Langlauf
Katrin Zeller Zwölfte beim 30-km-Rennen - Thomas Weiß im Interview mit der Oberstdorferin

Sie startete mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. Die Nichtnominierung für die deutsche Langlaufstaffel vor einer Woche hatte Katrin Zeller vom Skiclub Oberstdorf noch nicht vergessen, als sie am Samstag ihren letzten olympischen Wettkampf bestritt.

Im 30-Kilometer-Rennen in der freien Technik lief die 34-jährige Allgäuerin, die nach der Saison ihre aktive Karriere beenden will, ein beherztes Rennen: Sie war hinter dem norwegischen Schnellzug mit Marit Björgen, Therese Johaug und Kristin Stoermer Steira (die einen grandiosen Dreifach-Triumph feierten) lange in der Verfolgergruppe und landete am Ende mit gut anderthalb Minuten Rückstand auf die Siegerin auf Platz zwölf.

Ihre Teamkollegin Nicole Fessel, die mit der Staffel Bronze gewonnen hatte, musste nach zehn Kilometern mit starken Schmerzen im Schienbein aufgeben.

Interview mit Katrin Zeller:

Katrin Zeller, sind Sie zufrieden mit dem zwölften Platz?

Zeller: Ja, das war doch ein versöhnlicher Abschluss für mich. Die letzten zwei Kilometer hat’s mir zwar ein bisschen den Stecker gezogen und ich hatte Krämpfe in den Oberschenkeln und musste ein paar Plätze herschenken. Aber ich bin schon zufrieden.

Ist damit auch der Frust von der Staffel weg – oder trägt man das noch eine ganze Weile mit sich rum?

Zeller: Ja natürlich ärgert mich das immer noch. Vor allem, weil sie ja eine Medaille gewonnen haben, und man weiß, dass man da auch ein Teil der Mannschaft hätte sein können. Aber es ist jetzt halt mal so. Ich kann es nicht mehr ändern. Aber ich kann es auch bis heute nicht nachvollziehen, warum die Trainer so entschieden haben.

Wie habt Ihr gestern den Doping-Fall Eurer ehemaligen Kollegin aufgenommen?

Zeller: Wir waren schon alle sehr schockiert. Man kann sich das nicht wirklich vorstellen, weil die Evi eine ist, die immer alles kontrollieren lässt. Ja, wir waren einfach nur geschockt.

Heute ist ein dritter Dopingfall bei Olympia bekanntgeworden. Eine ukrainische Langläuferin wurde erwischt… Jetzt müsst Ihr Euch wieder unangenehme Fragen gefallen lassen, oder?

Zeller: Ja, da werden jetzt wieder alle Sportler über den gleichen Kamm geschert. Es gibt immer schwarze Schafe, aber ich bin sauber, das weiß ich. Und ich kann mit gutem Gewissen diesen Sport betreiben.

Ist es eigentlich ganz und gäbe, dass man Nahrungsergänzungsmittel nimmt – und die dann im Labor untersuchen lässt…?

Zeller: Ja auf alle Fälle. Das wird von unseren Betreuern und Coaches auch immer gesagt: Wenn ihr Nahrungsergänzungsmittel nehmt, lasst sie bitte kontrollieren. Und bei der Evi weiß ich: sie macht das normalerweise immer. Als darum bin ich da echt auch etwas geschockt.

Wie ist es bei Ihnen? Nehmen auch Sie regelmäßig solche anregenden Tees oder Riegel?

Zeller: "Nee, nee, ich nehm nur das, was wir vom Deutschen Skiverband bekommen – und was alles schon überprüft wurde."

D.h. ihr habt gewisse Produkte, die Euch empfohlen werden?

Zeller: "Ja, genau. Stefan Schwarzbach, DSV-Pressesprecher, schaltet sich ein: Wir haben auch Partner, die uns mit Nahrungsergänzungsmittel ausstatten – mit einem dementsprechenden Prüfsiegel. Da gibt es die Kölner Liste noch dazu. Auf dieser sind alle Nahrungsergänzungsmittel drauf, die verwendet werden können im Profisport. Und sollte darüber hinaus noch etwas genommen werden, dann greift das, was die Katrin sagt. Dann müssen die Athleten selbst dafür Sorge tragen, und dann gibt es die Möglichkeit, dass man so was testen lässt. Inwiefern das bei der Evi umfangreich oder allumfassend getestet wurde, wissen wir nicht."

Das wird nicht leicht für die Evi jetzt, oder?

Zeller: "Ja, ich kenn die Evi ja jetzt schon über 20 Jahre. Ja, das ist schon ziemlich traurig."

Werden Sie in den nächsten Tagen mal Kontakt mit ihr aufnehmen?

Zeller: "Ich glaube, die Evi hat jetzt andere Probleme. Ich werde natürlich irgendwann mal Kontakt mit ihr haben, aber jetzt lass ich Sie in Ruhe."

Wann geht’s zurück nach Oberstdorf?

Zeller: "Am Montag. Ich werde mir morgen noch den 50er der Männer anschauen – und dann noch die Abschlussfeier , und dann geht’s nach Hause."

Wie geht’s für Sie weiter? Es kommen noch ein paar Weltcup-Rennen – und dann wollen Sie ja Ihre Karriere beenden.

Zeller: "Ja, jetzt kommen noch Lahti und Falun – und dann ist Schluss."

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