Musik
Rainer von Vielen stellen ihre neue CD in der Oberstdorfer Hörbar vor

Wenn musikmachende Mitdreißiger stolzgeschwellt eine 'Retrospektive aus Festival- und Club-Shows der ersten Jahre, in der der Schweiß des Tour-Alltags steckt,' auf Silberlinge gepresst in die Welt setzen, muss das nicht gleich Hochstapelei sein, oder Zeiten und Werte in Frage stellen. Wer weiß, wie erlebnisreich der Weg junger Formationen aus dem Probenkeller auf die Bühnen dieser Republik ist, wer Rainer von Vielen mit seinem Ideenreichtum an Musikmaschine und Instrument kennt, gesteht dem Kemptener Rapmusiker gerne zu, dass er sein neues Opus 'Live den Lebenden' widmet.

Gepflegter Studioschliff ist eigentlich kontraproduktiv für die explosiven Sounds seines Quartetts, die Sprache der Straße, die Botschaft, die hinausgeschrien wird, damit der Hörer aufwacht, nachdenkt. Von Vielen nutzt, dem Genre gemäß, durchaus die Gossensprache, zieht den provokanten Hammer der gepflegten Poesie vor.

Den wirklich bösen Rapper, der Anfeindung annimmt, Recht und Konvention selbst interpretiert, ja definiert, gibt er nicht. So weit im wilden Staccato prasselnder Beats im Techno-Turbo-Tempo, in der Orgie von Phon und Rhythmusschlag sein Text entschlüsselt werden kann.

Der ist, so scheint es bei der CD-Release-Party in der Oberstdorfer 'Hörbar', für nicht wenige Hörer ohnehin Nebensache. Hauptsache, die knalligen Tunes gehen gut in die Beine, drücken Geist und Körper in andere Sphären.

Ein Kompliment für die Vier von Vielen: Ihre Sounds verlassen das Rapmuster immer wieder mit zarten Vogelstimmen aus dem Computer, handgemachter Musik, die mit Mundharmonika und Akkordeon geschmeidige, gleichwohl emotionstiefe Farben bekommt, ab und an gar alpenländisches Kolorit atmet und so den strikten Elektrobeat spannungsreich aufmischt.

Das verschworene Kollektiv mit Mitsch Oko mit glühender Gitarre und anfeuerndem Gesang, Dan le Tard mit seinen fetten, scharfen Bassfiguren und Niko Lai an der 'Schießbude' geben ihrem Frontmann prächtig Zunder und verhelfen Rainer von Vielen zu seiner eigenen Position in der Szene.

Musik von Lebenden und nur für Lebende!

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