Bergunfall
Vermisster wird nach Suchaktionen an der Höfats zufällig von Sohn entdeckt

Der Oberstdorfer Polizeichef Friedrich Hummel spricht von einem Wunder: Ein seit vergangenem Samstag vermisster, 55 Jahre alte Bergsteiger ist am Fuß des Höfats-Massivs gefunden worden – zwar verletzt, aber lebend. Entdeckt wurde er von seinem 29 Jahre alten Sohn. "Unglaublich", sagt Hummel und schüttelt den Kopf. Mehrere Suchaktionen - auch mit Hubschraubern - waren zuvor erfolglos geblieben. Fünf Nächte hatte der verletzte Bergsteiger im Freien verbracht - bei Temperaturen nur wenige Grade über null.

Horst Engelhardt (58) von der Oberstdorfer Polizei ist nicht nur Alpinexperte, sondern er betreut bei der Bergwacht im Rahmen der sogenannten Krisenintervention auch Unfallopfer oder deren Angehörige. Da war es für den Polizeibeamten fast schon eine Selbstverständlichkeit, dass er den Sohn des vermissten Mannes aus dem Nordschwarzwald dorthin begleitete, wo dessen Vater vermisst wurde.

Engelhardt weiß, wie wichtig es für Angehörige ist, dass sie dorthin gehen, wo ein Vermisster vermutet wird oder wo ein naher Angehöriger gestorben ist. 'Man hatte ja praktisch nicht mehr daran gedacht, ihn noch lebend zu finden', erläutert Polizeichef Hummel.

Rückblende: Horst Engelhardt, der Sohn des Vermissten und ein Bekannter fahren am späten Mittwochnachmittag mit einem Jeep südlich von Oberstdorf ins Gerstrubental, über dem sich die Flanken der 2259 Meter hohen Höfats erheben. Bis zu 90 Grad steil sind im oberen Teil die Grashänge, die schon vielen Bergsteigern zum Verhängnis geworden sind.

Als Engelhardt schon wieder zurückfahren will, meldet sich plötzlich der Sohn des vermissten Bergsteigers zu Wort: 'Da oben liegt doch einer, der beweget sich auch noch.' Wenige Minuten später ist klar: In unmittelbarer Nähe des Fahrwegs hat der 29-Jährige seinen Vater gefunden. Der schwer verletzte Bergsteiger, ein Extremsportler mit Ultramarathon-Erfahrung, ist stark dehydriert, hat vermutlich tagelang nichts getrunken. Aber er ist ansprechbar.

Wie es jetzt weitergeht, fragt der Verunglückte. Er hatte mehrere Knochenbrüche, Prellungen und Kopfverletzungen erlitten. Eine Odyssee liegt hinter ihm. Noch weiß keiner, was geschehen ist, denn der Mann ist zu schwach, um darüber zu reden. Mit dem Rettungshubschrauber Christoph 17 wird der schwer, aber offensichtlich nicht lebensgefährlich Verletzte nach einer ersten Versorgung durch den Notarzt ins Krankenhaus geflogen.

Engelhardt lässt der Fall keine Ruhe. Viele Fragen sind ungeklärt. Gestern Morgen macht sich der 58-Jährige erneut auf ins Gerstrubental – auf Spurensuche. Er findet den Rucksack des Verunglückten und seine Uhr. Anhand der Spuren kann Engelhardt in etwa nachvollziehen, was geschehen ist. Etwa 400 Meter über dem Fundort ist der sehr erfahrene Bergsteiger, der alleine unterwegs war, am vergangenen Freitag abgestürzt.

Anhand der Spuren glaubt Engelhardt sagen zu können, dass der 55-Jährige nur etwa fünf Meter frei gefallen ist. Dann versuchte der Schwerverletzte offensichtlich, sich kriechend nach unten zu bewegen - fünf Tage lang, bis er am Mittwochnachmittag auf etwa 1200 Metern Höhe gefunden wurde. Engelhardt glaubt, dass der Mann auf den Westgipfel der Höfats gehen wollte und sich schon im unteren Teil verstieg. Die Orientierung ist dort nicht leicht. Die Anstiege auf den West- und Ostgipfel der Höfats gelten als anspruchsvolle Bergtouren.

Bevor der Vermisste gefunden wurde, waren mehrere Suchaktionen von Alpinpolizei und Bergwacht erfolglos verlaufen – wahrscheinlich, weil nicht so weit abseits der normalen Route gesucht worden war. Und aus der Luft konnte der Mann vielleicht wegen der Bäume und Büsche nicht gesichtet werden.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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