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Schlammlawine
Mit Schaufel und Besen gegen den Schlamm: Alexander Fiala (22) hilft seinen Nachbarn in Oberstdorf

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Tag vier nach der Schlammlawine in Oberstdorf: Die Straße Am Dummelsmoos jenseits der Trettach ist nach wie vor abgesperrt. Wer das Gelände hinter dem Absperrband betritt, verlässt das beschauliche Dorfidyll und taucht ein in einen Ausnahmezustand.

Feuerwehrmänner, freiwillige Helfer, Asylbewerber und Anwohner - alle packen an. Ihre Kleidung steht vor Dreck. Fleißig reichen sie mit Schlamm gefüllte Eimer von einem Helfer zum nächsten, damit der letzte in der Menschenkette ihn in einen Container kippen kann. Nebenan steht eine Frau auf der Haustürschwelle, streift die Gummistiefel ab, schaut an sich herunter und scherzt "mit Perwoll gewaschen".

Diese Szenen spielen sich seit Tagen "Am Dummelsmoos" ab. Von Sonntag bis Dienstag hat auch Alexander Fiala (22) geholfen. Er wohnt im Haus seiner Eltern im unteren Drittel der Straße und ist nur indirekt von der Schlammlawine betroffen. Das Haus steht rechts der Straße und ist von den Schlammmassen verschont geblieben. Sie hatten nur bis Montag Abend keinen Strom.

Für Alexander und seinen Bruder war es von Anfang an selbstverständlich, den Nachbarn zu helfen. "Wenn ich betroffen wäre, wäre ich total froh, wenn mir die Leute helfen würden", sagt Fiala. Am Sonntag haben sich die beiden sofort Schaufel und Besen geschnappt und sind rausgegangen, um den Schlamm und das Wasser aus Gärten und Kellern zu schaufeln. Als er dann spätabends heimkam, war Alexander Fiala "einfach nur heilfroh, dass man bei den Nachbarn helfen konnte und dass da was vorwärts gegangen ist. Dass der nicht komplett alleine mit seinen Problemen dastand."

Die Schlammlawine hat das Wohngebiet "Am Dummelsmoos" in einen Ausnahmezustand versetzt - auch in menschlicher Hinsicht. Die Hilfsbereitschaft im Ort war laut Alexander Fiala extrem: "Es waren wildfremde Leute da, die einfach einen Besen in die Hand genommen haben, und bei anderen fremden Leute den Schlamm weggeschaufelt haben."

Auch wenn die Mure Chaos hinterlassen hat, die Helfer haben sich untereinander sehr gut organisiert. Das ergibt sich laut Fiala immer irgendwie von alleine: "Der, der was kann, macht einfach auf gut Deutsch sein Maul auf. Und die anderen, die keine Ahnung davon haben, die helfen einfach." So haben die Helfer beispielsweise gemeinsam beim Nachbarn das nasse Holz aus dem Keller geholt. Und einer, der es konnte, hat an trockener Stelle wieder das Holz aufgestapelt. Die anderen haben eine Kette gebildet und ihm die Scheite gereicht.

Zwei Häuser hat die Schlammlawine besonders stark getroffen. Sie befinden sich am linken oberen Rand in einer Rechtskurve. Die Betroffenen sind laut Fiala gerade viel zu sehr gestresst, um ihre Dankbarkeit richtig auszudrücken. Aber das ist für ihn okay. "Ich glaube, das wissen die Helfer selber, dass derjenige heilfroh ist, dass man ihm hilft."

Sonntagabend nach dem Hilfseinsatz kehrten die Fiala-Brüder in ihr Haus ohne Strom zurück. Sie haben Kerzen angezündet und "wie Kleinkinder" Brettspiele gespielt. Das schönste Erlebnis für Fiala in den vier Tagen nach der Schlammlawine? "Jeden Abend ins Bett fallen zu können und zu wissen, dass man was geschafft hat", sagt er zufrieden. Und das hat er, gemeinsam mit hunderten Helfern.

Der Markt Oberstdorf hat für die Opfer ein Spendenkonto bei der Sparkasse Allgäu eingerichtet (IBAN: DE 2873 3500 0000 0026 0125; BIC: BYLADEM1ALG; Stichwort "Schlammlawine").

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