Konfliktlösen
Mobbing steht an erster Stelle

«Ich habe es an seinen Augen erkannt, dass er lügt.» Einmal hatte der 13-jährige Troy einen Schüler gestellt, der an der Oberstdorfer Mittelschule etwas hatte mitgehen lassen.

Doch Diebstahl sei eher die Ausnahme, bestätigen auch die anderen Streitschlichter, mit denen Alfred Reichert im Sonthofer Amtsgericht diskutiert: Dem Direktor erzählen die Zwölf an diesem Nachmittag, mit welchen Fällen sie es an ihrer Schule oft zu tun haben. Neben «Zickenkrieg» und «Streitereien», bei denen ab und an gerauft werde, stehe vor allem ein Thema häufig auf der Tagesordnung: Mobbing.

«Vornehmlich mithilfe von sozialen Netzwerken im Internet, wie etwa Facebook, werden Schüler von anderen gehänselt», weiß Nadja Schuster - die Sozialarbeiterin betreut die Streitschlichter an der Mittelschule in Oberstdorf. Betroffene würden häufig nichts darüber sagen - aus Angst, dass es für sie noch schlimmer kommt. Aber besonders für sie seien die jungen Vermittler da: «Gerade Ihr könnt auf alle Eure Mitschüler eingehen», unterstreicht Direktor Reichert die wichtige Aufgabe der Streitschlichter.

Oft Kleinigkeiten schuld

«Der größte Krach zwischen Schülern entsteht häufig durch Kleinigkeiten, wenn zum Beispiel einer den anderen provoziert», erklärt Christina. Nach und nach schaukele sich die Sache dann hoch - genau hier komme der Streitschlichter ins Spiel.

Zuerst würden den Beteiligten die Regeln klargemacht. Anschließend werde geklärt, wie und warum sie aneinandergeraten sind. Bei ihrer 30-stündigen Schulung hat die 13-Jährige zudem gelernt, die Streithähne immer ausreden zu lassen und ihnen aufmerksam zuzuhören. Jeder solle sich nämlich in den anderen hineinversetzen und dessen Gefühle nachvollziehen können.

«Dann schlagen wir eine Lösung für alle vor und halten sie schriftlich fest», beschreibt Mathias (14). Zwei Wochen später würden sich die Beteiligten mit dem Streitschlichter noch einmal treffen, um zu sehen, was herausgekommen ist.

«Sehr gut», lobt Reichert das Vorgehen seiner «künftigen Kollegen», wie er die Schüler nennt. Auch der Richter versucht, tunlichst alle Fälle zu schlichten. Dafür müsse man gut vorbereitet sein und möglichst alle Hintergründe und Umstände kennen. Ziel sei immer, eine gemeinsame, für alle Parteien verträgliche Lösung zu finden.

«Ich war früher auch mal Täter, aber auch Opfer», gibt Troy zu. Für den 13-Jährigen ist es allerdings «ein schönes Gefühl, anderen zu helfen». «Man lernt, Konflikte ohne Fäuste, sondern mit Worten zu lösen», findet Albert (14). «Und auch wie man andere darin unterstützt», ergänzt die 13-jährige Marlene.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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