News-Blog
Tag zwei nach der Schlammlawine in Oberstdorf: Starker Zusammenhalt und Solidarität in Oberstdorf

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Auch am zweiten Tag nach der Schlammlawine sind in Oberstdorf die Aufräumarbeiten weiter in vollem Gange und vielerorts wird erst jetzt das ganze Ausmaß der Schäden an den Häusern sichtbar. Landrat Anton Klotz schätzte den Sachschaden auf einen einstelligen Millionen-Euro-Betrag. Wir informieren Sie in unserem News-Blog laufend über die Entwicklungen vor Ort.

Update 15.30 Uhr: Starker Zusammenhalt und Solidarität in Oberstdorf

'Tourismus Oberstdorf sind keine Absagen von Gästen aufgrund der aktuellen Situation bekannt. Die Gäste, die im Ort sind, zeigen sehr großes Verständnis und auch Mitleid mit den betroffenen Vermietern', sagt Heidi Thaumiller, Tourismusdirektorin von Oberstdorf. Die rasche Reaktion der Einsatzkräfte am Sonntag sowie die Betreuung im Oberstdorf Haus wurden als sehr positiv empfunden. Ebenso bemerken die Gäste vor Ort den starken Zusammenhalt und die Solidarität in Oberstdorf: Zahlreiche Personen boten am Sonntagabend in kurzer Zeit viele Ausweichquartiere für Gäste und Einheimische an, die glücklicherweise nicht benötigt wurden.

Mittlerweile sind die betroffenen touristischen Einrichtungen wie die Nebelhornbahn, die Erdinger Arena und die Breitachklamm wieder in Betrieb.

Update 13.00 Uhr: "Wir bleiben hier!"

Ihren Urlaub haben sich Karl-Heinz und Waltraud Trusz aus Nordhessen anders vorgestellt. Ihre Ferienwohnung liegt mitten in der Straße 'Am Dummelsmoos', dem von der Schlammlawine am schlimmsten betroffenen Bereich. Doch sie hatten Glück: Ihr Haus ist verschont geblieben. Doch auch die seitdem andauernden Aufräumarbeiten sind nicht gerade ein Urlaubsidyll, wie man es sich vorstellt. Trotzdem sagen sie: 'Wir bleiben hier!' Ihr Vermieter habe ein Alternativquartier angeboten. Sie wollen aber ein Zeichen setzen und den Oberstdorfern zeigen, dass es weiter geht. 'Der Tourismus ist für die Menschen hier so wichtig', sagt Karl-Heinz Trusz. 'Wir wollen unseren Vermieter nicht für die Schlammlawine abstrafen, er kann ja nichts dafür.'

Das Ehepaar war am Sonntag gerade erst nach sechsstündiger Fahrt in Oberstdorf angekommen und hatte sich kurz ausgeruht, als der Regen losging. 'Wir haben aus dem Schlafzimmerfenster geschaut, ob die Wolken weniger werden.' Da sahen sie die erste Welle Wasser durch die Gärten laufen. Zuerst klares Wasser, dann kam die zweite, viel stärkere Welle. 'Die war richtig braun und hat alles Mögliche mitgerissen.' Felsbrocken, Blumenkübel und Gießkannen haben die beiden vor dem Haus vorbeischwimmen sehen. Was sie ärgert: 'Wir haben nicht mal unsere Gummistiefel dabei, um beim Aufräumen mitanzupacken.' Nicht mal Kaffee habe sie den Helfern kochen können, weil der Strom abgestellt war. Ihren Urlaub lassen sich die Truszs von alldem aber nicht vermiesen. 'Wir ziehen das jetzt durch', sagt Waltraud Trusz. 'Wir sind nicht 500 Kilometer weit gefahren, um jetzt den Kopf in den Sand zu stecken.'

