Paukenschlag
Nachfolge-Festival des Oberstdorfer Musiksommers: Gemeinderat lehnt Finanzierung ab

Die Pläne sind geplatzt: 'Musik für die Zukunft' sollte ein 'Europäisches Musikfestival' in der Nachfolge des eingestellten 'Oberstdorfer Musiksommers' heißen. Doch das wird es nun nicht geben. Weil der Oberstdorfer Gemeinderat den beantragten Zuschuss in Höhe von 25 000 Euro nicht genehmigte, schmissen die Organisatoren des Nachfolgefestivals den Bettel überraschend ganz hin. Tod vor der Geburt sozusagen.

Die Genehmigung des Zuschusses im Gemeinderat scheiterte unter anderem daran, dass die Organisatoren den Verein der Freunde und Förderer des Musiksommers nicht ins neue Festival einbezogen haben. Erarbeitet hatten das Konzept für ein 'Europäisches Musikfestival' Reiner Metzger, der Leiter der Oberstdorfer Musikschule, mit einem Team vor Ort sowie Eckart Haupt aus Dresden, jahrzehntelanger Soloflötist der Sächsischen Staatskapelle, Professor an der Musikhochschule in Dresden und Kultursenator von Sachsen.

Sie wollten andere Wege gehen als die Verantwortlichen des Oberstdorfer Musiksommers, Cello-Professor Peter Buck und Rosalinde Brandner-Buck. Metzger und Haupt wollten die Pole 'alte und neue Musik' gleichberechtigt zusammenführen. Diese 'Spitzenkonzerte' sollten einen eher 'intimen, exklusiven' Rahmen haben. Ein dreitägiger Wettbewerb ('Flöte plus') mit besonders anspruchsvollem Programm und Preisgeldern von insgesamt 19 500 Euro sollte sicherstellen, dass daran nur die 20 Besten teilnehmen.

Vor allem sollte die Oberallgäuer Jugend in das Festival eingebunden werden: 2015 in Zusammenarbeit mit den Oberallgäuer Gymnasien Immenstadt, Sonthofen und Oberstdorf. Für dieses Konzept habe es im Gemeinderat zwar positive Stimmen gegeben, sagt Bürgermeister Laurent Mies. Dennoch lehnte es eine Mehrheit mit 10 : 8 Stimmen ab.

Da jetzt aber der Zuschuss fehle, sei das geplante Festival nicht mehr zu verwirklichen. Insgesamt 55 000 Euro hätte es kosten sollen. 20 000 Euro habe ein einzelner Sponsor zugesagt. 10 000 Euro sollten über Kleinsponsoren finanziert werden, der Rest über die Gemeinde. Um neue Geldgeber zu suchen, reiche die Zeit nicht, sagt Reiner Metzger.

Mit dem Verein der Freunde und Förderer des Musiksommers habe man vor geraumer Zeit Gespräche geführt. Damals habe aber das Konzept des neuen Festivals in dieser konkreten Form noch nicht vorgelegen. Es habe sich außerdem abgezeichnet, dass der Verein andere Pläne verfolge.

Jetzt will Hans-Jürgen Gerung wenigstens das pädagogische Programm retten. Der international tätige Komponist und Gitarrist, der an der Musikschule Oberstdorf unterrichtet, hätte beim Festival den Bereich Neue Musik geleitet. Schüler der drei Oberallgäuer Gymnasien sollen in diesem Schuljahr Paul Hindemiths Kinder-Oper 'Wir bauen eine Stadt' einstudieren, sagt er. Einen neuen Anlauf für das Europäische Musikfestival werde es 2016 nicht geben, sagt Reiner Metzger. Oberstdorfs Kulturreferentin Elisabeth Lipp (CSU) bedauert, dass der Gemeinderat den Beschluss nicht um eine Woche verschoben hat.

Das Festival wäre ein 'Glücksfall' für Oberstdorf gewesen, erklärt Bürgermeister Laurent Mies. Obwohl es 'nicht touristisch oder werbemäßig angelegt' gewesen sei, habe er sich davon eine erhöhte Medienwirksamkeit für den Ort erhofft. Jetzt wartet Mies ab, welche Pläne der Musiksommer-Verein vorlegt. Das geplante Projekt hätte durchaus Potenzial gehabt. Vor allem der Gedanke, die Jugend einzubinden, damit gleichsam selbst für die Zuschauer von morgen zu sorgen, scheint sehr vernünftig.

In der Schule bleibt immer weniger Zeit, junge Menschen an gehaltvolle Musik heranzuführen. Hier könnte solch ein Festival wertvolle Hilfe leisten. In Irsee (Ostallgäu) wird das übrigens bei 'Tonspuren' schon erfolgreich vorgelebt. Schade, dass die Festivalplaner bei anderen Dingen nicht so vorausschauend gedacht haben, wie bei diesem Konzept für die Jugend.

Haben sie sich wirklich gedacht, vom Oberstdorfer Gemeinderat 25 000 Euro Zuschuss für ein Festival zu erhalten, dessen Programm bewusst elitär, bewusst nicht 'touristisch oder werbemäßig angelegt ist'? Und: Warum hat man nicht für das konkrete Konzept beim Verein der Förderer und Freunde des Musiksommers geworben?

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