Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Gericht
Oberstdorfs Ex-Rathauschef und Ex-Tourismuschef angeklagt

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Oberstdorfer Vergangenheitsbewältigung der besonderen Art: Heute, Dienstag, müssen sich der frühere Bürgermeister Thomas Müller und der ehemalige Tourismus-Direktor Urs Kamber als Angeklagte strafrechtlich vor dem Amtsgericht Sonthofen verantworten.

Nur sieben Monate amtierte der Schweizer Fremdenverkehrs-Fachmann Urs Kamber als Tourismus- und Sportchef in der Urlaubs-Hochburg Oberstdorf, von August 2006 bis Februar 2007. Dann hatte der damalige Bürgermeister Thomas Müller (CSU) genug von seinem führenden Mitarbeiter.

Man trennte sich in beiderseitigem Einvernehmen. Bald darauf entbrannte ein Streit zwischen den beiden vor den Arbeitsgerichten, bei dem mittlerweile um nahezu eine Viertelmillion Euro Entschädigung für Kamber gefochten wird (wir berichteten). Noch existiert kein Urteil. Von ganz anderem Kaliber - und nicht mit dem bisherigen Entlohnungs-Streit zu vergleichen - ist indes das Strafverfahren heute, Dienstag, ab 9 Uhr in Sonthofen.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg als zuständige Strafverfolgungsbehörde für Steuerhinterziehung und Wirtschaftskriminalität wirft sowohl Müller als auch Kamber vor, Sozialabgaben der Krankenkasse, der Rentenversicherung und der Arbeitslosenversicherung vorenthalten beziehungsweise veruntreut zu haben, Strafrechts-Paragraf 266 a. Beim Aushandeln des Arbeitsvertrags zwischen der Marktgemeinde und Kamber soll nicht alles koscher gelaufen sein.

Es geht um exakt 9355,62 Euro. Vor Einzelrichter Andi Kögl soll Beweis dafür erbracht werden, dass Kamber seinerzeit einer «Scheinselbstständigkeit» nachging, aber auf der Gehaltsliste des Rathauses hätte stehen müssen. Dadurch wären Beiträge an die Sozialversicherung fällig gewesen.

Der 57 Jahre alte Müller, der 2008 nach nur sechsjähriger Amtszeit die Wiederwahl als Bürgermeister nicht mehr schaffte und heute Direktor eines Altenheims in München ist, hatte zunächst genauso wie der 54-jährige Kamber einen Strafbefehl über je 9000 Euro erhalten. Beide legten Widerspruch ein, sodass es nun zur öffentlichen Verhandlung kommt. Müller habe quasi als Arbeitgeber den Tourismus-Direktor in dessen Selbstständigkeit belassen, ganz anders als dessen Vorgänger bei gleicher Tätigkeit. So lautet der Anklagepunkt. Kamber wird Beihilfe vorgehalten, weil er die Vertragsgestaltung ausdrücklich so gewollt haben soll.

Schon als Kamber lange vor seiner Zeit in Oberstdorf Tourismus-Direktor in Lech am Arlberg war, hatte der dortige Bürgermeister Probleme bekommen. Damals gab es Vorwürfe, dass Teile des Kamberschen Gehalts an der Steuer vorbei direkt in die Schweiz transferiert worden seien. Beim Arbeitsgerichts-Prozess 2008 in Kempten hatte der Richter gemutmaßt, dass auch in Oberstdorf bei den Abgaben nicht alles korrekt sei. Dies wies die Gemeinde zurück. Gestern war eine Stellungnahme im Rathaus nicht zu erhalten.

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