Jagd
Jagdexperten diskutieren über Jagd und Hege der Tiere

Das Reh - Von vielen Menschen als «Bambi» geliebt, vom Jäger als Trophäe geschätzt und vom Förster bei der Waldverjüngung gefürchtet stand das Tier im Mittelpunkt einer Tagung in der Fiskina in Fischen.

«Das Reh- macht zusammen mit dem Gemswild als Verbeißer die größten Schwierigkeiten im Bergwald», sagte Professor Wolf Schröder von der Technischen Universität München, der im Rahmen des Schalenwildprojekts Oberallgäu die Tagung organisierte, bei der verschiedene Experten Vorträge hielten. Das Interesse war groß und der Saal bis auf den letzten Platz gefühlt. «Es gibt unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema», sagte der Fischinger Bürgermeister Edgar Rölz. «Aber die Wahrheit liegt im Wald.»

Die Referenten präsentierten unterschiedliche Beispiele der Rehjagd aus Revieren in Bayern, Österreich, Südtirol und der Schweiz. Die Umwandlung labiler, monotoner Fichtenbestände in stabilere Bergmischwälder stünde heute unter einem hohen Verbissdruck», erklärte der Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky. Früher habe es im Bergmischwald eine große Population von Wölfen und Luchsen gegeben, die die Schalenwildbestände in Schach hielten. Außerdem hätten Hirsche und Rehe nur wenig Nahrung vorgefunden, weil in den alten Wäldern nur wenig Bodenvegetation gab. Der Grund dafür war der Schatten durch die geschlossenen Kronendächer der Bäume.

Hoher Populationsdruck

«Wenn sie Rehwild konditionieren, lösen sie einen Populationsdruck aus, der jagdlich nur schwer wieder in den Griff zu bekommen ist», erklärte Erich Erbgraf von Waldburg-Zeil, der auf der Tagung vom Wandel der Rehjagd in seinen Revieren sprach. Dort war die Fütterung der Tiere in den 80er Jahren eingestellt worden, wobei gleichzeitig der Jagddruck erhöht wurde. Dennoch gingen die Bestände nicht deutlich zurück. «Wir haben keinerlei Erfahrungen, dass das Rehwild in unseren Lagen eine Notzeitfütterung braucht», sagte Waldburg-Zeit in Bezug auf seine Oberallgäuer Reviere.

Zum Auftakt der Veranstaltung hatte Professor Wolf Schröder auf 200 Jahre Rehjagd und Hege im Gebirge zurückgeblickt. Dabei stellte der Wissenschaftler verschiedene Idealtypen von Jägern vor. Vom wilden bis zum systembewussten Jäger habe sich das Berufsbild und Selbstverständnis gewandelt, erklärte Schröder. Wurden die Rehe anfangs noch mit Hunden bedingungslos gejagt, rückten bald Themen wie die Fütterung der Tiere in den Vordergrund. Heute sei die Jagd zu einer bewussten Entscheidung geworden, um den Wildbestand zu kontrollieren.

In der Diskussion forderte Heinrich Schwarz, Zweiter Vorsitzender des Kreisjagdverbands, eine unterschiedliche Behandlung für die Reviere im Oberallgäu. «Reviere, in denen ausschließlich Rehwild vorkommt, müssen anders behandelt werden, als die Reviere, in denen alle Schalenwildbestände vorkommen.

» Hier sollte eine Hege des Rehwildes möglich sein. Daraufhin gab Klaus Dinser vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu bedenken, dass in fast allen für die Bergwaldoffensive relevanten Revieren neben dem Reh- auch Rotwild vorkomme.

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