Meteorologie
In Oberstdorf liegt Deutschlands südlichste Wetterbeobachtungswarte

4Bilder

Ihre Leidenschaft ist das Wetter. Doch es ist nicht ihr Job zu prognostizieren, wie es morgen wird: Die gebürtigen Oberstdorfer Wolfgang Ferstl (54) und sein 48-jähriger Kollege Andreas Schmid sind Wetterbeobachter an der Oberstdorfer Warte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der südlichsten in Deutschland.

Oberstdorf gehört zu den Stationen im DWD-Messnetz, die noch täglich von 5 bis 21 Uhr besetzt sind. Untergebracht ist die Warte in einem unscheinbaren Wohnhaus im Oberstdorfer Süden. Nur eine goldene Tafel am Eingang verrät, dass hier der Wetterdienst untergebracht ist.

Immer wieder draußen

Vier meteorologische Beobachter wechseln sich ab, auch an Wochenenden und an Feiertagen. Im Halb-Stunden-Takt schicken die Männer eine Wettermeldung an die DWD-Zentrale in Offenbach. << Jeder von uns geht immer wieder raus >>, sagt Schmid. Denn obwohl viele Daten mittlerweile automatisch erfasst und online übertragen werden: Manche Phänomene können nun einmal am besten von den Fachleuten beschrieben werden. Dazu gehören beispielsweise die vorherrschende Wolkenart oder deren Ober- und Untergrenze.

Genauso wie der Schneedeckenaufbau im Winter. << Natürlich braucht man eine gewisse Begeisterung für die Natur und für Wetterphänomene >>, berichtet Bergliebhaber Ferstl, der seit 36 Jahren als Beobachter tätig ist und dem keiner was vormachen kann, wenn es ums Oberstdorfer Wetter geht. Schmid hatte 20 Jahre lang auf der Zugspitze gearbeitet, war dort an verschiedenen Forschungsprojekten beteiligt. << Eigentlich sind wir Wetterdatenverwalter >>, so Schmid - also Herr über einen riesigen Datenwust, der einerseits Basis für die Vorhersagen durch die Meteorologen ist, andererseits aber auch statistischen Zwecken dient.

Nebenbei machen die Oberstdorfer Wetterfrösche auch noch phänologische Beobachtungen und dokumentieren diese. Die Phänologie beschreibt den jeweiligen Stand der Vegetation im Vergleich zum langjährigen Mittel - beispielsweise den Beginn der Apfel- oder Kirschblüte. Wegen der allgemeinen Erwärmung ist seit Jahren ein Trend zu einer längeren Vegetationsperiode zu beobachten. Eine Wetter-Beobachtungsstation gibt es in Oberstdorf bereits seit 1936, regelmäßige Temperaturmessungen begannen aber schon 1886. Die wichtigsten Instrumente sind auf einem rund 400 Meter vom bebauten Ortsrand entfernten Messfeld aufgebaut.

Wenn man mit Wolfgang Ferstl oder Andreas Schmid über extreme Wetterlagen spricht, dann heißt es meist: << Alles schon mal da gewesen >>, mit der kühlen Sachlichkeit der Datenverwalter. Einzig die Niederschlagsmengen: Da hat es in den vergangenen Monaten sehr wohl Auffälligkeiten gegeben. << Seit September vergangenen Jahres hatten wir jeden Monat nur etwa die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags >>, berichtet Ferstl. Das sei schon sehr selten.

Morgen Tag der offenen Tür

Am morgigen Mittwoch findet an der Oberstdorfer Wetterwarte (Wannackerstraße 7) ein Tag der offenen Tür statt.

Von 10 bis 18 Uhr zeigen die Beobachter, wie das Wetter in Oberstdorf nach weltweit gleichen Richtlinien halbstündlich erfasst wird, erklären die Messinstrumente und stehen auch sonst Rede und Antwort.

Der telefonische Wetterbericht für das Oberallgäu kann unter der Telefonnummer 08322/1221 abgehört werden.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen