Kirchenkonzert
Kantorin Katharina Pohl gestaltet ein engagiertes Programm mit Flötisten in Oberstdorf

Dass die evangelische Kirche in Oberstdorf mit Katharina Pohl eine engagierte und ambitionierte Kirchenmusikerin gewonnen hat, davon konnte man sich an den Weihnachtstagen überzeugen. Die Musik zu den Gottesdiensten wurde gekrönt von einer Musiker-Schar mit Auszügen aus Schütz 'Weihnachtshistorie', zum Abschluss gab es ein Konzert mit Pohl und Michael Frank Meier (Querflöte). Das Programm bewies Format und Courage.

Minimale Konzentrationsschwächen der Organistin sind nach einem solchen Marathonlauf unvermeidlich und fallen nicht ins Gewicht.

Duftiges Duett

Mit ausgefallener Barockmusik ging es los: Eine Sonate von Leonardo Vinci erklang mit einer kleinen Truhenorgel im duftigen Duett mit der Querflöte. Während Meier in einer Suite von Boismortier französische Noblesse verströmte, wechselte Pohl auf die große Orgel.

Die 'Noëels' von Dandrieu beginnen mit Dudelsack-Bordun. Da schnarrten die Pfeifen, waren selten benutzte Register zu hören. Geschichten aus Tönen. Beherzte Hirtenklänge wärmten die Kirche.

Der nächste Abschnitt war modernen Komponisten gewidmet. Jean Langlais (1907 bis 1991), Hans Hiller (1873 bis 1938) und die 1946 geborene Rosalie Boninghton – sie alle sind als Tonsetzer eine Entdeckung wert. Klänge flossen überirdisch weich von der Empore. Moderne Musik zum Durchatmen und Genießen.

Ungewöhnlich charmant

Virtuose Kaskaden brachen sich dann mit Bachs Orgel-Fantasie BWV 572 Bahn. Was zehn Finger und zwei Füße leisten können! Girlanden aus Flötentönen flocht dann Meier mit einer Fantasie von Telemann, ehe es zum Abschluss wieder nach vorne an die Truhenorgel ging.

Die Sonate BWV 1031 zeigt Bach von einer ungewöhnlich charmanten, gefühlvollen Seite. Blumiger können Flöte und Taste nicht klingen. Das Werk ist für obligates Cembalo auskomponiert. Diesen silbrigen Sound auf die Orgel zu übertragen, ist eine Aufgabe.

Ein Programm, das nur mit guter Vorbereitung zu realisieren war. Ein weiter Horizont von barocker Theatralik bis zu zarten Klangträumen unserer Zeit. Neue musikalische Kraft und Einsatzbereitschaft, die dem Oberallgäu guttut.

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