Update 12.25: 2.000 Liter Heizöl beinahe ins Grundwasser gelaufen

Das war knapp: In einem der gefluteten Keller im Oberstdorfer Dummelsmoos haben die Schlammmassen einen Tank voll Heizöl umgeworfen. 'Da sind 2.000 bis 3.000 Liter Öl ausgelaufen', sagt Feuerwehrkommandant Peter Vogler. Weil am Sonntag das Wasser im Keller immer weiter stieg, wäre das Öl beinahe durch die Kellerfenster nach draußen gelaufen. Unterhalb des Hauses verläuft die Trettach. 'Der Wasserspiegel ist nur bis knapp unterhalb der Fenster gestiegen. Da haben wir wirklich Glück gehabt.' Bereits zwei Tankwagenladungen seien aus dem Keller bereits abgepumpt worden, heute ging es weiter.

Feuerwehr flutet Keller

Im ersten Moment klingt das abstrus: Endlich ist das Schlimmste an Wasser aus den Kellern im Dummelsmoos rausgeschafft, da will die Feuerwehr wieder Wasser hinein pumpen. Warum? 'In manchen Kellern ist der Schlamm so dickflüssig, dass wir ihn nicht absaugen können', sagt Feuerwehrkommandant Peter Vogler. Das zusätzliche Wasser soll den Dreck dünnflüssiger machen, damit die Geräte wieder arbeiten können. 'Das ist unsere letzte Möglichkeit, danach hilft nur noch die klassische Eimerkette.'

Update 12.20 Uhr: Neues Problem in betroffenem Doppelhaus

'Kein Gast hatte Schaden an Hab und Gut', betont Heidi Thaumiller. Die Tourismus-Chefin erhielt vonseiten der Urlauber 'nur Positives und Verständnis für die aktuelle Situation'. Manche von ihnen hätten sogar mit angepackt und bei den Aufräumarbeiten geholfen, die weiterhin auf Hochtouren laufen.

Insbesondere an und in einem Doppelhaus im Dummelsmoos, das wie berichtet die Mure schwer beschädigt hatte. Das Hauptproblem derzeit vor Ort: Der in das Haus gelaufene Schlamm beginnt zu trocknen und wird langsam hart – was den Helfern die Arbeit erschweren wird.

Update 12.00 Uhr: Keine Auswirkungen auf Tourismus

Auf den Tourismus in Oberstdorf gab es durch die Schlammlawine 'keine größeren Auswirkungen', sagt Gemeinde-Sprecher Wolfang Ländle. Die Gäste seien weitgehend informiert, die meisten konnten bereits am Sonntagabend in ihre Quartiere zurück.

Bis auf zwei Urlauberinnen, ergänzt Tourismus-Chefin Heidi Thaumiller: Sie durften wegen des Murenabgangs vorerst nicht zurück in ihren Ferienhof im Dummelsmoos. Sie wurden in einem Hotel untergebracht und holten dann am Montag ihre Sachen aus ihrem Quartier. Danach reisten sie ab, was sie allerdings eh getan hätten, da ihr Urlaub am Montag vorbei war.

Update 9.00 Uhr: Wohngebiet für Autofahrer gesperrt

Das Wohngebiet am Dummelsmoos ist für Autofahrer wieder gesperrt. "Wir sind dort nach wie vor am Arbeiten", sagt Kommandant Vogler. Gestern seien so viele Autos in das Gebiet gefahren, dass die Feuerwehr dadurch behindert wurde.

Stand 8.45 Uhr: Spendenkonto

Da nicht alle Bewohner am Montag wieder in ihre zum Teil stark beschädigten Häuser zurückkehren konnten, bewachte die Polizei in der Nacht die unbewohnten, aber offenen Anwesen. In vielen der beschädigten Gebäude fehlen weiterhin Strom und Wasser.

Der Markt Oberstdorf hat inzwischen für die Opfer ein Spendenkonto bei der Sparkasse Allgäu eingerichtet (IBAN: DE 2873 3500 0000 0026 0125; BIC: BYLADEM1ALG; Stichwort "Schlammlawine"). Mehrere kleine Wasserläufe wurden zu gefährlichen Wildbächen, die Geröll, Schlamm und Wasser mit ins Tal rissen. Staustufen und Rückhaltewände bremsten die Flutwelle am Faltenbach ab, ehe ihre Ausläufer in das Wohngebiet unterhalb und neben der Erdinger Arena strömten.

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