Machtkampf
Tauziehen um die Tourismusspitze

Dr. Silvia Nolte wird in Zukunft nicht mehr für die Belange des Oberstdorfer Tourismus verantwortlich sein. Das bestätigt sie gegenüber unserer Zeitung: «Es hat unterschiedliche Vorstellungen gegeben, die nicht miteinander in Einklang zu bringen waren.» Das Amt der Geschäftsführerin der Oberstdorf Tourismus GmbH hat sie bereits niedergelegt. Nolte war seit November krankgemeldet. Deswegen war der alte Geschäftsführer Hans-Walter Burger in der heißen Phase der OTG-Reform noch einmal bis Ende Januar eingesprungen.

Jetzt hat der OTG-Aufsichtsrat einen alten Bekannten als Nachfolger ernannt: Otto-Mäx Fischer, Gründungsgeschäftsführer der Gesellschaft im Jahr 1999, soll ab Februar die Leitung übernehmen. Damit rückt er auf eine starke Position: Seit dem ersten Januar liegen wesentliche touristische Kompetenzen beispielsweise in den Bereichen Werbung und Kommunikation bei der Gesellschaft, an der die Marktgemeinde die Mehrheit der Anteile hält. Die kommunalen Kurbetriebe sind dagegen nur noch für die Entwicklung der touristischen Infrastruktur und die Verwaltung der Liegenschaften zuständig.

«Ich habe mich nicht um den Posten beworben», sagt Otto-Mäx Fischer, der einen langfristigen Vertrag bekommen soll. Er sei von mehreren OTG-Gesellschaftern und Aufsichtsräten sowie von kommunalen Mandatsträgern und Interessengruppen auf die Übernahme der Geschäftsführung angesprochen worden. Nach reiflicher Überlegung habe er sich dafür entschieden. «Es ist mir nicht leicht gefallen», sagt er. Mit dem Abschied von Nolte habe niemand gerechnet. «Wir sind davon ausgegangen, eine langfristige Lösung gefunden zu haben.» Die Mitglieder des Aufsichtsrates beriefen Fischer gegen die Stimme ihres Vorsitzenden, Bürgermeister Laurent Mies, der dafür warb, zunächst eine Interimslösung zu finden, bis die Neuverteilung der Anteile abgeschlossen ist. «Der alte Aufsichtsrat sollte nicht den neuen Gesellschaftern seine Entscheidung aufzwingen», sagt Mies.

Um die Privatwirtschaft einzubinden, sollen alle wichtigen Gruppen der Vermieter, der Gastronomie, des Handels und des Gewerbes, sowie die Bergbahnen und die wichtigsten Sportinstitutionen Anteile an der OTG erwerben. Wenn die Verteilung vollzogen ist, wird auch der Aufsichtsrat neu besetzt. «Der Geschäftsführer sollte von den neuen Gremien bestimmt werden», erklärt Mies.

Der langjährige Oberstdorfer Kurdirektor und heutige Tourismusreferent des Gemeinderates Michael Schmidl, ebenfalls OTG-Aufsichtsrat, widerspricht dem Bürgermeister. «Es darf im Oberstdorfer Tourismus keinen Stillstand geben», sagt er. «Deswegen hilft uns eine Interimslösung nicht weiter.» Man müsse zum Wohle des Tourismus schnell eine tragfähige Lösung finden. In die gleiche Kerbe schlägt auch OTG-Aufsichtsrätin Rosa Fuchs: «Wir brauchen eine langfristige Lösung und jemanden, der sich in Oberstdorf auskennt.»

Eine Mehrheit des Marktgemeinderates stellte sich in einer nicht öffentlichen Sitzung laut Bürgermeister Mies gegen die Ernennung des Geschäftsführers durch den Aufsichtsrat. Die Räte wollen mit einem Mehrheitsbeschluss in der Gesellschafterversammlung, die Entscheidung des Aufsichtsrates kippen.

Bürgermeister stoppt Vergabe neuer Anteile

Die Gemeinde hat Anteile der OTG aufgekauft, um sie an die neuen Gesellschafter zu verteilen. Diese - für den gestrigen Freitag geplante - Umverteilung wurde bereits vor der Gemeinderatssitzung am Donnerstag von Bürgermeister Mies «aufgrund der aktuellen Situation bei der OTG» gestoppt. Es müssten noch rechtliche Fragen geklärt werden. Die designierten neuen Gesellschafter wurden von dieser Entscheidung überrascht. «Wir waren natürlich verwundert, dass der Termin so kurzfristig abgesagt wurde», sagt Bergbahn-Chef Augustin Kröll.

«Wir haben erst am Donnerstagnachmittag davon erfahren.» Weil die Umverteilung nicht stattfand, hält die Gemeinde derzeit rund 65 Prozent der Anteile in der Gesellschafterversammlung. Eine breite Mehrheit, um Beschlüsse des Aufsichtsrates rückgängig zu machen.

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