader, zu dem auch noch die Oberstdorferin Katharina Althaus (15) stoßen könnte, zunächst in einen selbst konstruierten Windkanal. 'Das ist gut dafür, das Feingefühl im Wind zu kriegen und die Symmetrie der Skier zu korrigieren', erklärt der Trainer.

Über eine Seilwinde werden die Athletinnen einen Meter nach oben gezogen und mit dem Windstrahl zweier Schneekanonen beschossen. 'Kopf nach oben, Arme dichter ran', kriegt Jenna Mohr (24/SC Willingen) dann von Bauer zu hören.

Er sagt das aber in ruhigem Ton. 'Man muss die Mädels anders behandeln als Jungs. Mehr loben und erst hinterher kritisieren', erklärt der Trainer. So viel hat er schon gelernt, seit er im Frühjahr von den Kombinierern zu den Springerinnen gewechselt war.

Durch den Weltcup sind die Frauen den Männern nun sportlich gleichgestellt und Bauer kann mittlerweile sagen: 'Der Zuschauer erkennt keine Unterschiede mehr.' Ob die Zeiten, an die sich Springerin Anna Häfele (22/SC Willingen) erinnert, damit aber wirklich vorbei sind, bleibt abzuwarten: 'Früher hieß es immer, ach, für Frauen gibt’s das auch?' Ab dieser Saison soll es gemeinsame Live-Übertragungen im Fernsehen mit den Männern geben, wie Trainer Bauer erfahren hat.

Er weiß, was auf seine Mädels zukommen wird. Die Preisgelder sind höher, der Druck von Sponsoren größer, die Medien werden sie während den Wettkämpfen nicht in Ruhe lassen. Das kann ablenken. Denn auch das hat Bauer schon kapiert: 'Frauen haben mehr Antennen.' Sie könnten nicht komplett abschalten, wie er das noch von seinem Ex-Schützling Johannes Rydzek (19/Oberstdorf) gewohnt sei. Bauer sagt deshalb: 'Ich bin 17 Jahre im Geschäft, aber das wird eine spannende Geschichte.'

Schon sieben Jahre dabei

Immerhin sieben Jahre ist Ulrike Gräßler (24/VSC Klingenthal) als Aktive dabei. Im Continental Cup sprang sie dabei immer unter die besten zehn. Als sie sich in Oberstdorf auf ihren Trainingssprung von der großen HS 137-Schanze vorbereitet, wird sie nachdenklich: 'Früher dachte ich oft, wofür mache ich das eigentlich?' Dann springt sie auf. 'Aber jetzt hat man wieder Ziele.' Sie geht raus, ganz cool, springt – und landet bei 121 Metern. Weiter als so mancher Mann, der vor oder nach ihr dran war.

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