Special Großbrände im Allgäu SPECIAL
Großbrände im Allgäu

Unglück
Urlauber im Schlaf von Feuer überrascht

Verängstigt schreien Kühe, während Feriengäste erschrocken und schockiert das Haus in die eisige Nachtkälte verlassen. Derweil versuchen Hausbesitzer und Helfer, das Vieh aus dem in Flammen stehenden Stall ins Freie zu treiben. Es sind dramatische Szenen, die sich bei dem Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens mit Ferienwohnungen in Mittwänden bei Oberstdorf-Tiefenbach abspielen. Schlag auf Schlag treffen Einsatzkräfte ein: Feuerwehren, Rotes Kreuz, Polizei.

78-jährige erleidet Schock

Schon als die ersten Feuerwehrler mit Tiefenbachs Kommandanten Markus Brandmair zum Unglücksort kommen, brennt die Stallung lichterloh. Flugs überprüfen sie, ob alle sieben Bewohner und die 17 Feriengäste den angrenzenden Wohntrakt und das Austragshaus auf der anderen Seite verlassen haben. Ein Urlauber hat - aus dem Schlaf gerissen - den Ernst der Lage nicht erkannt und sich auf den Balkon gestellt. Ihn bringt die Feuerwehr ins Freie. Die meisten Bewohner bleiben unversehrt. Sie werden im Gasthaus Breitachklamm erstversorgt und für die Nacht auf mehrere Häuser aufgeteilt.

Mit einen Schock ins Krankenhaus muss die 78-jährige Mutter des Hausbesitzers. Sein 14-jähriger Sohn verletzt sich bei der Rettung mehrerer Tiere am Arm und wird ebenfalls im Krankenhaus versorgt. Zudem rutscht ein Feuerwehrler auf dem eisigen Boden aus und verdreht sich das Bein.

Das meiste Vieh kommt mit heiler Haut davon, obwohl etliche verstörte Tiere immer wieder versuchen, in den brennenden Stall zurück zu gehen. Vier Kälber sterben in den Flammen. Stall und Tenne brennen restlos nieder. Die Dorfgemeinschaft bewährt sich auch beim Umgang mit dem Vieh: Landwirte leisten schnelle Hilfe. Sie kommen mit Trekkern und Hängern, verteilen die Tiere auf mehrere Ställe.

Die Kälte mit zweistelligen Minusgraden erschwert den Rettern die Arbeit ungemein. «Bitterkalt», sagt Kreisbrandinspektor Joachim Freudig. Nicht nur, dass sich abfließendes Löschwasser in Rutschbahnen wandelt. Auch die Wasserversorgung ist beeinträchtigt. Die Feuerwehr darf das Wasser nicht abstellen, weil sonst Schläuche und Druckrohre einfrieren. Ein Problem, mit dem die Tiefenbacher auch bei der Brandwache und den Nachlöscharbeiten zwischen 2 Uhr nachts und 6 Uhr morgens immer wieder kämpfen müssen.

Zwischendurch spritzen Helfer deshalb einfach ins Gelände. Hauptsache, das Wasser fließt. Dennoch frieren Geräte und Armaturen ein, verwandelt sich mancher Schlauch in eine «harte Stange» (Brandmair). Dabei ist die Wasserversorgung schon ein grundlegendes Problem. Einige 100 Meter weiter gibt es nur einen Hydranten. Und aus der zugefrorenen Starzlach lässt sich kein Wasser abzapfen.

Also legen Feuerwehrler Leitungen zur 600, 700 Meter entfernten Breitach. Die hat noch fließend Wasser, wenn auch sehr flach und noch kälter als im Hydranten. Die Brandfahnder der Kripo Kempten haben die Ermittlungen übernommen. Das Feuer brach demnach vermutlich im Bereich des Heustocks oder der Tenne aus; warum, ist noch unklar. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es derzeit nicht.

Der Sachschaden beträgt nach ersten Schätzungen mehrere 100000 Euro.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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