Rettungseinsatz
Bergwacht rettet vier Sportkletterer aus der Rubihorn-Nordwand

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Einen Großeinsatz zahlreicher Rettungskräfte haben am Samstag vier Bergsteiger im Oberallgäu ausgelöst. Zwei Männer aus Stuttgart und München (41 und 16 Jahre) sowie zwei Alpinisten aus dem Vorarlberger Egg (29 und 32) waren nachmittags in der Rubihorn-Norwand festgesteckt und hatten erst um 17.30 Uhr per Handy einen Notruf abgesetzt.

Da war es bereits dunkel. Eine heranziehende Schlechtwetterfront mit Schnee und starkem Wind drohte die Bergung der Verunglückten zu gefährden. Vier Stunden nach ihrem Notruf erreichten - dank des beherzten Einsatzes der Piloten - alle vier Bergsteiger wohlbehalten festen Boden unter den Füßen. Ein Hubschrauber der Bundespolizei hatte sie aus dem unwegsamen Gelände befreit. Die Chronologie des Berg-Dramas:

Samstag, 7 bzw. 7.30 Uhr Am Parkplatz in Reichenbach brechen die vier Alpinisten auf in Richtung Gaisalpe. Von hier aus starten gleich mehrere Extrem-Touren über die Nordwand auf den Rubihorn-Gipfel. In einschlägigen Internet-Foren wird die Rubihorn-Nordwand mit ihren Winterrouten für gute Alpinisten gepriesen. Die beiden Zweier-Seilschaften aus Stuttgart und München bzw. aus Vorarlberg kennen sich nicht. Sie werden sich erst später erstmals in der Wand treffen.

14 Uhr Schon beim Aufstieg bekommen die vier professionell ausgerüsteten Kletterer Probleme. Starke Schneeverwehungen im oberen Teil der Route machen ein Weiterkommen unmöglich. Nach etwa zwei Dritteln der Tour entscheiden die Vier, ihr Vorhaben abzubrechen und gemeinsam den Rückzug am Seil zu versuchen.

Ca. 15 Uhr Die Zeit drängt. Immer wieder verhängt sich das Seil. Trotz größter Anstrengungen kommen die Vier nur langsam voran. Eine Seillänge, etwa 40 Meter, trennen den untersten vom obersten Bergsteiger. Als zwei von ihnen bis zur Hüfte im Schnee stecken bleiben, entscheiden sie sich, zum Handy zu greifen.

17.24 Uhr Der Notruf geht bei der Einsatzzentrale in Kempten ein, die umgehend die Bergwacht in Oberstdorf alarmiert. Dort, unmittelbar neben dem WM-Langlaufstadion in Ried, wo eine Stunde zuvor der Ski-Weltcup der nordischen Kombination zu Ende gegangen ist, wird nun mit Hochdruck an einem Rettungsplan getüftelt. Bergwachtler, welche die Routen am Rubihorn kennen, werden zusammengetrommelt.

18.30 Uhr Bergwacht-Bereitschaftsleiter Luggi Lacher und Christian Pauker von der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei planen zweigleisig, da die Wettervorhersagen nichts Gutes verheißen und fraglich ist, ob die Retter über den Helikopter an die Sportkletterer herankommen oder ob sie sich vom Gipfel zu ihnen vorarbeiten müssen. 'Dafür würden sie mindestens vier Stunden brauchen', schätzt Lacher.

19 Uhr An der Gaisalpe wird eine Lichtkanone aufgestellt. Mit Hilfe einer Wärmebildkamera werden die Bergsteiger genau lokalisiert.

19.30 Uhr Ein Bundeswehr-Hubschrauber fliegt vier Bergwachtler zum Rubihorn-Gipfel. Mit dabei: 700 Meter Seil, Bohrmaschinen und Verankerungsmaterial. Zeitgleich wird durch den Polizeihubschrauber der erste Kletterer mit der Winde geborgen.

20.30 Uhr Schrecksekunde für die Rettungskräfte. Beim dritten Anflug wird eine kleinere Lawine ausgelöst. Sie rast eine Rinne neben den Verunglückten hinab ins Tal.

21.15 Uhr Nach und nach werden die Bergsteiger ins Tal geflogen. Sie sind erschöpft, aber unverletzt. In der Bergwacht-Stube bekommen sie Tee und Getränke.

22 Uhr Luggi Lacher zieht Bilanz: 'Die vier Alpinisten hatten extrem viel Glück. Das Wetter hat gerade noch so gehalten, und ihr Standort war glücklicherweise mit der 90-Meter-Seilwinde des Polizeihubschraubers erreichbar.' Ein großes Lob zollt er den Piloten: 'Das war mehr als heikel.' Nächtliche Einsätze mit der Seilwinde sind eine absolute Ausnahme.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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